Berg top, Abtwil Flop: So unterschiedlich nutzen Gemeinden die Solarenergie

In den Gemeinden der Region wird das Solarpotenzial unterschiedlich gut genutzt, wie eine WWF-Studie zeigt. Auf den hinteren Rängen befinden sich Abtwil, Muolen und Eggersriet. Die Spitzenplätze belegen Berg, Mörschwil und Waldkirch. Doch was sagt man in den betroffenen Gemeinden selbst zur Studie?

Michel Burtscher
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Auf den Dächern in der Region bleibt noch viel Sonnenenergie ungenutzt. (Bild: Benjamin Manser)

Auf den Dächern in der Region bleibt noch viel Sonnenenergie ungenutzt.
(Bild: Benjamin Manser)

Beim Sonnenstrom gibt es hierzulande noch viel Nachholbedarf. Das jedenfalls besagt eine neue Studie des WWF. Im Auftrag des Umweltverbands untersuchte die Plattform Swiss Energy Planning, wie gut in den Gemeinden das Potenzial der Solarenergie genutzt wird (siehe Kasten). Das Resultat:

«In der Schweiz ist das Potenzial für Solarstrom auf den Dächern noch fast unangetastet.»

Die durchschnittliche Nutzung liegt demnach bei rund drei Prozent. Ein Blick in die Auswertung zeigt, dass die Gemeinden in der Region ihr Solarpotenzial ganz unterschiedlich nutzen, die Differenzen sind beträchtlich.

Auf den hinteren Rängen befinden sich Abtwil, Muolen und Eggersriet. Die Spitzenplätze belegen Berg, Mörschwil und Waldkirch. Was die genauen Gründe für die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind, weiss der WWF nicht. Das hat der Umweltverband nicht untersucht. Als mögliche Einflussfaktoren nennt er das Engagement innovativer Solarpioniere, aktive Kommunikation der Gemeinden, gute Förderbedingungen und das Vorhandensein grosser Dachflächen. Doch was sagt man in den betroffenen Gemeinden selbst zur Studie?

Was bringt Geld von der Gemeinde?

Anruf bei Sandro Parissenti, Gemeindepräsident von Berg. Das Dorf nutzt laut der WWF-Studie 8,9 Prozent seines Solarpotenzials, so viel wie kein anderer Ort in der Region. Parissenti ist überrascht über das gute Abschneiden seiner Gemeinde: «Ich bin sehr erstaunt – aber natürlich glücklich darüber», sagt er. Erklären kann er sich das Ergebnis nicht. «Wir fördern den Bau von Photovoltaikanlagen nicht speziell», betont er. Wer in Berg eine Solaranlage baut, bekommt keinen Zustupf von der Gemeinde.

Ganz anders ist das beispielsweise in Häggenschwil. Gemäss Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring erhält je nach Leistung zwischen 1000 und 5000 Franken, wer in die Solarenergie investiert. Trotzdem befindet sich die Gemeinde mit einer Quote von 4,6 Prozent in Häggenschwil und 4,3 Prozent in Lömmenschwil nur im Mittelfeld.

Muolen will Sonnenenergie künftig stärker fördern

Früher unterstützte auch Gaiserwald den Bau von Photovoltaikanlagen aus dem Energiefonds. Damit hat man mittlerweile aufgehört. «Gefördert werden sollten Technologien, wenn sie neu und teuer sind», sagt Gemeindepräsident Boris Tschirky. Die Subventionen hätten anfangs zu einer starken Zunahme an Solaranlagen geführt, die sich mit der Zeit jedoch abflachte. Gemäss der Studie steht die Gemeinde heute nicht mehr so gut da: Abtwil nutzt nur 2,9 Prozent seines Solarpotenzials. So wenig wie kein anderer Ort in der Region. Tschirky weist darauf hin, dass das Dorf wegen seiner guten Lage – immerhin am Sonnenberg gelegen – aber auch ein grosses Potenzial aufweisen dürfte. Wenigstens kann er sich damit trösten, dass Engelburg mit einer Quote von 4,1 Prozent ein bisschen besser dasteht.

Muolen liegt mit 3,2 Prozent irgendwo dazwischen. Gemeindepräsident Bernhard Keller kann nur mutmassen, wieso es nicht mehr sind: «Wir haben kein eigenes Förderprogramm, das könnte einen Einfluss haben», sagt er. Gleichzeitig betont Keller, dass es in Muolen keine höheren Hürden gebe für Solaranlagen als in anderen Gemeinden. Und er kündigt an, dass auch in seinem Dorf die Sonnenenergie künftig verstärkt gefördert werden soll.

So wurde untersucht

In der WWF-Studie wird verglichen, wie viel vom Potenzial, das auf Schweizer Dächern vorhanden ist, effektiv für Solarstrom ausgenutzt wird. Als Grundlage dient der nationale Solarkataster des Bundes. Dieser zeigt, wie gut ein Dach für die Nutzung von Solarenergie geeignet ist und welcher Ertrag möglich wäre. Dafür wird der Sonnengang über das Jahr simuliert und die auftreffende Sonnenstrahlung berechnet. Für die Daten zur effektiven Ausnutzung wird die installierte Leistung aller Anlagen, die bei der Verwaltungsstelle Pronovo AG für die kostendeckende Einspeisevergütung oder die Einmalvergütung gemeldet sind, berücksichtigt. (mbu)