Nachfolge
Simon Diezi mischt den Wahlkampf in Thal auf: Der FDP-Mann tritt gegen den Kandidaten der überparteilichen Findungskommission an

In Thal hat sich ein überparteiliches Komitee formiert, um die bisher bekannten Kandidaten, Matthias Gehring (SVP) und Michael Fitzi (parteilos), bei der Wahl für das Gemeindepräsidium zu verhindern. Das Komitee empfiehlt den amtierenden Thaler Ortsparteilpräsidenten Simon Diezi (FDP) zur Wahl und will seinen «wilden »Kandidaten in den kommenden Tagen mit verschieden Aktionen lancieren.

Rudolf Hirtl
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Simon Diezi ist in Thal geboren und aufgewachsen: Er will nun in die Fussstapfen des Ende September abtretenden Gemeindepräsidenten Felix Wüst treten.

Simon Diezi ist in Thal geboren und aufgewachsen: Er will nun in die Fussstapfen des Ende September abtretenden Gemeindepräsidenten Felix Wüst treten.

Bild: Rudolf Hirtl

Wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Thal am Sonntag, 26. September, zur Wahl ihres neuen Gemeindepräsidenten und Nachfolgers von Felix Wüst (FDP) schreiten, steigt ein Kandidat mit der Empfehlung der überparteilichen Findungskommission (FiKo) ins Rennen. Die FiKo, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der FDP (Peter Hensel), der Mitte (Markus Eigenmann), SP (Andrea Schöb) und SVP (Axel Ziegler) schlägt Matthias Gehring (SVP) als Gemeindepräsident für Thal vor. Aktuell ist der 42-Jährige Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus.

Skepsis gegenüber dem Kandidaten der Findungskommission

Diese Empfehlung stösst aber nicht überall auf Gegenliebe. Aus dem anfänglichen Murren im Dorf ist organisierter Widerstand geworden. Ein überparteiliches Komitee schickt nun mit Simon Diezi einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Der ungenannt bleiben wollende Sprecher der Gruppe sagt: «Wir waren von Anfang an skeptisch, was den Kandidaten der Findungskommission angeht. Die von uns eingeholten Information haben diese Skepsis nicht kleiner werden lassen. Ausserdem ist auch Michael Fitzi, der ja schon ein paar vergebliche Anläufe gemacht hat, für uns nicht wählbar.»

Simon Diezi nicht zum Gespräch eingeladen

Das Komitee hörte, dass Simon Diezi sein Dossier beim Personalberater, der die Fiko unterstützt, einreichte, aber nicht einmal für ein Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Spätestens dann sei klar gewesen, dass sie den 44-jährigen Präsidenten der Ortsgemeinde Thal ins Rennen schicken würden.

Felix Wüst tritt als Gemeindepräsident von Thal vorzeitig zurück.

Felix Wüst tritt als Gemeindepräsident von Thal vorzeitig zurück.

Bild: PD

Simon Diezi bestätigt auf Anfrage, seine Bewerbung an die Vermittlungsagentur zeitgerecht eingereicht zu haben. Er sei aber tatsächlich nie vor die Findungskommission getreten, da ihm negativ ausgelegt worden sei, dass er aus dem Dorf komme und keine Erfahrung auf einer Gemeinde habe. «Beides sind Bedingungen, die in der ursprünglichen Ausschreibung nicht vorausgesetzt wurden», sagt Diezi, der in Thal geboren und mit zwei Brüdern aufgewachsen ist.

Einheimische waren nicht ausgeschlossen

Patrick Möckli von der Premium-Job AG bestätigt diese Einschätzung nicht. Der Kaderjobvermittler sagt:

«Es war keineswegs so, dass ein einheimischer Kandidat von Anfang an nicht in Frage gekommen wäre. Ich hatte diesbezüglich keine Einschränkungen. Auch die politische Couleur spielte keine Rolle.»

Eine Rolle gespielt habe allerdings das Alter, räumt er ein. Nach der Entwicklung der vergangenen Monate habe man bewusst auf Kandidatinnen und Kandidaten gesetzt, die gewillt waren, mehr als eine Legislatur zu absolvieren. Für eine stabile Entwicklung der Gemeinde sei es wichtig, mehr als nur vier Jahre im Amt sein zu wollen.

Auch Dominik Gemperli war eine Einerkandidatur

Die von der Findungskommission präsentierte Einerkandidatur bezeichnet Patrick Möckli als nicht aussergewöhnlich. Er erinnert an 2016 und die Wahl von Dominik Gemperli in Goldach. Der damalige Gemeindepräsident von Andwil sei von allen Ortsparteien als alleiniger Kandidat unterstützt worden. Heute sei man in Goldach froh, einen guten Gemeindepräsidenten zu haben.

Im Dorf werden Lügen verbreitet

Andrea Schöb betont ebenfalls, dass die Findungskommission keine Leitplanken gesetzt habe, um Thaler Kandidatinnen oder Kandidaten von einer Bewerbung auszuschliessen. Sie wundere sich vielmehr über diese unwahren Spekulationen.

«Wir wollten von Anfang an mit professioneller Begleitung eine fachkompetente Person finden, die für das Amt des Gemeindepräsidiums geeignet ist. Wohnort und Parteizugehörigkeit haben dabei keine Rolle gespielt»,

sagt Schöb, die viele Thalerinnen und Thaler selbst gerne als Gemeindepräsidentin sehen würden, die diesbezüglich aber mit einem Lächeln abwinkt. Die Kommission wollte laut Schöb zwei Kandidaten empfehlen, die gleichwertige Bewerbungen abgeben haben. Einer davon habe aber abgesagt, weshalb sich die FiKo auf eine Einerkandidatur geeinigt habe.

Simon Diezi sieht sich nun bereit für die Aufgabe

Bereits vor seiner Bewerbung ist Simon Diezi, der seit 2014 technischer Direktor der Polygal AG in Märstetten ist, von Leuten aus dem Dorf für eine Kandidatur motiviert worden. «Als dann durchgesickert ist, dass meine Bewerbung abgelehnt wurde, haben mich noch weitere Einwohnerinnen und Einwohner gebeten, als Kandidat zur Verfügung zu stehen.» Wieso ist er nicht schon 2019 angetreten? «Es ist keine leichte Entscheidung, sondern ein Prozess, der Zeit benötigt. Damals war es zu früh für mich, obwohl ich die Fähigkeiten habe. Jetzt bin ich bereit für diesen Schritt und ich möchte als Gemeindepräsident helfen, die gemeinsamen Herausforderungen zu lösen.» Diezi sagt:

«Die direkte Nähe zu den Bürgerinnen und Bürger gibt mir ein Netzwerk, um Herausforderungen rasch und gemeinsam anzugehen.»

Als Thaler kenne er die Anliegen der Bürger und die Herausforderungen der Gemeinde, nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit als Ortsgemeindepräsident. Thal bezeichnet er als eine äusserst attraktive Wohngemeinde. Es stünden aber grosse Herausforderungen an, wie Umsetzung Zonenplan, Bachsanierungen, Umbau Rathaus, Entwicklung Ex-Christareal, soziale Themen (alt werden), Natur und Ökologie, Infrastruktur Schule und Bildung/Ausbildung. Die Aufgaben in der Ortsgemeinde und seine berufliche Führungserfahrung würden ihn zu einem idealen Kandidaten für dieses Amt machen. «Ich bin kein Träumer. Mein Ziel ist es, eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang zu schaffen. Sollte ich abgeschlagen auf dem dritten Rang liegen, dann müsste ich mir das Ganze nochmals überlegen.»

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