Im «Haus Famos» ist viel los: Siebdruck und Super Mario

Bevor das Bürogebäude an der Davidstrasse 21 in St.Gallen zum Hotel wird, sind dort junge Künstler am Werk. Das «Haus Famos» ist Ateliergemeinschaft, Druckwerkstatt und Retro-Games-Paradies in einem.

Roger Berhalter
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Bis Ende März wird die Liegenschaft Davidstrasse 21 zum «Haus Famos». Danach soll sie zum Hotel umgebaut werden. (Bild: Thomas Hary - 16. Januar 2019)

Bis Ende März wird die Liegenschaft Davidstrasse 21 zum «Haus Famos». Danach soll sie zum Hotel umgebaut werden. (Bild: Thomas Hary - 16. Januar 2019)

Im Keller stehen schwere Siebdrucktische quer im Raum und warten darauf, dass man sie an ihren Platz hievt. Im Nebenzimmer verlegen zwei junge Männer Stromkabel. Noch sieht es im Keller an der Davidstrasse 21 aus wie auf einer Baustelle, doch schon bald sollen hier Interessierte das Siebdrucken lernen können. «Wir bieten Kurse an. Sobald wir parat sind», sagt Clarissa Schwarz vom Printclub Bodensee mit Schüfeli und Bäseli in der Hand. Der Printclub gehört zu den neuen Mietern des Bürogebäudes an der Davidstrasse.

Kulturelle Zwischennutzung bis Ende März

In den kommenden Monaten dürfte das Haus zu einem Hotel umgebaut werden, ein entsprechendes Baugesuch liegt derzeit öffentlich auf. Noch übernachten hier aber keine Hotelgäste, sondern die Eigentümerin «Mettler2Invest» stellt das Gebäude für eine kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung. Bis Ende März hat der Verein Leerraum den Keller und drei weitere Etagen zu einem symbolischen Preis gemietet.

«Haus Famos» heisst das Projekt, das neben dem Printclub Bodensee mehrere Künstlerateliers sowie eine Retro-Games-Abteilung umfasst. «Es geht um Freiräume», sagt Marcio Ferreira vom Verein Leerraum, der die Zwischennutzung eingefädelt hat. «Wir wollen jungen Kreativen in der Stadt günstigen Raum anbieten. Der tiefe Preis ist entscheidend, die Belebung der Räume kommt danach von selbst.»

Ein kleines bisschen Freiheit

Claudia Bühler öffnet im blauen Overall und dicken Wollsocken die Haustür. Die Fotografin pendelt derzeit zwischen Berlin, St.Gallen und Horn und hat sich im «Haus Famos» ein Atelier eingerichtet. «Für mich bedeutet das Haus ein kleines bisschen Freiheit», sagt die 27-Jährige. Sie schwärmt von der Ateliergemeinschaft an der Davidstrasse. «Es ist ein schöner Austausch, hier können Ideen entstehen.»

Die Fotografin Claudia Bühler in ihrem Atelier im Haus Famos. (Bild: Benjamin Manser - 1. Februar 2019)

Die Fotografin Claudia Bühler in ihrem Atelier im Haus Famos. (Bild: Benjamin Manser - 1. Februar 2019)

Die meisten der im ersten und zweiten Stock eingemieteten Künstler sind zwischen 20 und 30 und bewegen sich an der Schnittstelle zwischen bildender und angewandter Kunst: Junge Illustratoren tüfteln hier an Ideen, ein Grafikbüro wagt erste Schritte in die Selbstständigkeit. Zu den Mietern gehören auch eine Köchin, die Skulpturen macht, und eine angehende Kunstgiesserin des Sitterwerks. In einem Zimmer probt eine Theatergruppe.

«Wir sind hier nur für einen kurzen Zeitraum, aber genau das passt für viele», sagt Bühler. Im Idealfall soll das «Haus Famos» Ende März, wenn die Zwischennutzung endet, weiterziehen und in einem anderen Gebäude unterkommen. Noch ist aber keine Anschlusslösung gefunden.

Spielend ins Gespräch kommen

Im Erdgeschoss des «Haus Famos» befindet sich das «Spielzimmer». Unter diesem Titel hat der selbständige Programmierer Patrick Jost ein kleines Paradies für Retro-Games-Fans eingerichtet. «Super Mario» und andere Spiele von gestern flimmern über klobige Bildschirme. Jost hat ein ganzes Arsenal an Spielautomaten, Joysticks und Konsolen zusammengetragen.

Stilleben in einem der Ateliers im «Haus Famos» an der Davidstrasse 21. (Bild: Benjamin Manser - 1. Februar 2019)

Stilleben in einem der Ateliers im «Haus Famos» an der Davidstrasse 21. (Bild: Benjamin Manser - 1. Februar 2019)

«Das ‹Spielzimmer› ist ein Experiment. Ich möchte auf diese Weise unterschiedliche Leute zusammenführen. Das Spielen dient vor allem als Vorwand, um ins Gespräch zu kommen», sagt Jost. Er plant tagsüber auch Workshops und hat ein paar ungewöhnliche Anlässe im Programm: Basteln mit Lochkarten oder ein chinesisches Laternenfest für Kinder.

Normalerweise ist das «Haus Famos» aber nicht öffentlich zugänglich. Übermorgen Samstag, 14 bis 22 Uhr, wird im kleinen Rahmen die Eröffnung gefeiert.

www.spielzimmer.org
www.leerraum-sg.ch/haus-famos

Vereint gegen leere Läden in St.Gallen

Der neu gegründete Verein Leerraum will leere Ladenflächen mit Zwischennutzungen beleben. Die Gründer Marcio Ferreira und Melanie Diem zeigen derzeit in zwei Lokalen auf, wie das gehen könnte.
Luca Ghiselli