«Ein unfaires Weihnachtsgeschenk»: Die SP Gossau ärgert sich über CVP-Initiative

Die CVP möchte eine zweite Bahnhofsunterführung – und brüskiert damit die SP, die seit Jahren das Gleiche fordert.

David Grob
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Zu eng, zu dunkel, ein Nadelöhr: Die SP fordert seit Jahren eine zweite Unterführung, die CVP seit letzter Woche.

Zu eng, zu dunkel, ein Nadelöhr: Die SP fordert seit Jahren eine zweite Unterführung, die CVP seit letzter Woche.

Bild: Urs Bucher (14.Oktober 2019)

Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die örtlichen Sozialdemokraten für eine zweite Unter- oder Überführung für Fussgänger und Velofahrer am Bahnhof Gossau. Nun wurde vergangene Woche eine Initiative lanciert, die genau dies zum Ziel hat und Unterschriften für eine zweite Querung sammelt. Allerdings steht hinter der Initiative nicht die SP Gossau-Arnegg, sondern die örtliche CVP.

Diese Initiative nehme man mit grossem Erstaunen zur Kenntnis, schreibt die SP in einer Medienmitteilung einen Tag, nachdem die CVP Gossau-Arnegg ihr Anliegen publik gemacht hat.

«Damit bedient sie sich unverfroren eines Themas, für das sich die SP Gossau seit vielen Jahren einsetzt.»

Beidseitiges Erstaunen über die anderen

Ruedi Blumer, Präsident der SP Gossau.

Ruedi Blumer, Präsident der SP Gossau.

Bild: Ralph Ribi (4. September 2019)

Es ist nicht das Anliegen an sich, an dem sich die SP Gossau-Arnegg stört, wie Präsident Ruedi Blumer sagt. Sondern das Vorgehen. «Wir hätten erwartet, dass die CVP im Vorfeld auf uns zukommen würde, wenn sie eine solche Initiative plant», sagt Blumer. Schliesslich sei in Gossau bekannt, dass sich die SP seit Jahren für eine zweite Querung einsetze. Insofern sei es merkwürdig und unfair, dass die CVP nie den Kontakt gesucht habe.

«Wir hätten den Weg gerne gemeinsam beschritten.»

Erstaunt ist auch die CVP. Ob der Kritik der SP. «Die Anschuldigung ist nicht gerechtfertigt», sagt Martin Pfister, Mediensprecher der CVP Gossau und Mitglied des Initiativkomitees. Es gebe kein Reglement, das bestimmte Themen für eine Partei reservierte. Warum aber hat die CVP im Vorfeld nie Kontakt mit der SP aufgenommen? «Dies ist uns schlicht nicht in den Sinn gekommen», sagt Pfister. Die Dringlichkeit für eine zweite Querung sei der CVP bei einem internen Workshop klar geworden. Und die Idee wurde weiter verfolgt und konkretisiert.

«Ein unfaires Weihnachtsgeschenk»

Rücksichtslos sei das Vorgehen der CVP, unverfroren und ein unfaires Weihnachtsgeschenk: Liest man die Medienmitteilung der SP, so wirkt die Partei durch das Initiativbegehren der CVP brüskiert. Dies hat seine Gründe: Denn die Gossauer Sozialdemokraten arbeiten derzeit ebenfalls an einer Initiative, die den Fuss- und Veloverkehr betrifft. Zusammen mit ihren St.Galler Parteikollegen möchten sie mit einer eigenen Veloinitiative die Infrastruktur für Velofahrer über die Gemeindegrenzen hinweg verbessern.

Blumer nennt einige Punkte: Fehlende Velostreifen in Gossau oder der Veloweg übers Sitterviadukt, der zu eng sei. «Und natürlich ist auch die Situation am Bahnhof Gossau ein wichtiges Puzzlestück im regionalen Velonetz», sagt Blumer. Man befinde sich derzeit in der Ausarbeitung der Initiative. «Umso mehr ärgert es uns, dass die Initiative der CVP in diese Phase fällt.»

Wird der Weg doch noch gemeinsam beschritten?

Trotzdem möchte sich die SP einer künftigen Zusammenarbeit mit der CVP nicht verschliessen. Sobald die eigene Initiative genügend vorbereitet sei, werde man das Gespräch mit anderen Akteuren – und somit auch der CVP – suchen, sagt Blumer. «Wir machen nicht das Gleiche wie die CVP.» Denn grundsätzlich begrüsse man ihre Initiative für eine zweite Querung, da sie inhaltlich den Bestrebungen der SP entspreche.

Auch die Gossauer CVP kann sich eine Zusammenarbeit mit der SP vorstellen. Pfister vom CVP-Initiativkomitee meint:

Martin Pfister, Mediensprecher CVP Gossau und Initiativkomiteemitglied

Martin Pfister, Mediensprecher CVP Gossau und Initiativkomiteemitglied

Bild: PD
«Die beiden Initiativen schliessen sich ja nicht aus, sondern ergänzen sich im besten Fall.»

Der Weg könnte also doch noch gemeinsam beschritten werden.