Spatenstich
«Der Bau aus den 1960er-Jahren entspricht nicht mehr heutigen Standards»: Ab heute entsteht in St.Gallen das neue Kinderspital

Der erste Spatenstich für das neue Ostschweizer Kinderspital ist getan. Der 186-Millionen-Neubau auf dem Areal des Kantonsspitals soll Ende 2025 fertig sein.

Marlen Hämmerli
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Kinder von Angestellten des «Kispi» setzen den ersten Spatenstich für den Neubau – und stossen auf Spielzeug.

Kinder von Angestellten des «Kispi» setzen den ersten Spatenstich für den Neubau – und stossen auf Spielzeug.

Bild: Michel Canonica

Etwas einschüchternd finden sie es doch. Das ist den vier Kindern anzumerken. Ausgerüstet mit Schaufeln im Kinderformat stehen die zwei Mädchen und zwei Buben auf der Baustelle. Dort, wo bis Ende 2025 das neue Ostschweizer Kinderspital entsteht. Vor sich haben die Kleinen einen flachgedrückten Haufen Erde, hinter sich ihre Eltern – und rundum eine Gruppe Erwachsener. Gespannt sehen alle zu, wie die Kinder symbolisch den ersten Spatenstich setzen. Kurz nach Ostern haben sie die Aufgabe gefasst, das im Haufen versteckte Spielzeug auszugraben. Einen Moment lang gleicht die Grossbaustelle einer Kinderbaustelle.

Ein etwa vierjähriges Mädchen in pinker Jacke gibt schnell auf und rennt zu seiner Mutter zurück. Derweil gräbt ein etwas älterer Bub zwei Duplo-Bausets aus. Die Erwachsenen applaudieren brav, einige schiessen mit dem Handy Fotos. Das dritte Spielzeug fördert einen Mann für das Mädchen zu Tage. Dann sind die Erwachsenen an der Reihe, mit Schaufeln zu posieren:

Geradestehen fürs Medienfoto: Vertreter der Stiftung Ostschweizer Kinderspital und der Träger.

Geradestehen fürs Medienfoto: Vertreter der Stiftung Ostschweizer Kinderspital und der Träger.

Bild: Michel Canonica

Ein Meilenstein für beide Spitäler

Aufgrund der Coronapandemie ist es ein Spatenstich im kleinen Kreis. Trotzdem sind relativ viele Personen vor Ort. Vertreter der Stiftung Ostschweizer Kinderspital (OKS) und der Trägerkantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau sowie dem Fürstentum Liechtenstein sind anwesend. Der Direktor des Kantonsspitals St.Gallen (KSSG) ist da, ebenso wie der zuständige Architekt und die verantwortlichen Projektleiter.

Der Auflauf verwundert nicht. Für das Kinderspital ist der Spatenstich ein Meilenstein. Für das Kantonsspital St.Gallen und das Grossbauprojekt «come together» ist er ein wichtiger Zwischenschritt. Neben dem schon fertiggestellten Haus 10 und den Häusern 07A und 07B ist es der vierte Neubau, der auf dem Areal entsteht. Kostenpunkt für Bau und Ausstattung: rund 186 Millionen Franken.

Zugegen ist auch Arno Noger, Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen und Stiftungsratspräsident des Kinderspitals. Er sei schon 2010 dabei gewesen als Mitglied der Jury, die den Entwurf «come together» ausgewählt hat.

«Heute freue ich mich sehr, dass nach dem Überwinden politischer, finanzieller und planerischer Hürden die Sache nun real wird.»
Arno Noger, Stiftungsratspräsident des Ostschweizer Kinderspitals und Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Arno Noger, Stiftungsratspräsident des Ostschweizer Kinderspitals und Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

40-Meter-Hochhaus, zwölf Geschosse, ein Volumen von 134'000 Kubikmeter

Von der Rorschacher Strasse her gesehen wird das neue Kinderspital rechts vom heutigen Haus 01 und dem Hochhaus 04 gebaut. Direkt neben dem Kiosk beginnt der Baustellenplatz, umzäunt mit blauen Wänden. Dort wo früher unter anderem ein kleiner Platz mit Bänkli und einem Kastanienbaum war.

Das neue «Kispi» wird am Ende aus zwei Untergeschossen, einem Erdgeschoss und neun Obergeschossen bestehen. Als zehnter Stock entsteht ein Helikopterlandeplatz, in einer Höhe von rund 40 Metern. In einem Untergeschoss ist die Technik untergebracht, im anderen Therapieräume und Radiologie. Im Erdgeschoss wird sich das Ambulatorium befinden. Im ersten Stock ist das Perinatalzentrum geplant, das im Verbund mit dem Kantonsspital als Mutter-Kinder-Zentrum geführt werden wird. Das Gebäudevolumen beträgt 134'000 Kubikmeter.

