Smart City St.Gallen funktioniert auch ohne neuen Standard

Peter Stäger und Harry Künzle, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie, glauben nicht, dass die neue Mobilfunkgeneration das Glasfasernetz in der Stadt St.Gallen obsolet macht.

Daniel Wirth
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Im Februar dieses Jahres wurde der reguläre Ausbau des offenen Glasfasernetzes in der Stadt St.Gallen abgeschlossen.

Im Februar dieses Jahres wurde der reguläre Ausbau des offenen Glasfasernetzes in der Stadt St.Gallen abgeschlossen.

Keystone/Carlo Reguzzi

St.Gallen hat sich auf die Fahne geschrieben, eine sogenannte Smart City zu sein. Die Stadt investiert in ein flächendeckendes Glasfasernetz, ins «St.Galler Wireless» (WLAN) in der Innenstadt und in ein Long-Range-Funksystem hauptsächlich für den Eigengebrauch. Mit dem Funksystem werden mit sehr kleiner Sendeleistung und kleinem Energiebedarf Daten transportiert, die zeitlich leicht verzögert beim Empfänger ankommen dürfen.

Ein Beispiel: In den Unterflurcontainern auf Stadtgebiet hat es Sender, die den Füllstand übermitteln. Gemäss Peter Stäger, Bereichsleiter Netz Elektrizität und Telekommunikation bei den Stadtwerken, werden so unnötige Leerfahrten vermieden. Mit am Long-Range-Funknetz angebundenen Sensoren können die Luftqualität kontrolliert, Lärm gemessen oder Gas- und Wasserzähler in den Häusern abgelesen werden. Auch das Parkleitsystem in der Stadt funktioniert mit diesem Funknetz.

Insgesamt wurden dafür auf dem gesamten Stadtgebiet sieben Antennen installiert. Grosse Datenmengen ohne Zeitverlust können mit Long Range nicht übertragen werden. Am 30. August 2011 sprach das St.Galler Stadtparlament einen Rahmenkredit über 595000 Franken für ein professionelles Wireless-Pilotnetz an ausgewählten Hotspots in der Innenstadt.

Das WLAN wurde im Sommer 2012 in Betrieb genommen. Anfänglich im Bezahlmodus, was zur Folge hatte, dass es kaum genutzt wurde. Anfang 2013 wurde «St.Galler Wireless» freigeschaltet. Die Benutzerzahlen stiegen innert Jahresfrist rasant auf etwa 35000 Verbindungen pro Tag an. Eine Refinanzierung der Kosten über die Nutzenden ist nicht möglich. Um die erfolgreich getestete Kleinzellenstruktur für Mobilfunk zu nutzen, ist gemäss Stadt ein Mitmachen der Mobilfunkunternehmen erforderlich.

5G-Standard wird Glasfaser nicht konkurrenzieren

Im Februar dieses Jahres wurde der reguläre Ausbau des offenen Glasfasernetzes in der Stadt St.Gallen abgeschlossen, über das 13 Dienstanbieter ihre Angebote zur Verfügung stellen. Damit haben heute über 48000 Haushalte und Unternehmen einen Anschluss und können aus einer Vielzahl von Diensten für Internet, TV und Telefonie auf dem Glasfasernetz auswählen, wie die Stadtwerke auf ihrer Website schreiben. Der Anschlussgrad beträgt heute mehr als 99 Prozent.

Mit dem 5G-Standard können mehr Daten schneller übermittelt werden. Macht die neue Mobilfunkgeneration das Glasfasernetz in der Stadt St.Gallen obsolet? Peter Stäger und Harry Künzle, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie, sind der Meinung, das werde nicht geschehen. Sie sind der Meinung, dass sich in den Liegenschaften ein Festnetzanschluss, allenfalls versehen mit einem WLAN-Router oder einer kleinen Indoor-Mobilfunkzelle, durchsetzen werde – wegen der Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt wegen der Bedenken vor Strahlen.

Nicht nur wegen der schnellen Datenübertragungsraten profitierten Bevölkerung, Wirtschaft, Bildungsstandort und öffentliche Hand vom St.Galler Glasfasernetz. Es bilde auch die Grundlage für das Internet der Dinge in St.Gallen und sei wichtig für die Energieversorgung der Zukunft. Harry Künzle, der als geistiger Vater des Energiekonzepts gilt und Ende Jahr in Pension geht, sagt, damit St.Gallen sich als Smart City entwickeln könne, könnte die 5G-Technologie wohl eingesetzt werden, doch die Smart City St.Gallen funktioniere heute gut ohne. 

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