Wie wehren sich Kinder gegen sexuelle Gewalt? Eine Ausstellung in Rorschacherberg soll dabei helfen

Die Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir» will sexuellen Übergriffen bei Kindern vorbeugen. Sie soll auch generell das Selbstwertgefühl der Primarschüler stärken.

Sina Walser
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Die Kinder sollen durch den Parcours spielerisch lernen, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. (Bild: Sina Walser, 30. Oktober 2019)

Die Kinder sollen durch den Parcours spielerisch lernen, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. (Bild: Sina Walser, 30. Oktober 2019)

Ein Knabe betrachtet an einer Informationstafel eine Skizze von einer Oma, die gerade ihren Enkel küsst. Seinem Vater erklärt er, wieso das für ihn unangenehm wäre. Vor einer anderen Tafel kniet eine Mutter und erklärt ihrem Kind, warum es wichtig ist, Nein sagen zu können. Ein Mädchen ordnet gerade einer Silhouette verschiedene Körperteile zu und entscheidet, wo sie berührt werden will und wo nicht. Sechs solcher Informationstafeln sind in der Aula des Schulhauses Klosterguet in Rorschacherbeg aufgestellt.

Die Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir» macht bis 6.November in der Region halt. Die beiden Schulleitungen von Rorschacherberg und Rorschach haben zusammen mit den Fachpersonen des Kinderschutzzentrums St.Gallen und der Fachstelle Jugend, Familie, Schule, die Ausstellung in organisiert. Diese soll Kindern durch interaktive Parcours Möglichkeiten aufzeigen, wie sexuelle Übergriffe verhindert werden können. An sechs Stationen können sich Kinder spielerisch mit wichtigen Präventionsprinzipien auseinandersetzen. «Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und die Thematik der sexuellen Übergriffe kindgerecht zu vermitteln», heisst es in einer Medienmitteilung über die Ausstellung.

Alle Rorschacher Schüler der zweiten bis vierten Klassen werden die Ausstellung mit ihren Lehrpersonen besuchen. «Beim Beginn der sexuellen Übergriffe sind die meisten Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren», sagt Anna Mähr, Fachmitarbeiterin des Kinderschutzzentrums St.Gallen.

Gutes von Schlechtem unterscheiden

Habe ich dabei ein gutes oder schlechtes Gefühl? Fühle ich mich wohl, wenn mich mein Onkel am Po berührt? Dies sind nur zwei Fragen, die sich die Kinder während des Parcours stellen sollen. Viele der Posten arbeiten mit gut und schlecht und ob man sich dabei wohl fühlt. «Solche Fragen und gedankliche Anstösse haben bereits eine grosse Wirkung auf das Kind und ihr Selbstwertgefühl», sagt Anna Mähr. Weiter habe diese Selbstwertstärkung nicht nur auf die Prävention sexueller Übergriffe einen Einfluss, sondern auch auf die Gewaltprävention und allgemein die Fähigkeit, sich zu wehren. Sie sagt:

«Wir wollen den Kindern das Thema mit Freude statt mit Schock beibringen. Viele Schüler haben die übermittelte Botschaft auch noch mehrere Monate später präsent.»

Vor der ersten öffentlichen Ausstellung am Mittwoch fanden bereits Informationen für die Eltern, Lehrpersonen und Betreuer der Ausstellung statt, mit der Absicht, alle Teilnehmenden zu sensibilisieren. Dass die Zahlen der Übergriffe so hoch seien und dass die Täter oft aus nahem Umfeld stammten, hat die Teilnehmenden überrascht. Oft seien es nur kleine Dinge, wie ein Geheimnis oder ein Geschenk, die dann den Übergriff Schritt für Schritt auslösten. Mähr sagt:

«Schweizweit ist jedes fünfte Mädchen und jeder elfte Bub Opfer von einem sexuellen Übergriff.»

Thema soll kein Tabu mehr sein

Ihr und allen Veranstaltern sei die Ausstellung sehr wichtig, sagt Claudia Widmer, Schulsozialarbeiterin am Klosterguet. «Wir wollen damit Rorschacherberg und Rorschach auf die Thematik aufmerksam machen. Es soll kein Tabuthema mehr sein», sagt sie. Als Schulsozialarbeiterin habe sie eine Vermutung auf sexuelle Übergriffe bei gewissen Kindern auch schon äussern müssen, ein spezifischer Fall sei ihr aber nicht bekannt. Auch Rorschachs Schulratspräsident Guido Etterlin ist der Meinung, dass es für alle Kinder eine Chance ist, an der Ausstellung teilzunehmen. «Ich bin stolz darauf, dass die Schulen von Rorschach und Rorschacherberg es geschafft haben, die Ausstellung hierher zu bringen», sagt er.