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So verlief Wolfgang Giellas erste halbe Stunde im Amt

Adrian Lemmenmeier

Wolfgang Giella hat seinen neuen Arbeitsplatz im Gossauer Rathaus bezogen. Statt alles durcheinanderzuwirbeln, will er seine Aufgabe gemächlich angehen.

Neu-Stadtpräsident Wolfgang Giella wird am 1. Juni um 8 Uhr im Fürstenlandsaal begrüsst. Bezug seines Büros und kurzes Inti.

Neu-Stadtpräsident Wolfgang Giella wird am 1. Juni um 8 Uhr im Fürstenlandsaal begrüsst. Bezug seines Büros und kurzes Inti.

Gossaus neuer Stadtpräsident Wolfgang Giella zückt den Schlüssel zu seinem Büro. Nein, er habe ihn nicht feierlich von Alex Brühwiler überreicht erhalten – sondern vom Facility Management. «Alex Brühwiler ist nicht der Typ für grosse Symbolik», sagt Giella. «Und ich bin es auch nicht.»

Kurz vor 8 Uhr kommen die ersten Angestellten. Stadtschreiber Toni Inauen tritt aus dem Rathaus auf den Vorplatz. Mitarbeiter der Stadtwerke kommen in orangen Arbeitskleidern von der Strasse her. «Hoi Wolfgang» – «Grüezi Herr Giella.» Dann führt der neue Stapi sein Team zur offiziellen Begrüssung in den Fürstenlandsaal. Er tritt auf die Bühne und wartet, bis das Getuschel verstummt.

Kein Wind, der alles durcheinanderwirbelt

«Ich habe grossen Respekt vor dieser Aufgabe», sagt Giella. Er wisse aber, dass er auf ein erfahrenes Team zählen könne. In Gossau sei bereits viel erreicht worden. «Das hat nicht alles Alex Brühwiler geschafft – sondern auch Sie», sagt Giella. Vor ihm stehen gut hundert städtische Angestellte im Halbrund.

In einem Leserbrief sei er einst als frischer Wind für Gossau bezeichnet worden. Kritiker hätten ihn vielleicht als Sturm bezeichnet. Es stimme beides nicht. «Ich bin kein Wind, der alles durcheinanderwirbelt», präzisiert der Stadtpräsident. Vielmehr wolle er das neue Amt gemächlich angehen. Irgendwann wird das schon Wind auslösen.

Aber eigentlich habe er heute ein anderes Bild bemühen wollen: «Eigentlich wollte ich sagen, Gossau leistet sich mit mir seinen teuersten Lehrling.» Doch er habe gemerkt, dass er im Gegensatz zum Lehrling selber herausfinden müsse, was er zu lernen habe. Dazu werde er sich rege mit seinen Mitarbeitern austauschen. «Ich werde Ihnen iterativ mit Fragen auf die Nerven gehen.»
Nach zehn Minuten ist die Rede vorbei. Langer Applaus. Giella schüttelt einige Hände, holt ein Gipfeli und führt dann in sein neues Büro. Drinnen riecht es nach frischer Farbe. Noch liegen keine Akten auf dem Schreibtisch. Nur Telefon, Bildschirm und Kaktus.

Seine Familie zieht später nach

Wie fühlt es sich an im Rathaus? «Ich bin erleichtert», sagt Giella. «Erleichtert wie ein Musiker, der in einem Stück auf seinen Einsatz wartet und nun endlich zum Zug kommt.» In den letzten Wochen sei viel zusammengekommen: Die Übergabe seiner Arbeit in der Bibliothek der ZHAW, die Vorbereitung auf den neuen Job und schliesslich habe er noch den Umzug von Chur nach Gossau organisieren müssen. «Meine Familie wird allerdings erst in einem Jahr umziehen», sagt er. Damit die Tochter, die eine zweisprachige Schule besucht, diese auch abschliessen kann.

Was will Giella an seinem neuen Arbeitsplatz als Erstes verändern? «Ich werde ein Whiteboard aufhängen», sagt er. «Ich kann damit besser Gedanken entknäueln.» Und schliesslich sei eine Schreibtafel wie ein Bild, das sich immer wieder wandle. Ansonsten will er vorerst vieles so lassen, wie es ist. «Vielleicht besorge ich einen Schreibtisch, bei dem man die Höhe verstellen kann», sagt Giella. Allerdings lohne sich dass erst, wenn er wisse, wie oft er bei der Arbeit tatsächlich am Bürotisch sitze.

Auf einer Ablage liegt eine Kiste: «Geschichte von Gossau – Geschenk für das Büro des Stadtpräsidenten.» Darin ist auch eine Gossauer Chronik von 1872. Nicht der Schlüssel zur Stadt zwar, aber immerhin einer zum örtlichen Wissensschatz. Ganz ohne Symbolik kann man das Amt des Stadtpräsidenten eben nicht antreten – auch wenn man nicht der Typ dazu ist. 8.30 Uhr. Auf Wolfgang Giella wartet der nächste Termin.

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