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Sie brachten nach dem letzten Umbau im Wittenbacher Zentrum Leben ins Quartier

Sie ist allergisch gegen Gluten, er gegen Mehlstaub. Das hält Helena und Edi Lazraj nicht davon ab, im Wittenbacher Zentrum eine Pizzeria zu betreiben.
Corinne Allenspach
Edi und Helena Lazraj wirten seit zehn Jahren im Wittenbacher Zentrum. (Bild: Ralph Ribi)

Edi und Helena Lazraj wirten seit zehn Jahren im Wittenbacher Zentrum. (Bild: Ralph Ribi)

Andere hätten wohl aufgegeben ob der vielen Hürden. Aber Edi und Helena Lazraj wirft so schnell nichts aus der Bahn. Nur einmal war das Weitermachen ungewiss. Als der Arzt bei Pizzaiolo Edi Lazraj eine schwere Mehlstauballergie diagnostizierte. «Wir dachten, das sei der Untergang.» Umso mehr freuen sich Lazrajs, dass sie jetzt das zehnjährige Bestehen der Pizzeria Arrabbiata im Zentrum Wittenbachs feiern können. In einer Branche, in der Beständigkeit alles andere als selbstverständlich ist. «Es ist cool, dass wir noch da sind. Anscheinend haben wir etwas richtig gemacht», sagen sie.

Edi Lazraj war erst 28, seine Frau 27, als sie sich den Traum vom eigenen Restaurant erfüllten. Er hatte zuvor neun Jahre lang bei seinem Onkel im Restaurant Espenmoos gearbeitet, sie war im Casino tätig. Als eines der ersten Geschäfte eröffneten Lazrajs ihre Pizzeria im neuen Zen­trum Wittenbachs. Und als eines der wenigen Geschäfte sind sie zehn Jahre später immer noch da. «Eigentlich wollten wir Richtung Take-away gehen», erinnern sie sich. Nur: Sie spürten rasch, dass die Wittenbacher etwas Anderes wollten, nämlich gemütlich sitzen und in Ruhe etwas essen und trinken.

Doch anfangs kamen gar nicht so viele Gäste, der Start lief harzig. Lazrajs hatten geglaubt – wie der Gemeinderat auch –, der neue Platz würde sich zu einem pulsierenden Zentrum mit vielen Festen und Publikumsverkehr entwickeln. «Aber zu Beginn lief manchmal stundenlang kein Mensch vorbei», sagt Edi Lazraj.

Glutenfreie Pizza als Marktlücke

Nach den Anfangsschwierigkeiten kam zwei Jahre nach der Eröffnung der erste Schock. Der Arzt stellte bei Helena Lazraj eine Glutenallergie fest. Für sie, die sich ein Leben ohne Pizza und Brot nicht vorstellen kann, brach eine Welt zusammen. Doch dann nutzte das Pächterpaar die Chance, die Marktlücke zu füllen. Lazrajs fingen an, selber glutenfreie Teige herzustellen. «Wir mussten lange üben», sagt Edi Lazraj. Mit Maismehl, Reismehl, Kartoffelmehl. Schmackhaften Pizzateig ohne Gluten herzustellen sei extrem schwierig. Weil der Klebstoff fehlt, ist der Teig nicht elastisch und klebt überall: an Händen, Backblech und Tischen. Das schwungvolle Kreisen in der Luft, wie es Pizzaioli gerne tun, geht ebenfalls nicht. «Der glutenfreie Teig würde in 1000 Stücke zerfallen», sagt Edi Lazraj und lacht. Heute kommen Gäste von weit her, die kein Gluten vertragen, aber gerne wieder einmal Pizza essen möchten. «Die Leute haben Freude und fühlen sich nicht ausgeschlossen», sagen Lazrajs, die für gluten- sowie laktosefreie Pizzas um Vorbestellung bitten.

Nasenbluten und entzündete Atemwege

Ein weiterer Schock folgte. Edi Lazraj musste ständig niesen, er hatte oft Nasenbluten und entzündete Atemwege. Ein Allergietest bestätigte: schwere Allergie gegen Mehlstaub. «Der Arzt sagte, ich dürfe auf keinen Fall mehr als Pizzaiolo arbeiten.» Das war die Zeit, als das Weitermachen ungewiss war. Erneut entschieden sich Lazrajs, vieles umzustellen. Edi Lazraj kümmert sich heute mehr um Service, Administration und Marketing, als Pizzaiolo arbeitet ein Mitarbeiter. Schwierig wird’s, wenn dieser frei hat. Dann versucht Edi Lazraj, der im Wandern und in der Landschaftsfotografie Ausgleich zur Arbeit findet, die Pizzas mit Atemmaske zuzubereiten. Das komme aber nicht überall gut an, erzählt er lachend. «Einige Gäste denken, ich hätte eine ansteckende Krankheit.»

Lazrajs wissen: Wer in der Gastronomie langfristig Erfolg haben möchte, muss mehr bieten als gutes Essen. Das Wirtepaar legt viel Wert aufs Persönliche und auf Abwechslung. In Wittenbach sind sie längst geschätzt und bestens integriert. Bei Privaten genauso wie bei Vereinen, Parteien und Gewerbe. Das Zehnjährige wird noch bis Ende Jahr gefeiert. Und was wünschen sich Lazrajs für die Zukunft? «Dass wir auch 2028 sagen können: ‹Cool, dass wir noch da sind.›»

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