Luxuslösung oder doch höchste Zeit? So diskutierten Befürworter und Gegner der St.Galler Marktplatzvorlage im Pfalzkeller

Am 27. September stimmt das St.Galler Stimmvolk über die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl ab. Bis auf die SVP stimmen alle Parteien dem Rahmenkredit über 34 Millionen Franken zu. Am Dienstag diskutierten beim «Tagblatt»-Podium Baudirektorin Maria Pappa (SP), Stadtparlamentarier Marcel Baur (GLP) und SVP-Präsident Donat Kuratli.

Johannes Wey
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Nik Roth
  • Als einzige Partei bekämpft die SVP die Marktplatzvorlage. Für sie sind namentlich die vorgesehenen Pavillons eine Luxuslösung, während sie den Sanierungsbedarf am Bohl nicht bestreitet. Für den Markt schwebt Donat Kuratli eine Lösung mit mobilen Markthäuschen vor.
  • Für Maria Pappa und Marcel Baur ist es hingegen höchste Zeit, die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl jetzt umfassend anzugehen. Angesichts der hohen Ohnehinkosten und der Reserve von 25 Prozent im Rahmenkredit von 34 Millionen Franken sei die Vorlage nicht zu teuer. Auf das vorliegende Projekt Vadian habe man sich in einem breit abgestützten Prozess mit allen Beteiligten geeinigt.

Der Ticker zum Nachlesen:

20:51 Uhr

Wie man den Marktplatz denn bei einem Nein attraktiver gestalten könne, will ein Teilnehmer wissen. Eine modulare, mobile Lösung würde den Platz und die Marktgasse beleben, sagt Donat Kuratli. Es gehe um den ständigen Markt, der jeden Tag geöffnet habe, sagt Pappa. Die Infrastrukturen würden täglich benutzt werden. «So flexibel können die Markthändler gar nicht sein.» Die Pavillons seien die Variante, auf die man sich geeignet habe. «Machen sie doch in einer der Hallen etwas Temporäres, Flexibels um Herrn Kuratli ins Boot zu holen», schägt der Fragesteller vor. Nach dieser Wortmeldung ist die Podiumsdiskussion zu Ende.

20:46 Uhr

Ein Teilnehmer will wissen, wie der Stadtrat nun in der Pandemie noch hinter diesem Projekt stehen könne. Müsste man das Projekt nicht erst nach überstandener Krise angehen? «Das würde ja bedeuten, dass wir in der nächsten Zeit gar nichts mehr umsetzen können», sagt Pappa. In der laufenden Rechnung habe der Stadtrat bereits Sparmassnahmen ergriffen. Das Projekt laufe aber über die Investitionsrechnung. «Dann hat man einen frisch sanierten Parkplatz», entfährt der Baudirektorin ein Versprecher, der für Lacher sorgt.

20:38 Uhr

Ein gebürtiger Stadtsanktgaller fühlt sich in seiner Zustimmung durch die Diskussion verunsichert. Er glaubt, die vielen Unschärfen und offenen Details würden viele Stimmbürger abschrecken. Ausserdem sei er selber Unternehmer und die 25 Prozent Reserve seien viel zu hoch angesetzt. Deshalb will er wissen, ob man unter diesen Voraussetzungen bereit wäre, sein eigenes Haus zu bauen und ob man so eine Bank für die Finanzierung finden würde? Baur verweist auf die beiden gescheiterten Vorlagen. Deswegen habe man sich für den Rahmenkredit entschieden. Nun ist die Baudirektorin an der Reihe. Beim Hausbau kenne man die genaue Summe auch nicht im frühen Stadium der Planung.

20:31 Uhr

In der Schlussrunde müssen Baur und Kuratli kommentieren, was ein Nein am 27. September wäre. «Verheerend», sagt der eine, «ein Erfolg», der andere. Nun ist das Wort frei für Fragen aus dem Publikum.

20:26 Uhr

Wenn viele Lokale nicht vermietet werde, leide die Attraktivität der Markthalle für alle Händler, sagt Kuratli. Deshalb brauche es eine modulare Lösung, bei der man flexibel sei, wie man den Markt bespiele. Dafür zeigt Baur ein gewisses Verständnis, verweist aber darauf, dass das aber einer gewissen Zahl an Ständen schnell keine Lösung mehr sei. Bei der Ausgestaltung der Markthalle müsse man eben die Bedürfnisse der Markthändler abholen. Pappa ist überzeugt, dass die Händlerinnen und Händler zufrieden sein werden, da sie im Projekt einbezogen wurden. «Vielleicht haben Sie selber andere Wünsche.»

