Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Seniorin aus Muolen bringt Flüchtlingen Deutsch bei - mit viel jugendlichem Schwung

Claire Erne hat schon viel erlebt und bewegt. Die aktive Seniorin leitet einen Deutschkurs für Fremdsprachige. Sie ist zudem im Leitungsteam der Parkinson-Selbsthilfegruppe in St.Gallen aktiv.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Claire Erne erklärt einer Schülerin die Deutsch-Hausaufgaben. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Claire Erne erklärt einer Schülerin die Deutsch-Hausaufgaben. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Lauter fröhliche Gesichter sind zu sehen: Fünf Schülerinnen und zwei Schüler tanzen im Halbkreis zu Schweizer Volksmusik. Die jungen Leute besuchen die «Quartierschule» im Vereinslokal in Muolen. Dort werden sie von Claire Erne in deutscher Sprache unterrichtet. Obwohl die Teilnehmer hier mit deutschen Namen gerufen werden, sind es keine Einheimischen. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge.

«Den Schülern werden vorübergehend im Kurs deutschsprachige Namen zugeteilt, um ihren Neustart zu betonen», erzählt die ehrenamtliche Kursleiterin Claire Erne aus Muolen. Unterstützt wird sie an diesem Vormittag von zwei weiteren freiwilligen Helferinnen. Claire Erne gibt Anweisungen. Die Schüler zählen immer wieder von eins bis acht zum Takt der Musik.

«In diesem Deutschkurs vermitteln wir Grundlagen für den Alltag.»

Mit ihrer dynamischen Art, ihrem jugendlichen Schwung und bewundernswertem Elan versteht es die bald 80-jährige Seniorin aus Muolen, die Kursteilnehmer zu begeistern. Ihre Fröhlichkeit wirkt ansteckend. Im Deutschkurs wird nicht nur viel gelernt, zwischendurch darf auch gelacht werden. Denn manchmal werden Wörter falsch ausgesprochen oder bekommen eine völlig andere Bedeutung. Disziplin sei aber äusserst wichtig. So gehöre unter anderem die Schweizer Pünktlichkeit zu einer erfolgreichen beruflichen Integration, führt Claire Erne aus.

Ein Angebot für alle fremdsprachigen Zuzüger

Doch nicht nur Flüchtlinge können den Deutschkurs besuchen, auch aus anderen Gründen Zugewanderte sind willkommen. Allan Ingerslev aus Dänemark wohnt seit zwei Monaten in Muolen und besucht ebenfalls die Quartierschule. Aus beruflichen Gründen sei er in die Schweiz gezogen. In gebrochenem Deutsch sagt der Däne: «Der Schulunterricht gefällt mir sehr gut.»

In der verdienten Pause gibt es Kuchen, den eine Kursteilnehmerin gebacken hat. Anschliessend erklärt Erne verschiedene Begriffe rund um das Thema Küche. Denn eine Schülerin hat kürzlich die B-Bewilligung vom Migrationsamt in St.Gallen erhalten und nun eine Praktikumsstelle als Küchenhilfe in einem Altersheim bekommen. Nicht nur die Einwanderin ist glücklich darüber, sondern auch Claire Erne. Es mache ihr viel Freude, die jungen Leute auf dem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten. Langfristig sei dies ihr persönlicher Beitrag, um diese Menschen vor der Sozialhilfe zu bewahren.

Immer aktiv am Dorfleben beteiligt

«Ich darf auf ein wirklich spannendes Leben zurückblicken», erzählt die zweifache Mutter und dreifache Grossmutter zufrieden. Die gelernte Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin war viele Jahre als Bezirksschulrätin tätig. Zudem hat sie lange Zeit bei der Raiffeisenbank in Muolen gearbeitet und dabei ihren Ehemann Martin unterstützt, der dort Bankleiter war. Erne hat vor bald 40 Jahren mit Hans Dähler den Dorf-Turnverein ins Leben gerufen und unter anderem als Samariter- sowie Turngruppen-Leiterin gewirkt. In der Seniorenturngruppe mache sie noch immer mit:

«Ich geniesse die Gemeinschaft und bin sehr dankbar, dass mein Körper noch mitmacht.»

Claire Erne ist aber auch von schweren Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben. In frühester Kindheit hat sie drei Geschwister verloren und sich später bis zu dessen Tod um ihren behinderten Bruder gekümmert. Zudem hat die Muolerin während fast 30 Jahre ihren inzwischen verstorbenen Ehemann Martin, der an Parkinson erkrankt war, betreut.

"Prix Sana" für grosses Parkinson-Engagement

Für ihre Leistungen wurde Claire Erne vor vier Jahren mit dem Gesundheitspreis "Prix Sana" geehrt. Erne hat vor 16 Jahren zusammen mit dem Neurologen Hans-Peter Ludin die Parkinson-Selbsthilfegruppe St.Gallen gegründet; die Seniorin ist heute noch im Leitungsteam tätig. «Parkinson hat mich geschult. Die chronische Erkrankung meines Mannes hat mich gelehrt, Probleme ehrlich anzuschauen und Lösungen zu suchen, um meine Energie nicht unnötig zu verschwenden», blickt sie zurück. Dabei sei sie auch gelassener geworden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.