Solarstrom
Damit die Denkmalpflege dem Erreichen der Klimaziele nicht im Weg steht: Postulat fordert Wegleitung für Solaranlagen im geschützten Ortsbild der Stadt St.Gallen

Der St.Galler Stadtrat beantragt dem Stadtparlament am 28. Februar die Überweisung eines entsprechenden Postulats dreier Fraktionen. Den Vorstoss ausgelöst hat ein konkreter Fall in der Stadt St.Gallen.

Daniel Wirth
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An dieser Fassade wollte der Hauseigentümer eine Photovoltaikanlage installieren. Die Denkmalpflege untersagte das.

An dieser Fassade wollte der Hauseigentümer eine Photovoltaikanlage installieren. Die Denkmalpflege untersagte das.

Bild: Sandro Büchler

«Erstellung von Solaranlagen unter Wahrung des Ortsbildschutzes und um die Klimaziele zu erreichen»: Der Titel des Postulats, das die Fraktionen von Grünen, Grünliberalen und Mitte/EVP Mitte September des vergangenen Jahres einreichten, ist ziemlich sperrig und relativ abstrakt.

Dabei gab dem Postulat ein konkreter Fall den Anstoss, bei dem die städtische Denkmalpflege einer Bauherrschaft einen Strich durch die Rechnung machte, als diese an einer Südfassade eines Wohnhauses eine Photovoltaikanlage installieren wollte, wie Andreas Hobi, Fraktionspräsident der Grünen im Stadtparlament, auf Anfrage erklärt.

Andreas Hobi, Präsident der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen im Stadtparlament.

Andreas Hobi, Präsident der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen im Stadtparlament.

Bild: Christian Widmer

Der Besitzer der Liegenschaft an der Wildeggstrasse 34 beheizt sein Mehrfamilienhaus mit einer Wärmepumpe. Diese braucht Strom. Aus diesem Grund wollte er an der Fassade hinauf Richtung Dreilinden eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung anbringen. Das wurde ihm nicht erlaubt; die städtische Denkmalpflege legte wegen des Ortsbildschutzes ihr Veto ein.

Der Hauseigentümer wandte sich in der Folge mit einem Schreiben an den Stadtrat und an die Spitzen der Fraktionen des Stadtparlaments, wie Hobi gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» ausführt. Der Grünen-Politiker nahm sich der Angelegenheit an. Seine Fraktion reichte dann zusammen mit den Grünliberalen und der Mitte/EVP das Postulat ein. Das Parlament behandelt den Vorstoss aller Voraussicht nach am 28. Februar.

Stadtrat hat die Schwierigkeiten erkannt

Der Stadtrat beantragt, das Postulat erheblich zu erklären. Demnach hat er erkannt, dass Denkmalpflege und Bauherrschaften, die im geschützten Ortsbild oder auf geschützten Häusern Solaranlagen installieren wollen, sich in die Quere kommen können, was dem Erreichen der Klimaziele hinderlich ist. Im Vorstoss heisst es wörtlich: «Die Herausforderung für Bauherrschaften einerseits und die Denkmalpflege andererseits steht im Raum und beschäftigt beide Seiten.» Der Ermessensspielraum für die Bewilligung entsprechender Massnahmen in geschützten Ortsbildern und an Schutzobjekten sei aus baurechtlicher Sicht und denkmalpflegerischer Sicht eher klein, dennoch könne mit sorgfältigen Vorabklärungen einiges in Richtung Montage von Solarpanels auf Dächern, Fassaden oder dem eigenen Grundstück ermöglicht werden. Gerade im Winter, bei tiefem Sonnenstand, eigneten sich Fassaden gut zur Stromgewinnung. Es gebe in diesem Zusammenhang noch kaum ein Pilotprojekt in der Stadt St.Gallen.

Andreas Hobi geht es darum, dass die Denkmalpflege früh in den Planungsprozess eingebunden wird, wie er sagt. Er und seine Mitpostulanten schreiben, es sei zu prüfen, inwieweit die Denkmalpflege in der Entscheidfindung mit Energiefachleuten aus der Verwaltung zusammenarbeiten könnte. Zudem wird der Stadtrat beauftragt, die ermöglichende Praxis anderer Schweizer Städte abzufragen und eine Sammlung guter Beispiele von Solaranlagen auf Dächern und an Fassaden unter Wahrung des Ortsbild- und Objektschutzes zusammenzustellen.

Heute bestehen viele Unsicherheiten

Der Stadtrat schreibt zu Handen des Parlaments, er unterstütze die Bestrebungen, die Energiegewinnung durch Solaranlagen zu erhöhen. Bei Anlagen auf Baudenkmälern und in geschützten Ortsbildern könnten verschiedene Unsicherheiten in Bezug auf die Realisierbarkeit im Allgemeinen und andererseits mit Blick auf eine gute Einordnung einer Solaranlage im Besonderen beobachtet werden – das lässt darauf schliessen: Der Fall «Wildeggstrasse 34» ist kein einzelner. Auch Andreas Hobi weiss: Es kommt immer mal wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Bauherrschaften, die eine Solaranlage auf einem geschütztem Objekt oder auf einem Haus in einem geschützten Ortsbild installieren wollen, und der Denkmalpflege: Hobi sagt: «Es braucht ein Miteinander.»

Wie die Postulanten sieht auch der Stadtrat eine spezifische Wegleitung für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer als einen ausgewiesenen Bedarf. Es gebe schon verschiedene solche Wegleitungen, schreibt der Stadtrat. Er erwähnt auch die beiden Broschüren «Empfehlungen zur Installation von Solaranlagen» und «Solaranlagen. Vom Guten zum Besten. Am richtigen Ort installiert – Empfehlungen zur Errichtung von Solaranlagen», welche die Energiefachstelle und die Denkmalpflege des Kantons St.Gallen zusammen herausgegeben haben. Wie andere Ratgeber zum Thema hätten auch sie einen allgemeingültigen Ansatz, schreibt der Stadtrat. Abgeleitet von einer Analyse guter Praxisbeispiele sowie einer Untersuchung der bestehenden Handbücher und Broschüren anderer Kantone und Städte soll für St.Gallen eine eigene Wegleitung erarbeitet werden. Deswegen will der Stadtrat das Postulat überwiesen haben.