Jugendarbeit
«Die Anwohner wollen Ruhe»: So geht Wittenbach gegen Lärm, Littering und Sachbeschädigungen vor

Die Gemeinde Wittenbach lanciert in Zusammenarbeit mit der Schule und den Kirchen ein Präventionsprojekt gegen Lärm, Littering und Sachbeschädigungen. Neu gibt es auch ein Meldetelefon, über das die Einwohnerinnen und Einwohner Vorfälle mitteilen können.

Michel Burtscher
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Für die Anwohnerinnen und Anwohner seien Lärm, Littering und Sachbeschädigungen eine Belastung, sagt der Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner seien Lärm, Littering und Sachbeschädigungen eine Belastung, sagt der Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble.

Bild: Urs Bucher

Jetzt, wo die Tage wieder länger und wärmer werden, dürften sich die Meldungen häufen, die im Wittenbacher Gemeindehaus eingehen. Wegen Lärm, Littering oder Sachbeschädigung. Jugendliche, die sich vor allem an Wochenenden abends und nachts auf öffentlichen Plätzen treffen. Bei den Schulen, den Kirchen oder den Spielplätzen. Dabei Musik hören, laut sind, Alkohol trinken, Flaschen, Dosen und Zigarettenstummel liegen lassen. So ist das immer in dieser Jahreszeit.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach.

Bild: Michel Canonica

«Für die Anwohner ist das jedoch eine grosse Belastung», sagt Gemeindepräsident Oliver Gröble. Sie seien zwar tolerant, aber es habe Grenzen. «Die Anwohner wollen Ruhe», betont er.

«Da können wir nicht länger zuschauen.»

In Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden und der Schule hat die Gemeinde Wittenbach darum ein «Präventionsprojekt» lanciert, wie es Gröble nennt. Bisher gingen die Akteure alleine gegen das Problem vor. «Wir wollten eine flächendeckende Lösung schaffen.»

Die Jugendlichen sollen sensibilisiert werden

Doch Prävention ist nur die eine Seite, denn auch Sanktionen sind vorgesehen. «Zuerst wollen wir die Jugendlichen aber sensibilisieren und nicht gleich mit dem Hammer rein», sagt Gröble. «Wir sind ja kein Polizeistaat.» Jeremias Frei ist Leiter der Offenen Jugendarbeit Wittenbach und auch am Projekt beteiligt. Er betont:

«Es sind jeweils nur einige wenige Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für Störungen sorgen.»
Littering ist auch in Wittenbach ein Problem.

Littering ist auch in Wittenbach ein Problem.

Bild: Andrea Stalder

Die Situation in Wittenbach sei auch nicht schlimmer als andernorts. Probleme mit Lärm und Littering gebe es überall in der Schweiz. Doch er betont: Für die Anwohner sei die Situation schwierig, weil die Belastung in den warmen Monaten konstant sei.

Jugendarbeit erhöht ihre Präsenz

Die Jugendarbeit will darum ihre Präsenz erhöhen. Das Team ist bereits heute an den Wochenenden regelmässig unterwegs und sucht das Gespräch mit den Jugendlichen. Dieses Jahr sind zudem Informationsstände geplant bei Hotspots, an denen sich diese aufhalten. Es werde über die geltenden Nutzungsbestimmungen der öffentlichen Plätze informiert, sagt Frei.

Zielpublikum sind aber nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Anwohnerinnen und Anwohner. «Wünschenswert wäre, wenn dabei ein Dialog entstehen könnte.» Zudem soll es eine Kampagne auf Social Media für Jugendliche geben.

Das Team der Offenen Jugendarbeit Wittenbach. Ganz rechts ist Leiter Jeremias Frei.

Das Team der Offenen Jugendarbeit Wittenbach. Ganz rechts ist Leiter Jeremias Frei.

