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Sie sucht die Haselmaus: Lisa Häfliger ist als Stadtnatur-Beobachterin in St.Gallen unterwegs.

Die Österreicherin, die seit 30 Jahren in St.Gallen wohnt, wurde schon früh zur Naturschützerin. Heute engagiert sie sich unter anderem beim WWF und beim Projekt «Stadtwildtiere».
Laura Widmer
Lisa Häfliger mit einem Spurentunnel. (Bilder: Ralph Ribi)

Lisa Häfliger mit einem Spurentunnel. (Bilder: Ralph Ribi)

Nach wenigen Schritten durch das Unterholz schiebt Lisa Häfliger den Ast eines Haselstrauchs zur Seite. Trotz der dornigen Brombeerranken am Boden trägt sie kurze Hosen. Vorsichtig hebt sie ein Holzgehäuse aus dem Gebüsch, auf dessen Boden zwei Löschblätter und in der Mitte ein Stempelkissen mit Spezialtinte angeheftet sind. Das Papier ist nach einem Regenschauer durchnässt und an den Rändern leicht angefressen, zu sehen sind feine Linien. «Leider keine Dreiecke», sagt Lisa Häfliger etwas enttäuscht. Dreieckige Pfotenabdrücke würden auf das Vorkommen der Haselmaus hinweisen. Das kleine Nagetier wurde noch nie auf St.Galler Stadtgebiet gesichtet.

Der Spurentunnel ist wenige Minuten von der Bushaltestelle Riethüsli entfernt und gehört zum Projekt Haselnussliebhaber von Stadtwildtiere. Seit 2015 führt Stadtwildtiere eine Datenbank, in der Sichtungen von Tieren erfasst werden. Bis jetzt sind über 1600 Beobachtungen eingegangen. Ob Fuchs, Igel oder Blindschleiche: Die Bandbreite der Wildtiere auf Stadtgebiet ist gross. Die gesammelten Daten bilden eine Grundlage, um Wildtiere im Siedlungsraum gezielt zu fördern.

Mit 19 Jahren Mitglied bei Greenpeace und WWF

Ausschlag für Lisa Häfligers Engagement für die Natur gab ein einschneidendes Erlebnis: Nach einer Fahrt von Österreich über den Alpenpass Brenner wurde Lisa Häfliger als 15-Jährige zur Vegetarierin. «Ein Lastwagen hatte angehalten und ich sah die Schnauzen der Schweine durch ein Gitter.» Die im Schnee bitter frierenden Tiere, die dicht an dicht in den Laster gepfercht waren, bewogen sie zum Umdenken. Von da an verzichtete Häfliger weitgehend auf Fleisch, «zum völligen Unverständnis meiner Mama». Die vegetarische Ernährung sei jedoch nie ein Verlust gewesen, sagt die 52-Jährige. «Es kann nicht jeder konsequent sein, aber auch kleine Schritte helfen.»

Die Österreicherin, die seit rund dreissig Jahren in der Stadt wohnt, wurde mit 19 Jahren Mitglied beim WWF und bei Greenpeace. «Ich wäre natürlich gerne auf der <Rainbow Warrior> dabei gewesen», sagt sie mit einem Lachen. Auf dem berühmten Regebogenschiff protestierte Greenpeace zwischen 1978 und 1985 gegen die Robbenjagd, die Atomkraft und Treibnetzfischerei.

Geld zu spenden war irgendwann nicht mehr genug. Lisa Häfliger engagierte sich stundenweise für verschiedene Projekte wie Standaktionen und Sponsorenläufe und ist seit Beginn des Projekts als Stadtnatur-Beobachterin aktiv. In den vergangenen Jahren hat sie ihr 80-Prozent-Pensum als Pflegefachfrau zugunsten ihrer freiwilligen Tätigkeit beim WWF heruntergeschraubt, «um mehr Zeit zu haben, für das, was mich wirklich interessiert». In den vergangenen zehn Jahren wurde sie Kursleiterin und vertritt den WWF auch im Organisationskomitee des St.Galler Ökomarkts.

Die Beobachtungen schärfen den Blick

Der ökologische Gedanke zieht sich durch Lisa Häfligers Alltag. Am vergangenen Wochenende hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans am Buckhorn in Arbon gezeltet, nächste Woche reisen sie mit einem befreundeten Paar nach Berlin – mit dem Zug. Verpasst habe sie nichts: «Ich war in jungen Jahren zweimal auf Weltreise.» Ein Jahr in Süd- und Mittelamerika, drei Monate in Neuseeland, ein längerer Aufenthalt in Indien. Auf Flugreisen will Lisa Häfliger in Zukunft nicht ganz verzichten. Allerdings nur, wenn mit der Reise ein längerer Aufenthalt verbunden ist.

Das Ehepaar zieht am gleichen Strick. Als sie vor rund 19 Jahren ein Haus mit Umschwung in Bruggen kauften, gestalteten sie den Garten Quadratmeter für Quadratmeter um. Aus einer Rasenfläche ist ein blühender Naturgarten geworden. «Wenn ich im Sommer aus dem Haus gehe, sehe ich fünf verschieden Arten von Schmetterlingen», sagt Häfliger mit leuchtenden Augen. Auch den seltenen Gartenrotschwanz hat sie schon zu Gesicht bekommen. Als Stadtnatur-Beobachterin ist Lisa Häfliger hauptsächlich in Bruggen unterwegs. Doch die Arbeit schärft auch ihren Blick auf andere Ecken der Stadt. «Es gibt unerwartet viele Bäume und schön begrünte Flecken», sagt sie. Obwohl sie sich auskennt, entdeckt sie immer wieder neue Orte: «Es ist eine kleine Stadtwildnis.»

www.stadtwildtiere.ch

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