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Eine Gaiserwalderin will das bedingungslose Grundeinkommen testen

Die Abtwilerin Milada Vojcicky ist Feuer und Flamme für das bedingungslose Grundeinkommen. Sie will, dass es in Gaiserwald getestet wird – nach dem Vorbild einer Zürcher Gemeinde. Bei der landesweiten Abstimmung sagten aber 86 Prozent ihrer Mitbürger Nein.
Sebastian Schneider
Der Versuch in der Zürcher Gemeinde Rheinau macht Milada Vojcicky Mut. (Bild: Thomas Hary)

Der Versuch in der Zürcher Gemeinde Rheinau macht Milada Vojcicky Mut. (Bild: Thomas Hary)

Der 5. Juni 2016 war für sie eine Enttäuschung. Milada Vojcicky hatte sich ein anderes Abstimmungsresultat über das bedingungslose Grundeinkommen gewünscht. Gerade einmal 23,1 Prozent der Urnengänger sagten damals Ja zur Idee, dass jede Bürgerin und jeder Bürger eine Garantie auf ein Grundeinkommen haben soll. Für Politiker war das Thema nach der eidgenössischen Abstimmung vom Tisch. «Das hat mich am meisten enttäuscht», sagt Vojcicky.

Die 60-Jährige ist schon seit über zehn Jahren Fan dieser Vision. Und jetzt erst recht, da wieder Hoffnung in ihr aufgekeimt ist. In der Zürcher Gemeinde Rheinau steht ein jähriger Testbetrieb kurz vor der Umsetzung. Im nächsten Jahr sollen den über 25-Jährigen 2500 Franken pro Monat auf sicher zur Verfügung stehen. Für Kinder gibt es ein Viertel dieser Summe, für junge Erwachsene je nach Alter die Hälfte oder zwei Drittel.

Nein bei der Abstimmung und doch Ja zum Test

Milada Vojcicky strahlt, wenn sie den Namen Rheinau nur schon hört. Denn was dort ziemlich sicher versucht wird, will sie in Gaiserwald nachahmen. Nachdem sie Medienberichte anfangs September gelesen hat, war für sie klar, dass sie nun aktiv werden muss. Hoffnungen setzt sie derweil in Gemeindepräsident Boris Tschirky, «eine starke Persönlichkeit», wie sie findet. Kürzlich nutzte sie eine persönliche Kontaktstunde, um ihr Anliegen offiziell einzubringen.

Boris Tschirky habe auf ihre Idee etwas überrascht reagiert. Gleichwohl habe er zugesichert, die Sache zu untersuchen. Noch steht aufgrund seiner Ferienabwesenheit eine Antwort aus. Natürlich ist sich Vojcicky bewusst, dass die Idee heute auf relativ wenig Gegenliebe stösst. Nicht zuletzt bei den Gaiserwalder Stimmbürgern, welche 2016 die Initiative mit einer wuchtigen Mehrheit von 86 Prozent ablehnten. Doch ein Testbetrieb sei ja etwas anderes, entgegnet die ursprüngliche Tschechin.

In Rheinau geht es jetzt ums Geld

Die Initiative sei auch in Rheinau deutlich abgelehnt worden. Tatsächlich waren drei Viertel der dortigen Stimmbürger gegen das Ansinnen. Nun aber bestätigt der Gemeindepräsident Andreas Jenni auf Anfrage, dass rund zwei Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner beim Projekt mitmachen wollen. 650 Teilnehmer seien die Hürde gewesen, zirka 800 haben sich angemeldet. Derzeit sei man daran, mit allen einen Vertrag abzuschliessen. Noch im Oktober und November müssen drei bis fünf Millionen Franken von Gönnern und Stiftungen zusammenkommen.

Nur wer weniger als 2500 Franken verdient, hat bei diesem Projekt Anspruch auf einen Batzen aus dem Grundeinkommen-Fonds. Dadurch weiche der Test zwar ab von der Grundidee des bedingungslosen Grundeinkommens, bemerkt Vojcicky. Doch immerhin werde in Rheinau ein erster Schritt getan. Die Vision lasse sich nicht einfach so verwirklichen, man müsse schrittweise vorgehen, meint sie.

«Digitalisierung erfordert Umdenken»

Milada Vojcicky agiert zwar als Einzelkämpferin, sie ist aber nicht die einzige Anhängerin der Vision, die jedem Geld verspricht. Auf der Internetseite www.grundeinkommen.ch versprühen Aktivisten wahren Optimismus. «Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung», heisst es etwa in der Unterzeile. Immerhin hätten rund 570 000 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Idee zugestimmt. Weil sich die Arbeitswelt stark verändere, werde es früher oder später zu einer zweiten Abstimmung kommen. Von nahenden grossen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt spricht auch Vojcicky. Und nennt als Hauptgrund die Digitalisierung, die «ein Umdenken im Versicherungssystem» erfordere.

Schon einmal hatte eine Einzelkämpferin Erfolg

Ob sich Gaiserwalder dereinst für ein Projekt wie in Rheinau begeistern lassen, ist natürlich fraglich. Aber der Fall in Zürich zeigt, dass eine einzelne Stimme genügen kann. Die Filmemacherin Rebecca Panian suchte öffentlich eine Versuchsgemeinde und fand im Gemeinderat Rheinau einen Partner. Das Projekt wird sie in einem Film dokumentieren. Da nun auch die Bevölkerung mit im Boot ist, fehlt nur noch das nötige Geld. Dieses dürfte laut Gemeindepräsident Andreas Jenni problemlos zu beschaffen sein.

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