Bild: PD

Wichtig ist Frei, dass die Jugendlichen nicht das Gefühl haben, dass sie keinen Platz hätten in der Gemeinde. «Sie dürfen irgendwo sein.» Die Jugendlichen sollen also Orte haben in der Gemeinde, an denen sie sich aufhalten können. Solange sie sich an die Regeln halten. Auf den öffentlichen Plätzen werden ihnen diese auf neuen Schildern erklärt: kein Alkohol, keine Rauchwaren, keine Drogen, kein Lärm – unter anderem. Frei betont:

«Wer sich grundsätzlich an die Bestimmungen hält und niemanden mit lauter Musik und Geschrei stört sowie seinen Abfall mitnimmt, ist überall willkommen.»

Jugendliche bekommen zwei Räume im alten Schulhaus

Gleichzeitig bietet die Gemeinde Alternativstandorte für die Jugendlichen an. Bereits etabliert ist der Jugendtreff bei der Feuerwehr. Neu gibt es zudem zwei «Cliquenräume» im alten Schulhaus Dorf. Das Bedürfnis danach sei gross, so Frei. 50 Franken pro Monat kostet ein Zimmer. «Wir wollen den Jugendlichen Vertrauen schenken, ihnen aber auch Verantwortung übertragen.» Sie müssen den Raum selber einrichten, putzen, Ordnung halten und sich mit der Nachbarschaft vertragen.

Hier haben die Jugendlichen neu zwei Räume: die alten Schulhäuser auf dem Dorfhügel.

Hier haben die Jugendlichen neu zwei Räume: die alten Schulhäuser auf dem Dorfhügel.

Bild: Ralph Ribi

Trotz dieser Massnahmen wird es wohl auch künftig Jugendliche geben, die sich nicht an die Regeln halten. Hier kommen die Sanktionen ins Spiel – und der Sicherheitsdienst. Schon 2020 führte dieser Kontrollgänge durch. Diese hätten sich bewährt, heisst es bei der Gemeinde. Seit April ist der Ordnungsdienst darum wieder uniformiert unterwegs.

Sicherheitsdienst passt Route an

Im Rahmen des Präventionsprojektes wurde eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die Meldungen aus der Bevölkerung bearbeitet. Dafür gibt es ein neues Online-Formular. Kürzlich war die Gemeinde denn auch auf der Suche nach einer neuen Mitarbeiterin oder Mitarbeiter im Bausekretariat: «Schwerpunkt Ruhe und Ordnung». Diese Person wird sich um die Meldungen kümmern. Diese seien wichtig, betont Gröble:

«Wenn wir sehen, wo es Probleme gibt, dann können der Sicherheitsdienst und die Jugendarbeit am nächsten Wochenende ihre Route anpassen.»

Doch damit nicht genug: Die Gemeinde hat ein Meldetelefon eingerichtet – als dreimonatiges Pilotprojekt. Dort können die Bürgerinnen und Bürger jeweils Freitag- und Samstagabend zwischen 20 und 24 Uhr Störungen melden. Die Zentrale des Sicherheitsdienstes nimmt die Anrufe entgegen und leitet sie an die Einsatzpersonen vor Ort weiter. «So kann der Sicherheitsdienst bei Problemen sofort reagieren», sagt Gröble. Die Hoffnung sei, so Frei, Störenfriede öfters in flagranti zu erwischen.

Die Polizei als letztes Mittel

Doch welche Kompetenzen hat der Sicherheitsdienst? Bei Verstössen werden die Personalien aufgenommen, sagt Frei. Über die Verwaltung der jeweiligen Liegenschaft werde dann ein Antrag auf eine Amtsanzeige gestellt, die einen Platzverweis für eine gewisse Dauer zur Folge habe. Bei Nichteinhaltung des Platzverweises könne strafrechtlich vorgegangen werden. In schwerwiegenden Fällen oder bei Verweigerung der Personalangaben werde die Polizei zugezogen. «Wir hoffen aber, dass es nicht so weit kommt», betont der Gemeindepräsident.

Wittenbacher Meldetelefon: 071 310 09 50