Skilager werden für die Stadt St.Gallen wegen tieferer Elternbeiträgen teurer

Ein Bundesgerichtsentscheid schreibt vor, dass Eltern für obligatorische Skilager nicht mehr als 16 Franken pro Tag zahlen müssen. Für die Stadt St.Gallen fallen deshalb ab 2019 Mehrkosten von jährlich 140'000 Franken an.

Luca Ghiselli
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80 Klassen mit 1800 städtischen Schülern fahren im Januar 2019 wieder ins Skilager. Die Eltern zahlen ab kommendem Jahr deutlich weniger für den Schneespass ihres Nachwuchses. (Bild: Benjamin Manser)

80 Klassen mit 1800 städtischen Schülern fahren im Januar 2019 wieder ins Skilager. Die Eltern zahlen ab kommendem Jahr deutlich weniger für den Schneespass ihres Nachwuchses. (Bild: Benjamin Manser)

16 Franken pro Tag – mehr sollen Eltern von Schulkindern nicht für die obligatorischen Skilager ihres Nachwuchses bezahlen müssen. Das hat das Bundesgericht Ende 2017 entschieden und damit eine Regelung des Thurgauer Grossen Rats gekippt, der Elternbeiträge von bis zu 300 Franken pro Woche – oder eben 60 Franken pro Tag – erlaubt hatte.

Das Urteil warf nach der Bekanntgabe hohe Wellen. Die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill bezeichnete das Urteil damals als «Lagerkiller», weil es dazu führe, dass die öffentliche Hand die fehlenden Beiträge kompensieren müsste.

Stadtrat Markus Buschor, Direktor Bildung und Freizeit der Stadt St. Gallen, sagte gegenüber dem «Tagblatt», dass es nun die Elternbeiträge sorgfältig zu prüfen gelte. Dies, obwohl die städtischen Skilager auf dem Papier freiwillig und so eigentlich nicht vom Bundesgerichtsentscheid betroffen wären.

Bisher zahlten die Eltern 30 Franken pro Tag

Ein knappes Jahr später ist die entsprechende Überprüfung nun abgeschlossen: Markus Buschor rechnet aufgrund des Bundesgerichtsentscheids mit Mehrausgaben von jährlich 140000 Franken für die Stadt. Derzeit laufen auch in St. Gallen die Vorbereitungen für die Skilager 2019 auf Hochtouren. Abermals werden, wie im Vorjahr, rund 80 Klassen mit insgesamt etwa 1800 Schülerinnen und Schülern aus der Stadt St. Gallen im Januar ins Skilager fahren.

30 Franken pro Tag beziehungsweise 150 Franken pro Skilager steuerten Stadtsanktgaller Eltern bis 2018 bei, damit die Sprösslinge mit ihren Kameraden eine Woche in den Bergen verbringen können. Und hier beginnen die Berührungspunkte mit dem Bundesgerichtsentscheid. Denn obwohl die Lager de jure freiwillig sind, arbeiten Schulleitungen und Lehrpersonen auf eine geschlossene Lagerteilnahme hin. Von Eltern und Schülern wird das jährliche Skilager also de facto als obligatorisch empfunden.

Das bestätigt auch Markus Buschor. Er erklärt auf Anfrage: «Dass Abwesenheiten neu wie beim ordentlichen Unterricht auch bei Winterlagern nur aus wichtigem Grund zulässig sind, ist nichts Neues, sondern gewohnte Praxis.»

Teilnahmequote liegt bei fast 100 Prozent

Die gewachsene Teilnahmequote von fast 100 Prozent spricht für die erfreuliche Qualität der Schullager», sagt Buschor. Der Begriff «freiwillig» passe aber auch in der Stadt definitiv nicht mehr zur gelebten Realität. Solche Lager ermöglichten ein gemeinschaftliches Erlebnis ausserhalb des Schulzimmers. «Und das trägt wesentlich zur Gemeinschaftsbildung bei», ist Buschor überzeugt.

Nun hat sich mit dem Bundesgerichtsentscheid aber zumindest die finanzielle Ausgangslage der Skilager geändert – Buschors Direktion musste über die Bücher. «Als erstes Kriterium war wichtig, an den bisherigen Lagerdurchführungen anzahlmässig festzuhalten», sagt Buschor. Dies vor dem Hintergrund, dass der gemeinschaftsbildende Aspekt der Skilager sehr geschätzt und als wertvoll empfunden werde. «Und als zweites Kriterium war der Bundesgerichtsentscheid mit den vorgeschriebenen, deutlich tieferen Elternbeiträgen zu befolgen.»

Die Stadt muss in die Bresche springen

Die entsprechende Prüfung anhand dieser beiden Kriterien hat laut Schuldirektor Markus Buschor ergeben, dass der bisherige Elternbeitrag nicht bestehen bleiben kann. «Mit 150 Franken pro Woche wäre dem Bundesgerichtsentscheid nicht Folge geleistet.» Neu betragen die von den Eltern getragenen Kosten für das Skilager 15 Franken pro Tag, also 75 Franken für die gesamte Woche. Und damit fallen für die Stadt ab kommendem Jahr Mehrkosten in der Höhe von 140000 Franken jährlich an.