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Sensationsfund in Rorschach: SBB-Doppelspur verzögert sich weiter

Der Ausbau der Doppelspur in Rorschach dürfte nicht so schnell erfolgen. Unter der Bahnstrecke wird ein Keltengrab vermutet. Kantonsarchäologe Peter M. Schindler spricht bereits von einem «Sensationsfund».
Richard Lehner
An dieser Stelle, auf der Höhe des ehemaligen Restaurants St. Gallerhof in Rorschach, weisen geologische Messungen auf eine keltische Siedlung hin. (Bild: Rudolf Hirtl)

An dieser Stelle, auf der Höhe des ehemaligen Restaurants St. Gallerhof in Rorschach, weisen geologische Messungen auf eine keltische Siedlung hin. (Bild: Rudolf Hirtl)

Abklärungen haben einen Fund zutage gefördert, der Rorschach wohl über längere Zeit in den Schlagzeilen halten wird: Auf der Höhe des ehemaligen Restaurants St. Gallerhof an der Eisenbahnstrasse wird in zehn Metern Tiefe ein Keltengrab vermutet. Kantonsarchäologe Peter M. Schindler gibt sich noch zurückhaltend, spricht aber doch bereits von einem möglichen «Sensationsfund».

Der abtretende Stadtpräsident Thomas Müller, der den jüngst im Ständerat gefällten Entscheid für den Ausbau der SBB-Doppelspur im Bahnausbauschritt 2035 nicht nur kritisierte, sondern gar im Nationalrat bekämpfen möchte, dürfte dank der Kelten seiner Pension etwas ruhiger entgegen schauen können. Sollten weitere Untersuchungen das vermutete Keltengrab tatsächlich zu Tage fördern, müssten nicht nur Teile der Geschichte der Stadt Rorschach und seiner Besiedelung neu geschrieben werden, sondern auch die Schliessung einer der letzten Lücken im SBB-Netz wäre vom Tisch.

Keltenforscher aus Österreich trifft heute ein

Stadtpräsident Müller stellte aber auf Anfrage des «Tagblatts »klar, dass die Bauarbeiten rund um den Stadtbahnhof von den Abklärungen an der Eisenbahnstrasse nicht betroffen seien. «An der Fundstelle ist eine Verschiebung der Bahnstrasse räumlich nicht möglich. Solle es sich tatsächlich um eine ganze Siedlung keine schriftlichen Aufzeichnungen für die Nachwelt hinterlassen haben. Aus kultischen Gründen vertrauten sie nur der mündlichen Überlieferung, so dass den Geschichtsforschern und Archäologen nichts anderes übrig bleibt, als Ausgrabungen nach bestem Wissen zu deuten und historische Quellen anderer Völker auszuwerten, die weniger schreibfaul waren.

Aus diesem Grund holt sich die Kantonsarchäologie St. Gallen Hilfe aus Österreich. Der bekannte Keltenforscher Otto Helmut Urban von der Universität Wien wird heute in Rorschach erwartet und trifft sich mit Vertretern des Kantons, der Stadt Rorschach und der SBB. Professor Urban ist Spezialist für Keltische Archäologie, Befestigungsarchitektur und Urbanisierung in Mittel- und Westeuropa. Mit seinem Team ist er seit 1995 an den Ausgrabungen in Frankreich in den Befestigungswerken von Bibracte auf dem Mont Beuvray und dem Mont Lassois, dem Fürstinnensitz von Vix, tätig.

Einschätzung über mögliche Fundstücke

Der St. Galler Kantonsarchäologe Peter M. Schindler erhofft sich von Urban «einen fundierten Überblick über das Gelände und Hintergrundinformationen zu möglichen Fundstücken, die uns erwarten könnten.» Schindler verweist dabei auf den legendären Keltenschatz von Erstfeld. Der 1962 entdeckte keltische Goldschatz von Erstfeld zählt zu den bedeutendsten archäolo­gischen Entdeckungen der Schweiz. Die sieben Ringe der Zeit um 300 v. Chr. sind von der Ikonografie her gut erforscht, noch immer geben aber der Fundort und die Fundlage Rätsel auf. Der Goldschatz von Erstfeld ist im Landesmuseum in Zürich zu bestaunen.

Durch archäologische Funde bzw. Ausgrabungen der jüngeren Zeit fanden Teile des keltischen Erbes einen Weg zurück ins ­Bewusstsein der modernen Schweiz. Zu den berühmtesten Ausgrabungen gehören die von La Tène am Neuenburgersee, die im Jahr 1857 begannen. Rund 2500 Fundstücke wurden dabei aus dem Wasser und der Erde ans Tageslicht geholt: hölzerne und eiserne Waffen, Werkzeuge, Arbeitsgeräte, Geschirr, Schmuck und Münzen.

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