20:21 Uhr

«Was ist der Plan B bei einem Nein?», will Luca Ghiselli wissen. Ein neues Projekt habe man nicht in der Hinterhand, sondern würde das nun vorliegende zu verbessern versuchen, sagt Pappa. Marcel Baur befürchtet in diesem Fall einen Flickenteppich. «Dann wird es kein schöner Platz, niemand wird zufrieden sein», und es drohe eine lange Bauerei. Für Kuratli sei es dann vordringlich, erst die Leitungen unter dem Boden zu sanieren und dann oben «einen richtigen Platz» zu gestalten. Bei einem solchen Teilprojekt traue er dem Stadtrat eine richtige Lösung zu.

Aus Baurs Sicht macht es hingegen einen Unterschied, wenn das Volk wisse, wozu es Ja gestimmt habe und was wann gemacht werde. Alles andere bringe Unsicherheit. Für Kuratli ist das Projekt Vadian grundsätzlich gut und könne etappiert so umgesetzt werden. «Ob dann die Pavillons kommen müssen, das sehen wir dann.» Vom Stadtrat erwarte er - gerade nachdem das Volk schon zweimal Nein gesagt habe - dass er einen Plan B in der Hinterhand habe.

20:13 Uhr

Nun geht es ums Vertrauen in den Stadtrat. Kuratli fehlt es. Ausserdem habe man in der gegenwärtigen Krise nicht das Geld, den Marktplatz auf einen Schlag zu sanieren. Baur traut dem Stadtrat hingegen verantwortungsvolles Handeln zu: «Er weiss, was es geschlagen hat.» Nun wundert sich Kuratli, dass der analytische Denker Baur ausgerechnet beim Marktplatz nicht genau hinschauen wolle.

Den Marktplatz und die Markthäuschen hätte man schon seit Jahren sanieren müssen, wirft Pappa ein. «Die kann man so nicht brauchen.» Der Betrag für den Marktplatz sei schon lange bereit. «Wir sind froh, dass wir das endlich einmal machen können.» Bei einer isolierten Betrachtung drohe ein Flickenteppich.

20:07 Uhr

Wieso sich der Stadtrat mit dem Rahmenkredit denn einen Blankocheque abholen wolle, will Daniel Wirth wissen. «Das ist kein Blankocheque», sagt Pappa. Mit der Vorgeschichte habe der Stadtrat erst von der Bevölkerung wissen wolle, wie sie zum Projekt stehe. Über Details entscheidet jetzt also der Stadtrat ohne Volk oder Parlament? Dem ist so, gibt Pappa zu, und umschreibt sogleich, worin sich der Handlungsspielraum des Stadtrats bewege: Wo die Bäume hinkommen und wie die Ansprüche der Markthändler an die Pavillons genau sei. Die Pavillons grundsätzlich in Frage stellen könne man nun nicht mehr.

20:04 Uhr

Nun schweift die Diskussion in andere Schweizer Städte ab. Für den Sechseläutenplatz in Zürich sei pro Quadratmeter weniger Geld ausgegeben worden. «Da fehlte jegliches Mobiliar», sagt Pappa - der Stadtrat sei nämlich angesichts der Zahlen des Nein-Komitees neugierig geworden und habe nachgerechnet. Baur argumentiert, dass man die beiden Plätze nicht einfach mit einander vergleichen könne. «Ich bin ausserdem froh, dass wir Bäume aufstellen und nicht Sonnenschirme, die nach dem ersten Wind ersetzt werden müssen.» Bäume habe es auf dem Sechseläutenplatz auch, hält Kuratli dagegen.

20:00 Uhr

Kuratli findet, es tue keine Not, den ganzen Bereich von Marktplatz und Bohl auf einen Schlag zu sanieren. Bei Rondelle und Markt könne man noch auf eine «lässige» Lösung warten. Die Rondelle könne man sanieren und allenfalls sogar um ein Café aufstocken. Pappa hält Kuratli entgegen, dass die Neugestaltung ja etappiert erfolgen soll. Die 29 Millionen, die auf die Stadt entfallen, würden über Jahre verteilt fällig. Ausserdem sei ein Café im Projekt vorgesehen - dafür müsse man nicht zweistöckig bauen. Was die Etappierung angeht, verweist Kuratli aber auf das Abstimmungsbüchlein, dass mit der Inbetriebnahme 2024 einen anderen Schluss nahelege.

