«Sie hat den Hund nicht im Griff»: Bullterrier einer Rorschacherin attackiert mehrmals Mensch und Tier – Stadt prüft nun Massnahmen

Weil ihr Staffordshire Bullterrier mehrfach zugebissen hat, ist eine Rorschacherin in die Schlagzeilen geraten. Trotz verfügter Leinenpflicht lässt sie das Tier immer wieder frei herumlaufen. Die Stadt hat von den Vorfällen bislang nichts gewusst und prüft nun weitere Massnahmen.

Natascha Arsic
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Weil sich eine Rorschacherin nicht an die Leinenpflicht hält, kommt es immer wieder zu Hundeattacken. (Symbolbild: Urs Bosshard)

Weil sich eine Rorschacherin nicht an die Leinenpflicht hält, kommt es immer wieder zu Hundeattacken. (Symbolbild: Urs Bosshard)

Derzeit sorgen vermehrt Fälle von Hundeangriffen auf Mensch und Tier für Schlagzeilen. Erst vor zwei Wochen entschied der Stadtrat Rheineck, einen Bernhardiner einschläfern zu lassen, nachdem das Tier einer Frau schwere Beinverletzungen zugefügt hat. Der zweite Hund der Halterin soll fremdplatziert werden. Auch in Rorschach fällt eine junge Hundebesitzerin durch ähnliche Vorfälle auf.

Ein Staffordshire Bullterrier namens Djego soll im Juni eine Frau an der Seepromenade angegriffen und am linken Oberschenkel erheblich verletzt haben, wie eine Boulevardzeitung berichtet. Die 30-jährige Halterin sei erst später dazugekommen und habe keine Anstalten gemacht, die Beissattacke zu verhindern.

Ein weiterer Vorfall spielte sich im September ab. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Rorschach wenn...» erzählte die Halterin eines Pomeranian-Zwergspitz, wie ein Pitbull nach dem Nacken ihres Hundes, der sich im Garten aufhielt, schnappte. Ihre Mutter konnte den Pomeranian rechtzeitig wegziehen und den Pitbull verscheuchen. Dennoch wurde der kleine Hund am Ohr verletzt und musste operiert werden. Auch in diesem Fall liefen die Besitzerin und ihre Begleitung ohne etwas zu sagen davon. In einem späteren Post stellte die Pomeranian-Halterin richtig, dass es sich um einen American Staffordshire gehandelt habe – womöglich um Djego.

(Bild: Screenshot Facebook)

(Bild: Screenshot Facebook)

Halterin wurde schon angezeigt

Der am Montag publik gewordene Artikel entfachte die Diskussion auf Facebook erneut. Mehrere Hundehalter schildern ähnliche Begegnungen mit der 30-Jährigen und ihrem Staffordshire Bullterrier. Auch bei Spaziergängern an der Seepromenade sind die beiden bekannt. Ein Passant erzählt:

«Ich hatte schon vor fünf Jahren Probleme mit ihr, weil sie den Hund nicht im Griff hat.»

Schon damals spielten sich die Angriffe nach dem gleichen Muster ab: Frauchen liess ihren Staffordshire Bullterrier unbeaufsichtigt und reagierte nicht auf die Konfrontation. «Als Djego dann vor zwei Jahren den Hund eines Freundes verletzte, rief ich die Polizei und erstattete Anzeige», sagt der Passant. Ob die 30-Jährige je verurteilt wurde, weiss er nicht. Der Mann besitzt selbst zwei American Staffordshire Terrier, beide sind Rüden.

«Das Verhalten eines Tieres hat nichts mit der Rasse zu tun, sondern mit dem Halter oder der Halterin.»

Er ist der Meinung, dass die Rorschacherin keinen Hund besitzen dürfte und zur Rechenschaft gezogen werden muss.

Stadt wurde nicht informiert

Die Stadt hat von den Angriffen bislang nichts gewusst. «Wir haben erst durch den Zeitungsbericht davon erfahren», sagt Stadtschreiber Marcel Aeple. Nach verschiedenen Rückfragen habe ihnen das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) nun den Strafbefehl des kantonalen Untersuchungsamtes vom 29. Oktober gegen die Tierhalterin von Djego zukommen lassen. «Die Stadt Rorschach wurde auf dem Verteiler des Strafbefehls nicht aufgeführt. Zudem hat es das AVSV auch unterlassen, uns über die Vorfälle vom Juni und September zu informieren», so Aeple. Die Stadt werde jetzt ein Verfahren gegen die 30-Jährige eröffnen.

«Offensichtlich hat sie sich gegen die im März 2018 verfügte Leinenpflicht widersetzt.»

In Absprache mit dem kantonalen Veterinärdienst werden weitere Massnahmen gegen die Tierhalterin geprüft und entsprechend verfügt. Dazu gehört beispielsweise ein Hundeerziehungskurs, ein Wesenstest oder ein Halteverbot. Ab Januar 2020 fallen Abklärungen von Vorfällen mit Hunden und die Durchsetzung von Massnahmen neu in den Zuständigkeitsbereich des Kantons.