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Sie sind beide nett zu ihren Gästen: Vater und Sohn in der St.Galler Gastronomie

Das «Netts» ist in St.Gallen eine Institution. Köbi Nett hat mit Sohn Oliver einen Nachfolger, der gleicht tickt wie er.
Daniel Wirth
Köbi Nett (links) und sein Sohn Oliver im «Netts». Ihr gemeinsames Credo: In kleinen Dingen gross sein. (Bild: Urs Bucher, 17. Juli 2019)

Köbi Nett (links) und sein Sohn Oliver im «Netts». Ihr gemeinsames Credo: In kleinen Dingen gross sein. (Bild: Urs Bucher, 17. Juli 2019)

Köbi Nett verrät nicht, wie alt er ist. «Über 70, das muss reichen», sagt er. Das Alter merkt man ihm nicht an. Köbi Nett ist quirlig. Er spricht schnell. Seine Augen sind wach, mustern die Details im Restaurant, in dem täglich rund 300 Essen zubereitet und serviert werden. Das «Netts» hat 14 Gault-Millau-Punkte. «Mein Anspruch sind nicht mehr möglichst viele Punkte und Sterne», sagt Köbi Nett.

«Mir sind zufriedene Gäste das Wichtigste».

Köbi Netts Vater, Jakob Nett, war Hotelier im «Pfauen» in St.Gallen. «Ich musste schon als Bub am Buffet mithelfen», erinnert sich Köbi Nett. Sein Vater habe ihn nicht gezwungen, Koch zu lernen. Das sei sein freier Entscheid gewesen. Er lernte im Hotel St.Gotthard in Zürich. Lohn erhielt er dort keinen. Im Gegenteil: Er musste für seinen Ausbildungsplatz bezahlen.

Nach der Lehre arbeitete er in verschiedenen Küchen in der Schweiz und in Frankreich, absolvierte die Hotelfachschule. Er wurde Küchenchef in Davos, leitete die Flughafen-Gastronomie in Zürich-Kloten mit rund 600 Mitarbeitenden und machte das «Top Air» zum besten Flughafen-Restaurant der Welt.

Köbi Nett erzählt das alles ohne Punkt und Komma. Aber mit viel Verve. Und nicht ohne Stolz. Er sei der erste Koch im Kanton St.Gallen gewesen, der einen Michelin-Stern erhalten habe. Und er sei im Buch «20 Schweizer Spitzenköche». Köbi Netts kulinarischer Fussabdruck ist gross. Sein Sohn Oliver füllt ihn nach und nach aus. Er hat mittlerweile die Geschäftsführung im «Netts» übernommen, einem Betrieb mit rund 40 Mitarbeitenden und einem Dutzend Lehrlingen in der Küche und im Service.

Musste er in die Gastronomie, hat sein Vater das von ihm verlangt? «Nein», sagt der 45-Jährige. «Aber er hat mir oft viele Gründe genannt, weshalb ich es tun soll». Oliver Nett spricht mit der gleichen Begeisterung von seinem Genre, der Gastronomie, wie der Vater. Nur nicht im selben hohen Tempo.

Adolf Ogi im Gästebuch: «Freude herrscht!»

Familie Nett wirtet nun seit 18 Jahren im «Netts». Das Restaurant hat sie von der Brauerei Schützengarten gepachtet. Vorige Stationen waren das legendäre «Schäggehüsli» oder das «Neubad». Die Arbeit im Gastgewerbe ist anstrengend, die Tage in der Küche und im Restaurant sind lang. Was fasziniert Vater und Sohn an ihrem Beruf?

Köbi Nett antwortet zuerst: «Gastgeber zu sein, die Gäste zu verwöhnen und nachher dafür ein Dankeschön zu bekommen». Er zeigt auf eines von vielen Gästebüchern. «Freude herrscht: Vielen Dank für die ausgezeichnete Verpflegung!» Das schrieb der damalige Bundesrat Adolf Ogi im Februar 1991 in Netts «Gästebuch».

Das Netts-Team ist wie
 eine grosse Familie

Oliver Nett sagt, das Führen eines Restaurants erfordere grosse Präsenz. Er schätze an seiner Arbeit den Umgang mit jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Der Vater pflichtet ihm bei:

«Das Arbeiten in der Gastronomie hält jung.»

Neben Köbi und Oliver Nett arbeiten auch Pia, Natascha und Roos Nett im Betrieb mit. «Ein Nett ist immer im Betrieb», sagt Oliver. Auf die Frage, ob er sich mit seinem Vater auch einmal in die Haare gerät, antwortet er: «Wir sind nicht immer gleicher Meinung, aber wir streiten uns nicht». Köbi Nett nickt das ab.

Fast-Food-Anbieter und neue Ernährungstrends erfordern von den Netts Anpassungsfähigkeit. «Wir können uns nicht zurücklehnen und uns sagen: Vegetarier und Veganer gehen uns nichts an», sagt Köbi Nett. Und der Sohn: «Wir müssen solche Trends mitmachen». Als Beispiel nennt Köbi Nett, der Gastronomen auf der ganzen Welt als Berater zur Seite steht, die Entwicklung eines Auberginen-Tatar.

Vater und Sohn Nett haben ein gemeinsames Credo: «In kleinen Dingen gross sein». Es komme auf die Details an. Köbi und Oliver Nett haben auch ein gemeinsames Hobby: Den FC St.Gallen. Dessen Heimspiele schauen sie sich zusammen an.

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind das Gleiche macht wie die Mutter oder der Vater - beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch.
Den Auftakt machen die beiden bekannten St.Galler Gastronomen Köbi und Oliver Nett.

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