19:55 Uhr

Ein Marktplatz werde nicht mit einer Neugestaltung belebt, sondern dadurch, dass etwas laufe, findet Kuratli. Dazu gehöre auch, dass er mit dem Auto gut zu erreichen ist. Marcel Baur will die Parkplatzdebatte, welche die Gerichte beschäftigt habe, nicht mehr führen. Hingegen hofft er auf zusätzliche Verbesserungen für die Velofahrer. Maria Pappa betont die Verbesserungen, welche die Umgestaltung und die Verschiebung der Bushaltestelle für die Fussgänger bringe.

19:51 Uhr

Baur hatte die letzte Vorlage noch abgelehnt. Nun sei die Winterfestigkeit der Markthalle für ihn ein ausschlaggebender Vorteil. Kuratli bezeifelt hingegen, dass letzlich alle 24 Marktstände vermietet werden. «Am Schluss haben wir etwas gebaut, dass nicht gebraucht wird» - und verbaue sich den freigewordenen Platz sogleich wieder.

19:48 Uhr

Während Kuratli kritisiert, dass in der Abstimmungsvorlage noch nicht die Sanierung aller Leitungen berücksichtigt ist, gibt Pappa zu bedenken, dass auch die Bundesbeiträge von gut anderthalb Millionen Franken noch nicht berücksichtigt seien. Die meisten Projekte, darunter auch der Bahnhof, seien in den letzten Jahren günstiger abgeschlossen waren, als der Rahmenkredit gelegen habe. Marcel Baur vertraut dem Stadtrat, dass das Kostendach nicht überschritten werde, und hofft sehr, dass man finanziell zwischen den beiden gescheiterten Marktplatzvorlagen von 2011 und 2015 liegen werde.

19:45 Uhr

«Eine Stange Geld», seien die 34 Millionen Franken für die Sanierung, sagt Moderator Daniel Wirth. Will die Stadt den Marktplatz vergolden? Pappa verweist auf die Reserve von 25 Prozent, die im Rahmenkredit berücksichtigt sei, weil man noch in einem sehr frühen Stadium der Planung sei. Teurer als die 34 Millionen werde es auf keinen Fall. Für Kuratli ist hingegen klar, dass ein gesprochener Rahmenkredit auch ausgeschöpft werden. Ausserdem seien die geplanten Pavillons ein Luxusprojekt.

19:41 Uhr

Was kann auf dem grosszügigen neuen Platz denn stattfinden? Maria Pappa erwähnt Konzerte wie am St.Gallerfest. «Man kann aber auch nichts machen und den Platz geniessen.» Der neue Marktplatz brauche auch Grünräume, mindestens sechs neue Bäume seien vorgesehen. Die Frage, wie viel Grün es auf dem Platz brauche, geht auch an den Gegner der Vorlage, Donat Kuratli. Als Forstwart befürworte er natürlich Bäume. Wie Maria Pappa verlangt er weitere Grünflächen hinter der Calatravahalle. «Aber alleine an den Bäumen wird die Vorlage nicht scheitern.» Der Grünliberale Marcel Baur gibt auch zu bedenken, dass Bäume für das Klima in der Stadt einen wichtigen Beitrag leisten würden.

19:37 Uhr

Die St.Gallerinnen und St.Galler gewinnen ein neues Herz für die Stadt St.Gallen, eröffnet Baudirektorin Maria Pappa die Diskussion. Für Donat Kuratli ist der Platz zu wenig offen und zu teuer - obwohl die SVP nicht per se gegen die Neugestaltung sei. Marcel Baur sieht die Stadt auf dem richtigen Weg, nach dem umfangreichen partizipativen Prozess.

19:30 Uhr

Gut 50 Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich trotz Corona-Massnahmen im Pfalzkeller versammelt.

19:22 Uhr

Auf dem Podium stehen Baudirektorin Maria Pappa (SP), Stadtparlamentarier Marcel Baur (GLP) und SVP-Präsident Donat Kuratli. Es moderieren Daniel Wirth und Luca Ghiselli.

19:20 Uhr

Die Vorlage wird bis auf die SVP von allen Parteien und vom Gewerbe unterstützt. Allerdings gibt es auch in der SVP selber unterschiedliche Meinungen: Stadtratskandidatin Karin-Winter Dubs hat sich für die Neugestaltung ausgesprochen. Damit es im dritten Anlauf klappt, hat der Stadtrat in einem partizipativen Prozess die Meinungen aller Anspruchsgruppen eingeholt.

19:17 Uhr

Guten Abend, wir berichten heute live vom «Tagblatt»-Podium im Pfalzkeller. Diskutiert wird über die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl. Stadtrat und Parlament beantragen dafür einen Rahmenkredit von 33,8 Millionen Franken. 29,1 Millionen davon hätte die Stadt alleine zu tragen.

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