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«Eineinhalb Stunden für zehn Meter»: St.Galler Schulklassen bleiben auf dem Weg ins Skilager stecken

Viel Neuschnee und Lawinenwarnstufe 5 in der Lenzerheide: Das Skilager der Fünft- und Sechstklässler aus Eggersriet und Grub hat turbulent begonnen. Doch Schulleiter und Lehrpersonen nehmen es mit Humor.

Stephanie Martina
Wenige Meter vor dem Lagerhaus blieb der Bus im Schnee stecken. (Bild: zVg)

Wenige Meter vor dem Lagerhaus blieb der Bus im Schnee stecken. (Bild: zVg)

Schlechtes Wetter, gesperrte Pisten, riesige Schneemengen: In Klassenlagern ist nicht selten das Improvisationstalent der Lehrkräfte gefragt. Der Eggersrieter Schulleiter Franz Mäder musste seines bereits am Montagmorgen unter Beweis stellen, noch bevor er mit seinen Schülern das Lagerhaus überhaupt erreicht hatte. Zehn Meter vom Ziel entfernt blieb nämlich der Reisecar, der die 39 Fünft- und Sechstklässler aus Eggersriet und Grub in die Lenzerheide fuhr, im Schnee stecken. Nichts ging mehr. Weder vor, noch zurück. «Also haben wir unser Programm kurzerhand auf den Kopf gestellt. Zum Glück sank der Bus erst vor dem Haus im Schnee ein, so konnten die Schüler ins Warme. Statt das Gepäck auszuladen, haben sie zuerst ihre Zimmer bezogen und es sich ein wenig gemütlich gemacht», erzählt Mäder.

In der Zwischenzeit wurde draussen im Schneegestöber versucht, den Bus mithilfe von Schneefräsen zu befreien. Mäder nimmt's mit Humor:

«Die Anfahrt von Eggersriet hier rauf verlief reibungslos. Nur für die letzten zehn Meter brauchten wir eineinhalb Stunden.»

Ein Meter Neuschnee in 24 Stunden

Nach dem Zmittag hiess es für die Schüler der Mittelstufe endlich: ab auf die Piste. Doch auch hier machte der viele Schnee den St.Gallern einen Strich durch die Rechnung. Wegen der grossen Neuschneemengen und der Lawinengefahr auf höchster Stufe stand ihnen im Skigebiet nur ein kleines Angebot zur Verfügung. Lediglich 14 der 35 Skilifte und Bahnen waren in Betrieb, und zwar nur solche im unteren, bewaldeten Teil des Skigebiets. Auch die Verbindung nach Arosa war gesperrt.

Mithilfe einer Schneefräse wurde die Strasse vom Schnee befreit, damit der Car weiterfahren konnte. (Bild: zVg)

Mithilfe einer Schneefräse wurde die Strasse vom Schnee befreit, damit der Car weiterfahren konnte. (Bild: zVg)

Peter Engler, CEO der Bergbahnen Lenzerheide AG, sagte nach der Ankunft der Schüler:

«Seit Mitternacht gab es im Dorf 70 Zentimeter Neuschnee. Bis am Abend dürften es nochmals 30 mehr sein.»

Einen Meter Schnee in 24 Stunden – das hat Engler in der Lenzerheide noch nie erlebt.

Wie hoch der Schnee in den oberen Teilen des Skigebiets liegt, konnte Engler nicht sagen. Weil es bei Lawinenwarnstufe 5 viel zu gefährlich gewesen sei, habe man aus Sicherheitsgründen auf Messungen verzichtet. «Dass in der Lenzerheide die höchste Lawinenwarnstufe gilt, ist ebenfalls eine Seltenheit. Das kommt nur etwa ein bis zwei Mal in zehn Jahren vor», sagt Engler.

Trotz des Hudelwetters waren zum Wochenstart über 1000 Wintersportler auf den Pisten. Viele seien Schüler, die derzeit ihr Skilager in der Lenzerheide verbringen würden, sagt Engler. Nur eine einzige Schulklasse sei nicht wie geplant am Montag, sondern wegen des schlechten Wetters erst am Dienstag angereist. Abgesagt habe niemand.

Eltern äusserten keine Bedenken

Das Skilager aus Eggersriet und Grub abzublasen, war auch für Franz Mäder und die anderen Lehrkräfte kein Thema. Sie hätten in den Tagen vor der Abfahrt Strassenzustandsberichte studiert und immer wieder mit dem Transportunternehmen und der Lagerhaus-Vermietung telefoniert, um die Lage vor Ort einschätzen zu können. Der Schulleiter betont:

«Hätte auch nur jemand Bedenken geäussert – wir hätten nichts riskiert.»

Mäder erinnert sich jedoch, dass die Lawinengefahr auch schon während anderer Skilager auf der höchsten Stufe gewesen sei. Doch das sei etwa 20 Jahre her. Damals hätten mehrere Eltern vor der Abfahrt Bedenken geäussert. «Mich hätte es nicht erstaunt, wenn sich auch dieses Jahr Eltern Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder gemacht hätten. Doch es kam niemand auf uns zu.»

Mit dem Lawinensuchgerät ins Skilager

Die Lehrkräfte hätten auch mit den Schülern über die hohe Lawinengefahr und richtiges Verhalten gesprochen, sagt Mäder. Die Kinder seien zwar sowieso nie alleine unterwegs, sondern immer in geleiteten Gruppen, trotzdem habe man nochmals betont, dass das Fahren abseits der Piste ein absolutes No-Go sei. Und auch die Leiter seien angewiesen worden, nur auf geöffneten Pisten zu fahren.

Eine der Begleitpersonen ist Elias Schwarz aus St.Gallen. Obwohl er, wie er sagt, darauf vertraue, dass die Bergbahnen nur die Pisten öffnen würden, die auch gesichert seien, hat er für den Ernstfall ein Lawinensuchgerät eingepackt. «Eigentlich gehört es meiner Nachbarin. Aber ich dachte mir, dass es nicht schaden kann, auf alles vorbereitet zu sein», erklärt Schwarz.

Bald wieder alle Pisten befahrbar

Trotz Nebel und Schnee verbrachten die Schüler den ganzen Montagnachmittag auf der Piste. Niemand habe sich beklagt, sagt Mäder. Den Kindern mache das schlechte Wetter kaum etwas aus. Dennoch dürfte das Schlimmste überstanden sein. Bergbahnen-Chef Peter Engler geht davon aus, dass die Lawinengefahr in den nächsten Tagen weiter abnehmen wird. «Am Dienstagmorgen führten wir Lawinensprengungen durch, sodass wir ab Mittag 25 Bahnen öffnen konnten. Am Mittwoch wird das ganze Skigebiet wieder befahrbar sein», sagt Engler.

Und sollte sich das Wetter doch wieder verschlechtern, haben Schulleiter Mäder und seine Kollegen ja bereits bewiesen, dass sie improvisieren können.

Eine dicke Schneeschicht liegt auf dem Dach des Lagerhauses. (Bild: zVg)

Eine dicke Schneeschicht liegt auf dem Dach des Lagerhauses. (Bild: zVg)

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