So will St.Gallen neue Unternehmer anlocken

Start-up-Förderung, Baulandreserven, enge Betreuung: St.Gallen hat neue Unternehmer im Visier.

Sheila Eggmann
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Landreserven für die Industrie gibt es vor allem im Westen und Osten der Stadt.

Landreserven für die Industrie gibt es vor allem im Westen und Osten der Stadt.

Hannes Thalmann

«Was hat die Stadt in den letzten 20 Jahren erreicht?» Diese Frage kommt vom ehemaligen Stadtparlamentarier Zsolt-Ferenc Takàcs (glp), der kurz vor seinem Rücktritt im vergangenen Oktober eine Einfache Anfrage an den Stadtrat zur St.Galler Wirtschaftspolitik gestellt hat. Darin will er unter anderem wissen, wie viele Firmen in den vergangenen 20 Jahren Konkurs gingen. Ausserdem stellt er die Frage, ob es auf Stadtgebiet Landreserven für Neuansiedlungen von Firmen gibt.

Die Frage gewinnt nach dem geplanten Wegzug der Kellenberger AG an Relevanz. Das Unternehmen wird in Goldach eine neue Fabrik bauen, weil es in St.Gallen kein geeignetes Land gefunden hat. Die Antwort des Stadtrates liegt nun vor.

Die Rahmenbedingungen sind entscheidend

Die Direktion Inneres und Finanzen pflege den Kontakt zu lokalen Unternehmern, zu Verbänden, zu Bildungsinstitutionen und weiteren Akteuren im System der Stadt, hält der Stadtrat in seiner Antwort fest. Die Direktion unterstütze diese Organisationen oder Personen, «indem sie deren Bedürfnisse abholt und versucht, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen». Ziel dabei sei, St.Gallen als lebenswerte und innovative Stadt, als Zentrum der Ostschweiz, zu festigen. Gelingt das?

Im Zeitraum von 2015 bis 2018 sind 1623 neue Firmen in die Stadt gekommen. Wie viele Unternehmen in diesem Zeitraum die Stadt verlassen haben, darüber führe man jedoch keine Statistik – sowohl auf kommunaler, kantonaler als auch auf nationaler Ebene nicht. Die Anzahl an Firmengründungen wird seit 2013 erfasst. Die Zahlen stehen bis und mit dem Jahr 2016 zur Verfügung: In den drei Jahren gab es 1618 Gründungen. Allerdings mussten in den 15 Jahren von 2003 bis 2018 1304 Firmen Konkurs anmelden. Wie viele Arbeitsplätze davon betroffen waren, ist nicht bekannt.

Zsolt-Ferenc Takàcs wollte in seiner Anfrage ausserdem wissen, was die Stadt unternimmt, damit in Zukunft neue Arbeitsplätze entstehen. Der Stadtrat beantwortet diese Frage mit der Aufzählung mehrerer Initiativen und Massnahmen: So würde das «Startfeld» als Gemeinschaftsinitiative der Stadt, der Universität St.Gallen, der FHS St.Gallen und der Empa die Gründung von neuen Unternehmen unterstützen. Dazu gehört die Begleitung von Jungunternehmer, die Finanzierungsunterstützung von Start-ups und die Vermietung von Räumlichkeiten. Das Projekt habe in acht Jahren 660 Arbeitsplätze geschaffen.

«Wir pflegen einen intensiven Austausch»

Als weiteres Beispiele nennt der Stadtrat den Verein IT St.Gallen rockt! . Dieser soll dem Fachkräftemangel in der IT-Branche entgegenwirken.

Ausserdem «pflegt die Standortförderung einen intensiven Austausch mit den Firmen und Verbänden», um diese bestmöglich zu unterstützen. Dabei würde vor allem die Verfügbarkeit von neuen Räumlichkeiten und Immobilien im Zentrum stehen. Dies und die Landreserven seien nebst vielen anderen Faktoren für Neuansiedlungen essenziell. Dazu schreibt der Stadtrat:

«Die Stadt besitzt verschiedene Areale, auf denen aktuell oder in Zukunft neuen oder bestehenden Firmen eine Entwicklung ermöglicht werden soll.»

Vor allem im Westen der Stadt gibt es noch Landreserven für die Industrie. Dazu gehört zum Beispiel das Gebiet um die Piccardstrasse in Richtung Abtwil. Auch beim Gebiet Mövenstrasse in Winkeln hat es noch Reserven, oder bei der Martinsbrücke in Richtung Untereggen im Osten der Stadt.