Über den Sockel wird das Kinderspital mit den Neubauten 07A und 07B mit dem Kantonsspital verbunden. Die Dachfläche des Sockels wird begrünt. Sowieso war den Planern die Begrünung wichtig, wie am Mittwoch verschiedentlich erwähnt wird. Geplant sind denn auch sogenannte Gartenzimmer. Grüne Oasen, die den Spitalaufenthalt erträglicher machen sollen. Guido Bucher, Direktor und Vorsitzender der Spitalleitung des OKS, sagt: «Die Familienorientierung ist eine Verpflichtung. Wir möchten für jedes Patientenbett eine Übernachtungsmöglichkeit für Familienangehörige bereitstellen.»

Guido Bucher, Direktor Stiftung OKS und Vorsitzender der Spitalleitung.

Guido Bucher, Direktor Stiftung OKS und Vorsitzender der Spitalleitung.

Bild: Benjamin Manser (7. Juli 2020)

Die Kosten für den Bau tragen die Träger des Kinderspitals. Für das Mobiliar muss es hingegen selbst aufkommen. Für das also, was «ein gutes Gebäude zu einem kindergerechten Spital machen wird», wie Stiftungsratspräsident Arno Noger sagt. Dafür sind 33 Millionen Franken veranschlagt. Private Spender sollen sieben Millionen Franken beisteuern. Bisher sind über drei Millionen Franken zusammengekommen.

Das Areal entwickelt sich zum Gesundheitscampus

Rücken Kinderspital und Kantonsspital näher zusammen, hat das mehrere Vorteile wie Guido Bucher erklärt. So können über einen gemeinsamen Notfall, der in einen Kinder- und einen Erwachsenenbereich aufgeteilt wird, Synergien genutzt werden. Derzeit ist das Kinderspital auf diverse zusätzliche Häuser verteilt. Mit dem Neubau können diese zusammengeführt werden. «Das führt zu wesentlichen Verbesserungen in den Abläufen.» Heute schon arbeiten «Kispi» und KSSG zusammen. Für – zum Beispiel – ein MRI muss ein Kind derzeit noch von der Claudius- an die Rorschacher Strasse transportiert werden. Künftig nicht mehr.

«Heute kann man ein Spital nicht mehr auf der grünen Wiese bauen.»

So fällt am Mittwoch neben den Stichworten «grün» und «kinderfreundlich» ein drittes Schlagwort: «Gesundheitszentrum». Auch der St.Galler Regierungsrat Bruno Damann nimmt es in den Mund. Hier entstehe ein medizinischer Campus. «Der Altbau aus den 1960er-Jahren entspricht nicht mehr den heutigen Standards. Der Neubau ist wichtig.»

Bruno Damann, Gesundheitsminister Kanton St.Gallen.

Bruno Damann, Gesundheitsminister Kanton St.Gallen.

Bild: Arthur Gamsa (25. Februar 2021)

Ein ganzes Spital muss umziehen

In den nächsten rund vier Jahren übernehmen Arbeiter und Bagger auf der Baustelle. Derweil bereitet sich das Personal des «Kispi» auf den Umzug vor. Da ist zum einen das neue Betriebskonzept, das ausgearbeitet werden muss. Zum anderen gilt es, ein gesamtes Spital von A nach B zu zügeln. Bucher, Vorsitzender der Spitalleitung, sagt: «Das ist nicht zu unterschätzen.»

All das kümmert die vier Kinder, die den ersten Spatenstich taten, wenig. Sie sind mit ihrer eigenen Baustelle beschäftigt: den Duplo-Bausätzen.

Das Areal an der Claudiusstrasse ist interessant, aber was passiert damit?

St. Gallen - Das Kinderspital zieht 2025 auf das Areal des Kantonsspitals. Das frei werdende Areal an der Claudiusstrasse eignet sich perfekt für modernes Wohnen

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Ralph Ribi (9. September 2019)

Ende 2025 heisst es «Lichter löschen» im Haus an der Claudiusstrasse. 1966 war es im Grossacker gebaut worden, bald hat es ausgedient. Der Countdown hat am Mittwoch begonnen mit dem Spatenstich auf dem Areal des Kantonsspitals St.Gallen.

Das heutige «Kispi» beansprucht 5500 Quadratmeter Boden. Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat die Parzelle der Stiftung Ostschweizer Kinderspital (OKS) im Baurecht abgegeben. Und sie hat zwischen Claudius- und Flurhofstrasse weitere 9000 Quadratmeter reserviert für einen Erweiterungsbau. Insgesamt also 14'5000 Quadratmeter, in nächster Nähe zum Zentrum, zum Bahnhof St.Fiden und dem Einkaufszentrum Silberturm. Auch die Primarschule Grossacker ist nicht weit. Was geschieht also mit dieser zentrumsnahen Fläche?

«Das ist noch nicht klar», sagt Arno Noger, Stiftungsratspräsident und Präsident der Ortsbürgergemeinde. Voraussichtlich wird das heutige Gebäude des Kinderspitals aber zurückgebaut. Vor eineinhalb Jahren stand noch offen, ob es umgenutzt, ganz oder teilweise abgebrochen wird. Die Ortsbürgergemeinde stehe in Kontakt mit Kanton und Stadt, sagt Noger. Noch sei aber nichts konkretes geplant. Sicher ist nur: «Es ist eine interessante Fläche, auf der man etwas Spannendes machen kann.»