«Sonst müssten wir die ganze Wiese auswechseln»: Das Laub auf St.Galler Grünflächen und Strassen wird kompostiert oder entsorgt

Stadtgrün und das Tiefbauamt der Stadt St.Gallen sammeln jeden Herbst das Laub ein. Ohne ihre Arbeit könnte das Laub eine Gefahr für Mensch und Wiese darstellen.

Theepan Ratneswaran
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Schimmelgefahr: Das Laub muss weg von der Wiese im Stadtpark.

Schimmelgefahr: Das Laub muss weg von der Wiese im Stadtpark.

Bild: Michel Canonica (18. November 2020)

Es ist wieder so weit. Die Blätter fallen von den Bäumen und die Laubbläser von Stadtgrün St.Gallen brummen. Es ist höchste Zeit, den Stadtpark vom Laub zu befreien. Aber warum eigentlich? Schliesslich bieten etwa Laub-Ast-Haufen Igeln einen Unterschlupf. Und was passiert überhaupt mit all dem eingesammelten Laub?

«Sauberes Laub wird der Kompostierung zugeführt. Verschmutztes Laub geht in die Kehrichtverbrennungsanlage», sagt Gerald Hutter, Strasseninspektor vom städtischen Tiefbauamt St. Gallen. Das Laub vermische sich auf den Strassen unter anderem mit Abfällen. Mit Strassenreinigungsmaschinen wird das Laub aufgenommen.

Laub ist störend

Adrian Stolz, Leiter Stadtgrün St. Gallen.

Adrian Stolz, Leiter Stadtgrün
St. Gallen.

Bild: Raphael Rohner (17. September 2020)

Eingesammelt wird auch das Laub im St. Galler Stadtpark. «Wenn das Laub lange liegen bleibt, entstehen Schäden am Rasen», sagt der Leiter von Stadtgrün St. Gallen Adrian Stolz. Bevor der Winter einbricht, werden die Grünflächen vom Laub befreit.

Und nicht nur den Wiesen kann das Laub schaden: Im Herbst, wenn die Blätter fallen, sollten Treppenstufen mit Bedacht betreten werden, denn auf nassem Laub kann man ausrutschen. Solchen Unfällen versucht das städtische Tiefbauamt vorzubeugen.

Vom Winde verweht

Im Herbst gehört auch die Laubentsorgung zu den Arbeiten der rund 50 Mitarbeitenden von Stadtgrün in den Aussenanlagen und auf den Friedhöfen. Je nach Witterungsverlauf ist der Arbeitsaufwand unterschiedlich gross. Wenn in einem Jahr zur richtigen Zeit ein heftiger Wind bläst, können die meisten Blätter in einem Arbeitsgang aufgenommen werden. Wenn die Blätter über mehrere Wochen kontinuierlich abfallen, ist der Aufwand grösser.

«Plötzlich sind alle Blätter von den Bäumen weggewindet und auf den Böden.»

Auch die Kosten für die Stadt seien geringer, da weniger Touren anfallen. Wie viele Tonnen Laub werden auf den Touren schliesslich gesammelt? Diesen Herbst waren die Arbeiten durchschnittlich, sagt Stolz. Das Gewicht ist vor allem abhängig von der Feuchtigkeit des Laubes

Laub als Ressource

Das Laub auf den Trottoirs und Strassen gehört in den Abfall. Die Blätter können aber auch wertvoll sein. Im Wald wird das Laub vom Weg die Böschung hinunter gerecht. Dort dienen die Blätter als warmer, sicherer Unterschlupf für kleine Tiere.

Der ewige Kreislauf vom Blattfall im Herbst bis zum Erblühen der Pflanzen und Bäume im Frühling bleibt damit geschlossen. Das Laub sei eine Nahrungsquelle, sagt Adrian Stolz. Denn es verfault mit der Zeit und gibt wichtige Nährstoffe für den Boden ab.

Laub ist Energielieferant

Die Stadt St. Gallen macht sich diese botanische Tatsache seit jeher zunutze. Stadtgrün kompostiere das eingesammelte Laub von den Grünflächen und verarbeite es für den nächsten Frühling zu Humus, sagt Stolz.

Das Laub wird gesammelt und auf dem Ostfriedhof St. Gallen kompostiert.

Das Laub wird gesammelt und auf dem Ostfriedhof St. Gallen kompostiert.

Bild: PD/Stadtgrün
St. Gallen

Strassenlaub wird einerseits in das Kehrichtheizkraftwerk gefahren. Mit dem Abfall wird Strom oder Wärme produziert. Die Energie wird dann ins Fernwärmenetz der St. Galler Stadtwerke eingespeist. Andererseits geht das verschmutzte Laub nach Goldach zur Regio Recycling, wo die Schadstoffe weggewaschen werden. Dieses saubere Laub kann wiederum von Privatabnehmern, etwa von Landwirten, kompostiert werden.

Der Weg vom Grüngut zum Biogas

Laub von öffentlichem Grund wird in St.Gallen kompostiert oder verbrannt. In anderen Städten ist man schon einen Schritt weiter. Sauberes Laub von Frauenfelder Strassen wird in die Biogasanlage in Winterthur gebracht. Bei der Vergärung entsteht methanhaltiges Biogas, das für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden kann.

Wer jedoch Laub auf seinem privaten Grundstück einsammelt, kann dieses ökologisch entsorgen. Seit dem 1. Januar 2017 können St. Galler Haushalte ein Grüngut-Abo lösen. Speisereste, Rüst- und Gartenabfälle können in Grüngutcontainern bereitgestellt werden. Das gesammelte Grüngut wird schliesslich zu Biogas und Naturdünger verarbeitet. Im Energiekonzept 2050 der Stadt St.Gallen heisst es:

«Mit der Energie aus nur einem Kilo Grüngut kann man einen Kilometer weit CO2-neutral Auto fahren, 90 Minuten lang fernsehen oder eine Energiesparlampe während 15 Stunden brennen lassen.»