Zwei St.Galler machen ihr Geschäft weltweit mit Reissverschlüssen: Die Riri-Legende lebt weiter 

Philipp und Leo Mayer haben ihr Leben dem Reissverschluss gewidmet. Sie vertreiben ihn weltweit.

Diana Hagmann-Bula
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Für Philipp (links) und Leo Mayer ist der Reissverschluss mehr als nur ein Alltagshelfer. (Bild: Michel Canonica)

Für Philipp (links) und Leo Mayer ist der Reissverschluss mehr als nur ein Alltagshelfer. (Bild: Michel Canonica)

Ein Reissverschluss schliesst und öffnet sich jahrelang, jahrzehntelang, wie selbstverständlich. Erst wenn sich seine Zähne mal nicht zusammenfügen oder er sich verbeisst, nehmen viele Menschen den Alltagshelfer bewusst wahr. Dann stehen plötzlich Männer mit Hemdzipfel im Hosenreissverschluss vor Philipp Mayer, Geschäftsführer von Riri Mayer, oder seinem Vater Leo Mayer.

«Nun auf keinen Fall reissen, auch wenn das Ding Reissverschluss heisst», empfehlen sie in diesen Momenten. Und entfernen den Schieber. Dieser lasse sich oft ersetzen und rette Reissverschluss sowie Hemd. Die St.Galler Firma, die Reissverschlüsse der Schweizer Marke Riri weltweit vertreibt, repariert auch und konfektioniert Kleinserien.

Eine Rechaudkerze kann helfen

Den Reissverschluss vor dem Waschen schliessen oder mit einer Rechaudkerze mehrmals darüberfahren, falls er nicht gut läuft: Philipp und Leo Mayer wissen, was dem Reissverschluss gut tut. Sie sehen viel mehr in ihm als einen Alltagshelfer. Wenn sie erzählen, spürt man Leidenschaft. Philipp Mayer sagt: 

«An Flohmärkten kann ich stundenlang in Kisten mit alten Modellen wühlen, um eine Rarität zu finden. Auch im Internet habe ich einige ersteigert.»

Der 45-Jährige hat schon die Lehre in dem Betrieb absolviert, der nachhaltige Schweizer Modelabels wie Ida Gut und Erfolg beliefert. Auch Weltmarken wie Louis Vuitton, Prada und Akris verwenden Riri-Reissverschlüsse. «Ich wollte hier nur ein Zwischenjahr einschalten, bin dann aber für immer geblieben», sagt Philipp Mayer. Er trat die Nachfolge seines Vaters an, der das Unternehmen in zweiter Generation führte. «Ohne Druck der Eltern. Wir kennen genug negative Beispiele», sagt Leo Mayer. In welchem Jahr erfolgte die Übergabe?

«Die Übergabe passierte fliessend. Wir müssten in den Verträgen nachschauen.»

Seither ist Philipp Mayer «der Chef», wie der 71-jährige Leo Mayer sagt. Er selber arbeitet im Hintergrund weiter, erledigt Dinge, für die im Tagesgeschäft keine Zeit bleibt. Er entwickelt etwa Maschinen, die das Konfektionieren erleichtern. «Er ist ein wertvoller Berater, redet mir aber nicht drein», sagt Philipp Mayer. Loszulassen, fiel Leo Mayer nicht schwer. «Auch weil ich nicht ganz loslassen muss. Ich brauche eine Aufgabe», sagt er.

Branche tüftelt an Öko-Reissverschluss

Wer das Geschäft an der Fürstenlandstrasse aufsucht, tritt ein in eine Welt der Farben. Von Hellrosa bis Waldgrün, von Dunkelbraun bis Violett, in jeder erdenklichen Farbe gibt es Reissverschlüsse. Modelle aus Metall und solche aus Kunststoff hängen bereit, aufgepresst, aufgespritzt, in Spiralen aufgenäht. Hier zeigt sich: Hinter dem Reissverschluss steckt viel Wissen und Handwerk.

Die Produkte der Marke Riri werden zu 98 Prozent im schweizerischen Mendrisio und italienischen Tirano hergestellt. «Im Billigmodemarkt ist der Anteil der Marke klein, im Hochpreissegment ziemlich hoch», sagt Philipp Mayer. Leo Mayer ärgert sich darüber, dass immer mehr Menschen Bio-Joghurt essen, «sich für die Nachhaltigkeit von Kleidung aber kaum interessieren – für die eines Reissverschlusses schon gar nicht». Erstmals hätten Branchenmessen das Thema diesen Herbst aufgegriffen. «Es wird über Reissverschlüsse mit Bändern aus recyceltem Polyester und Metallteilen ohne chemischen Überzug nachgedacht», sagt Philipp Mayer.

Der Vater zeigt Zähne

Überzeugt ihn privat eine Jacke, der Reissverschluss aber nicht, bleibt sie im Laden. Meistens würden die Produkte den Geist nur aufgeben, weil sie falsch verarbeitet seien. Der Hersteller hat zum Beispiel ein zu filigranes Modell für ein schweres Kleidungsstück gewählt oder zu nah an den Verschluss herangenäht. Ein Alltagsgegenstand mit Pannenpotenzial. Und viel Symbolik. Ein Reissverschluss hat Zähne und zeigt sie auch mal, wenn er seinen Dienst verweigert. «Wie ich. Ich bin der Extrovertiertere, der Direktere von uns beiden und ecke deshalb eher an», vergleicht sich Leo Mayer mit seinem Sohn.

Der Reissverschluss hält zusammen. Ein Miteinander im Team sei ihnen ebenfalls wichtig, betonen beide.

«Alle sollen Ideen einbringen können. In unserer Firma gibt es selten Wechsel.»

Ein Leben lang hat Leo Mayer mit dem Reissverschluss Geld verdient. Nun nutzt er ihn für einmal anders. Er und seine Frau feiern bald 50 Jahre Ehe. Die Einladungskarte ziert: ein Reissverschluss. Was sonst.

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch. (red)