«Solange ich eine Maske trage, mache ich nichts falsch»: St.Gallen, am Tag nach den Verschärfungen des Bundesrates

Am Mittwoch hat der Bundesrat neue Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus erlassen. Eine davon ist das Tragen von Hygienemasken in belebten Fussgängerbereichen. In den Gassen der Stadt St.Gallen sind die Grenzen fliessend.

Basil Schnellmann
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Passanten in der Multergasse.

Passanten in der Multergasse.

Bild: Ralph Ribi (29.10.2020)

Ob es dem schlechten Wetter zu verschulden oder der Appell des Bundesrates tatsächlich angekommen ist: Die verregneten Gassen St. Gallens werden spärlich erkundet, geschäftiges Treiben ist passé. Wer aus dem Haus muss, der tut das zügigen Schrittes und macht dabei einen grossen Bogen um jedes Menschengrüppchen, das sich ihm in den Weg stellt. Wo möglich den Kontakt mit anderen vermeiden, das ist das Credo. Eine Traube maskierter Schülerinnen zieht, scheinbar auf einer Schnitzeljagd, durch die Gassen. Vereinzelt beobachten Raucher das Geschehen aus Hauseingängen oder Unterständen.

Die Hygienemaske am besten gar nicht mehr abziehen

Die Multergasse, an schönen Tagen eine der geschäftigsten in der Stadt, zählt phasenweise keine fünf Nasen, die Geschäfte warten vergebens auf Kundschaft. Abstandhalten scheint hier selbst mit den neuesten Vorschriften kein Problem zu sein. Trotzdem halten sich Maskenträger und Unmaskierte ungefähr die Waage.

Im Wortlaut besagt die Regelung des Bundesrates:

«Neu muss auch in den Aussenbereichen von Einrichtungen und Betrieben eine Maske getragen werden, wie zum Beispiel Läden, Veranstaltungsorte, Restaurants und Bars oder Wochen- und Weihnachtsmärkte. Eine Maskenpflicht gilt auch in belebten Fussgängerbereichen und überall dort, wo der erforderliche Abstand im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann.»

Website vom Amt für Gesundheit (BAG), abgerufen am 29.10.2020

Die Maske ist in der Innenstadt allgegenwärtig.

Die Maske ist in der Innenstadt allgegenwärtig.

Bild: Ralph Ribi (29.10.2020)

Darauf angesprochen, sind unter den Stadtsanktgallerinnen und -gallern mehrheitlich dieselben Argumente zu vernehmen. «Ob ich die Maske jetzt nur dann anziehe, wenn ich ein Geschäft betrete, oder ob ich sie einfach ständig trage, macht auch keinen Unterschied mehr», meint jemand. «Normalerweise ist die Strasse hier hochfrequentiert, da hab ich sie einfach grad angelassen.» Man scheint sich mit der Maske, abgefunden zu haben, der Bequemlichkeit halber bleibt der Mundschutz an.

Die Regel lässt Raum für Interpretationen

Dass Masken sinnvoll sind, will niemand mehr offen bezweifeln, zu stark sind die Fallzahlen gestiegen. Die Einsicht ist gross. «Wir haben ganz klar zu spät reagiert und dafür zahlen wir jetzt den Preis. Hoffen wir, dass das Ganze im Februar vorbei ist», sagt ein Mann. Viele haben akzeptiert, dass die Maske mittlerweile zum Alltag dazugehört, egal wo man hingeht. Doch niemand weiss so richtig, wo die Maskenpflicht anfängt und wo sie aufhört.

Der Tenor unter den Maskenträgern lautet: Solange ich eine Maske trage, mache ich nichts falsch. Doch nicht alle haben sich zum konsequenten Maskentragen durchgerungen: «Bei so wenigen Menschen auf der Strasse kann man den Abstand gut einhalten, da brauche ich keine Maske», sagt eine junge Frau. Die neuen Massnahmen des Bundesrates lassen immer noch Platz für Interpretationen.