Neues Energiekonzept: Solarstrom von und für St. Gallen

Mit der «St. Galler Solar Community» will die Stadt die Nutzung von Solarstrom fördern. Mit einem Beitrag von 300 Franken kann sich jeder St. Galler daran beteiligen.

Christoph Renn
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Die Stadt plant den Bau einer Fotovoltaikanlage auf dem Eissportzentrum Lerchenfeld. (Bild: Benjamin Manser)

Die Stadt plant den Bau einer Fotovoltaikanlage auf dem Eissportzentrum Lerchenfeld. (Bild: Benjamin Manser)

Für einen einmaligen Betrag von 300 Franken können St. Gallerinnen und St. Galler eine Solarstrom-Einheit kaufen. Diese liefert während 20 Jahren pro Jahr 100 Kilowattstunden Solarstrom. Im Vergleich: Eine vierköpfige Familie verbraucht im Durchschnitt pro Jahr rund 3800 Kilowattstunden Strom. Der gekaufte Solarstrom kann dann der eigenen Stromrechnung gutgeschrieben werden.

So stellen sich die Stadt und die St. Galler Stadtwerke die «St. Galler Solar Community» vor. «Das Projekt soll denjenigen eine Möglichkeit bieten, sich an der Energiewende zu beteiligen, die sonst nicht können», sagt Stadtrat Peter Jans, Direktion Technische Betriebe. Für Menschen also, denen das Geld für eine eigene Fotovoltaikanlage fehle oder für solche, die in einem Mehrfamilienhaus wohnten.

Nun entscheidet das Stadtparlament

Noch ist das neue Projekt von Stadt und Stadtwerke aber nicht beschlossene Sache. Zuerst muss die Vorlage dem St. Galler Stadtparlament vorgelegt werden. «Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament die dazu nötige Anpassung des Stadtwerkreglements», sagt Peter Jans. Am 11. Juni berät das Parlament über das neue Reglement.

Verläuft der politische Prozess ohne Gegenwehr, könnte bereits im September die erste Fotovoltaikanlage installiert und im Oktober in Betrieb genommen werden. «Die erste Anlage ist auf dem Dach des Eissportzentrums Lerchenfeld geplant», sagt Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing der St. Galler Stadtwerke. Interessierte können sich schon jetzt auf der Website der St. Galler Stadtwerke anmelden. Auf dem Lerchenfeld gibt es Platz für 2900 Solar-Einheiten. «Diese Anlage könnte Strom für rund 80 Haushalte pro Jahr produzieren», sagt Peter Graf. In den 300 Franken sei neben dem Kauf der Einheit auch der Betrieb und vor allem der Unterhalt der Anlage gewährleistet.

Mit dem Projekt verfolgt die Stadt ein klares Ziel: «Wir wollen den Ausbau von Produktionsanlagen für erneuerbare Energie fördern», sagt Peter Jans. Das Projekt sei ein weiterer Schritt, um die Vorgaben des Energiekonzepts 2050 zu erreichen. Ende 2018 konnte in der Stadt St. Gallen der Stromverbrauch von rund 2500 Haushalten durch Solarstrom abgedeckt werden. Bereits Ende 2019 sollen es rund 3000 Haushalte sein. «Das ist aber noch lange nicht genug», sagt Jans. Bis 2050 müssten mindestens zehnmal mehr Haushalte mit Solarstrom abgedeckt sein. Nun sei die Bevölkerung gefragt. «Mit diesem Angebot schaffen wir eine Chance, Teil der Energiewende zu sein.»

Keine Limite beim Kauf von Solarstrom-Einheiten

Die Anlage auf der Eishalle wird unbeachtet der Anzahl verkaufter Einheiten gebaut. «Sie wird durch einen Rahmenkredit finanziert», sagt Peter Jans. Er hoffe, dass schnell viele Anteilsscheine verkauft würden. «Ich bin guter Dinge, denn in anderen Städten ist das Angebot gut angekommen», sagt er. Übersteige die Nachfrage gar das Angebot der geplanten 2900 Solarstrom-Einheiten, seien bereits weitere Fotovoltaikanlagen in der Stadt angedacht. «Pro Person können unbegrenzt Einheiten gekauft werden. Der maximale Abzug an Kilowattstunden darf aber höchstens dem Jahresverbrauch auf der Stromrechnung entsprechen.» Die Einheiten jedoch auch verschenkt werden.

Die «St. Galler Solar Community» soll keine Konkurrenz zur bestehenden Solargenossenschaft sein. Im Gegenteil: «Es ist eine Ergänzung ihres Angebotes», sagt Jans. Denn auch ihr Ziel sei, die Fotovoltaikanlagen auszubauen. «Wir freuen uns über das städtische Engagement», sagt Mathias Moser, Präsident der Solargenossenschaft.

www.sgsw.ch/solar

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