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«Wir haben Zeit, Energie und Geld in das Restaurant gesteckt – für nichts»: Die Wirte des «Hirschen» in Wittenbach haben genug

Wenig Gäste, viel Getratsche: Andy Pöhler und Sindy Berger haben einen Schlussstrich gezogen und den «Hirschen» geschlossen. Wie ihr Vorgänger bezeichnen auch sie das Restaurant als Zeitverschwendung.
Perrine Woodtli
Andy Pöhler und Sindy Berger mit Hund Blue vor dem «Hirschen». (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (31. Mai 2019))

Andy Pöhler und Sindy Berger mit Hund Blue vor dem «Hirschen». (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (31. Mai 2019))

Das Schild, das vor der Eingangstür des «Hirschen» steht, ist unmissverständlich: «Restaurant geschlossen» steht schwarz auf weiss in Grossbuchstaben. Seit knapp drei Wochen ist das Restaurant auf dem Wittenbacher Dorfhügel zu. Andy Pöhler und Sindy Berger wollen nicht mehr.

Vor neun Monaten haben sie den «Hirschen» übernommen und sprühten nur so vor Ideen. Das hat sich inzwischen geändert. Ihrem Vorgänger Qaisar Butt, der rund ein Jahr lang im «Hirschen» wirtete und seine Zeit dort Zeitverschwendung nannte, geben sie mittlerweile Recht – mit dem Wissen, dass diese Aussage wahrscheinlich viele Wittenbacher verärgern wird. «Wir sagen, wie es ist und wollen nichts schönreden», sind sich beide einig. «Wir haben nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Energie und Geld in das Restaurant gesteckt. Für nichts.»

Zu wenig Gäste und ein Shitstorm auf Facebook

Andy Pöhler und Sindy Berger sitzen in der Gartenbeiz. Ihre Enttäuschung können sie nicht verbergen. Für Pöhler ist klar: «Wittenbach braucht den ‹Hirschen› nicht. Es gibt keinen Bedarf.» Die Leute würden lieber in der Stadt essen, statt in einem gut bürgerlichen Restaurant im Dorf. Es sei schwierig gewesen, das Mittagsgeschäft und «à la carte» aufrechtzuerhalten. «Es gab extreme Schwankungen. Am einen Montag waren es 25 Gäste, am nächsten drei.»

Als Konsequenz hätten sie ein Menu für 9.50 Franken angeboten. «Das hätte funktioniert, machte aber keinen Spass. Schliesslich müssen wir Geld verdienen.» Auch die Abende liefen nicht gut. Durchschnittlich hätten fünf Gäste im Lokal gegessen – wenn überhaupt. «Der Tagesumsatz war zu gering. Das reicht nicht, um eine vierköpfige Familie zu finanzieren und die hohen Fixkosten zu decken.»

Das Restaurant Hirschen ist seit dem 13. Mai geschlossen. (Bild: Perrine Woodtli)

Das Restaurant Hirschen ist seit dem 13. Mai geschlossen. (Bild: Perrine Woodtli)

Die Wirte hatten nicht nur mit den Gästezahlen zu kämpfen. Auch die Zusammenarbeit mit einigen Vereinen sei schwierig, sagt Pöhler. Viele hätten es nicht verstanden, dass nicht mehr alles gleich war wie bei Werner Trunz, der die Traditionsbeiz während 34 Jahren bis 2017 geführt hat.

Zudem hätten viele Vereine ständig die Preise drücken wollen. Berger betont, dass nicht alle Vereine so seien. «Wir haben in Wittenbach auch tolle Leute kennen gelernt.» Die Vereine bräuchten zudem nur den Saal des Lokals, zum Essen kämen die wenigsten. Und der Saal alleine rentiere mit den wenigen Anlässen nicht.

Hinzu sei das Gerede gekommen. Von Vereinen, aber auch von der ehemaligen Wirtin der «Hirschen»-Bar. Diese befindet sich unter dem Restaurant und wird von Pöhler und Berger vermietet. Weil die Zusammenarbeit mit der Wirtin nicht funktioniert habe, sei das Mietverhältnis im Februar gekündet worden. Sie führt jetzt das Café Silbersack in Wittenbach. Die Kündigung habe einen Shitstorm ausgelöst.

«Auf Facebook wurde viel Negatives geschrieben. Unter anderem, dass zwei Deutsche den Schweizern hier Jobs wegnehmen.»

Klar hätten auch sie Fehler gemacht, sagt er. «Wir hätten uns wahrscheinlich nicht so an der Speisekarte von Werner Trunz orientieren und versuchen sollen, seine Gäste zurückzuholen.» Stattdessen hätten sie lieber ihr eigenes Ding machen sollen. Die Beiz sei wohl zu gross für sie gewesen. «Wir hätten uns besser informieren sollen. Uns war nicht bewusst, wie schlecht es um das Lokal stand.» Im Nachhinein sei man immer schlauer. Am 13. Mai haben sie die Reissleine gezogen. «So schnell wir gekommen sind, so schnell gehen wir wieder», sagt Pöhler. Er werfe sich nichts vor. «Wir haben es probiert.»

«Die Hosentaschen sind leer»

Wie es nun weitergeht für Pöhler und Berger, die inzwischen kein Paar mehr sind, wissen sie noch nicht. Von der Selbstständigkeit haben sie fürs Erste genug. «Die Hosentaschen sind leer», sagt Pöhler. Berger will in der Gastronomie bleiben. «Aber als Angestellte.» Für beide ist klar: Sie wollen weg aus Wittenbach. «Bleiben ist keine Option», sagt Berger. «Mit dem Dorftratsch ginge das nicht.» Sie ziehen zurück ins Rheintal.

Zum «Hirschen» sagt Pöhler: «Ich glaube nicht, dass sich ein neuer Pächter finden lässt und das Lokal laufen wird.» Sie warten nun den Entscheid der Wohnbaugenossenschaft St.Gallen (WBG) ab, die die Liegenschaft verpachtet. Gekündet haben sie noch nicht.

Bei der WBG war am Freitag niemand erreichbar, der etwas zur Zukunft des Wittenbacher «Hirschen» sagen konnte. Auf der Website heisst es, man werde die Situation nun analysieren.

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