So wollen Astra und Stadt ein Verkehrschaos auf der Stadtautobahn während der Sanierung verhindern

Die anstehende Sanierung der Stadtautobahn könnte zu einem Verkehrschaos führen. Diverse Massnahmen sollen das verhindern. Unter anderem wird der Stau selbst zum Druckmittel.

Marlen Hämmerli
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2015 erneuerte das Bundesamt für Strassen in den Tunneln die Beleuchtungsanlagen. Ab Sommer 2021 wird die Stadtautobahn nun saniert. Derzeit laufen Vorarbeiten.

2015 erneuerte das Bundesamt für Strassen in den Tunneln die Beleuchtungsanlagen. Ab Sommer 2021 wird die Stadtautobahn nun saniert. Derzeit laufen Vorarbeiten.

Bild: Urs Bucher (21.September 2015)

Auf der Stadtautobahn sind derzeit deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs. Damit hat die Coronapandemie gezeigt: Eine Reduktion des Verkehrs ist möglich. Im Sommer 2021, wenn die Sanierung der Stadtautobahn beginnt, wird es abermals nötig sein, die Strassen zu entlasten. Eine Sonntagsfahrt wird das aber nicht.

Dessen sind sich auch Doris Königer und Gallus Hufenus bewusst. In einem Vorstoss fragten die SP-Stadtparlamentarier im Januar deshalb, welche Massnahmen die Stadt zu ergreifen gedenke, um die Pendlerströme besser zu verteilen. Die Vorlage ist für die Sitzung des Stadtparlaments vom Dienstag traktandiert.

Gearbeitet wird ausserhalb der Spitzenzeiten

Die Sanierungsarbeiten werden nach Planung des Bundesamts für Strassen (Astra) hauptsächlich nachts ausgeführt, also möglichst ausserhalb der stark belasteten Verkehrszeiten. Dadurch solle die Leistungsfähigkeit der Autobahn während der Werkzeiten bestmöglich erhalten bleiben, heisst es in der Antwort des Stadtrats.

Doch die Strassen der Stadt sind heute bereits stark ausgelastet, in Spitzenzeiten gar überlastet. «Es besteht die Gefahr, dass Kapazitätsbeschränkungen auf der Stadtautobahn spürbare Auswirkungen haben», schreibt der Stadtrat. Massnahmen zur Reduktion dieser Auswirkungen seien angedacht. Dazu bestehe seit Jahren ein enger Austausch zwischen dem städtischen und dem kantonalen Tiefbauamt sowie dem Astra.

Ausserhalb der Spitzenzeiten hat es auf der Stadtautobahn genügend Platz

Ziel ist es, dass Verkehrsteilnehmer auf die Fahrt verzichten – also zum Beispiel von zu Hause aus arbeiten –, ausserhalb der Spitzenzeiten von 7 bis 8 und von 17 bis 18 Uhr unterwegs sind oder ausweichen auf den öffentlichen, den Fuss- oder Velo-Verkehr.

Das Astra plant eine Informationsoffensive. Diese soll die Bevölkerung über den Stand der Arbeiten informieren und dafür sensibilisieren, das Mobilitätsverhalten anzupassen. Diese Marketingkampagne hat ein Maskottchen:

Buntspecht Fredi Vogl soll die Bevölkerung auf Inseraten, Plakaten, in Spots und online über die Sanierung der Stadtautobahn informieren.

Buntspecht Fredi Vogl soll die Bevölkerung auf Inseraten, Plakaten, in Spots und online über die Sanierung der Stadtautobahn informieren. 

Bild: PD

Auch das städtische Mobilitätskonzept 2040 sieht eine Massnahme «Verhaltensänderungen zeitlich und räumlich» vor. Die Stadt stimme ihre Kommunikationsmassnahmen mit jenen des Bundes ab, sagt Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktion Planung und Bau, auf Anfrage.

Die Erfahrung zeigt jedoch: Autofahrerinnen und Autofahrer reagieren erst auf starken äusseren Druck. Etwa wenn die Zeitverluste unerträglich werden oder finanzielle Konsequenzen drohen.

Die Folgen einer Überlastung der Stadtautobahn wirkten dabei als Druckmittel, erklärte Stefan Hauser, Kommunikationsbeauftragter des Astra, an einer Informationsveranstaltung im Dezember. Die Autofahrer nähmen die Informationskampagne erst zur Kenntnis. Ständen sie dann mehrere Tage in Folge im Stau, passten sie ihr Verhalten an. Pappa sagt dazu:

«Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Es klappt. Deshalb sind wir zuversichtlich.»
Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktioni Planung und Bau.

Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktioni Planung und Bau.

Bild: Michel Canonica

Verkehrskadetten könnten Busse durchwinken

Weitere Massnahmen betreffen den öffentlichen Verkehr. Auch während der Sanierung würden Busse an den Lichtsignalen bevorzugt, heisst es in der Antwort auf die Interpellation. Die Linie 158 (Herisau–St.Gallen–Engelburg) wird über den Kalkofenweg und die Gübsenstrasse geführt. Die Busse umfahren auf diesem Weg einen allfälligen Rückstau auf der Appenzellerstrasse von der Autobahneinfahrt her. Zudem wird geprüft, an neuralgischen Punkten Verkehrskadettinnen und Verkehrskadetten zur Busbevorzugung einzusetzen.

Das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr prüfe mit der Stadt und den umliegenden Gemeinden, zusätzliche Fahrzeuge einzusetzen, heisst es in der Interpellationsantwort. Im Falle eines überlasteten Strassennetzes können so Folgezeitverspätungen verkleinert oder vermieden werden. Auf dem Schienennetz soll eine stärkere Nachfrage – falls nötig – über zusätzliche Waggons aufgegangen werden.

Die Sanierung dauert voraussichtlich bis Ende 2027. Die Kapazitäten des öffentlichen Verkehrs müssten also für mehrere Jahre ausgebaut werden. Die Mehrkosten tragen Kanton und Gemeinden nach dem üblichen Schlüssel, falls das Amt für öffentlichen Verkehr diese Zusatzaufwendungen verlangt.