St.Galler Senioren auf Bänkli-Mission

Eine Gruppe von Pensionären hat es geschafft, den altersgerechten Umbau von Sitzgelegenheiten im Heiligkreuz zu veranlassen. Auch in anderen Quartieren spannen Senioren zusammen, um ihre Anliegen durchzusetzen.

Seraina Hess
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Beim Bänkli an der Haltestelle Heiligkreuzstrasse, direkt vor dem Restaurant Ilge, gab es im Sommer noch eine Erhöhung. Sie kam älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuss sind, in die Quere. Inzwischen wurde der Absatz abgetragen. (Bild: pd)

Beim Bänkli an der Haltestelle Heiligkreuzstrasse, direkt vor dem Restaurant Ilge, gab es im Sommer noch eine Erhöhung. Sie kam älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuss sind, in die Quere. Inzwischen wurde der Absatz abgetragen. (Bild: pd)

Eine Frau mit Rollator steht an der Bushaltestelle vor dem Restaurant Ilge. Das Bänkli unter der Anzeigetafel ist zwar frei, doch hinsetzen kann sich die Dame nicht. Weil die Bank auf einer Erhöhung steht, ist es unmöglich, mit dem Rollator nahe genug an die Sitzfläche zu fahren. Solche Situationen gab es bis vor kurzem oft im Heiligkreuzquartier. Ohne, dass es jemand bemerkt hätte, der sich nicht in der gleichen Situation befindet und den Absatz stattdessen leichtfüssig passiert.

Das Bänkli bei der "Ilge", nachdem die Erhöhung abgetragen wurde. (Bild: pd)

Das Bänkli bei der "Ilge", nachdem die Erhöhung abgetragen wurde. (Bild: pd)

Acht von zehn Menschen Ü80 leben in Privathaushalten

Um quartierspezifische Anliegen älterer Menschen aufzunehmen, hat Pro Senectute St.Gallen 2010 begonnen, Stadtteile mit dort wohnhaften Senioren zu erkunden. Ein Hilfsmittel dazu sind Besuche mit dem Quartierbus der Organisation. «Sozialraumorientierte Altersarbeit» nennt Pro Senectute dieses Vorgehen im Fachjargon. Sie soll diejenigen Lebensbereiche im Quartier in den Mittelpunkt rücken, die für die selbstständige Alltagsbewältigung wichtig sind oder den ältesten Bewohnern schlicht ein angenehmeres Leben bereiten. Die Arbeit beziehe sich auf das nahe Wohnumfeld, das im Alter an Bedeutung gewinne, heisst es bei Pro Senectute. Denn inzwischen leben acht von zehn Menschen über 80 Jahren in einem Privathaushalt.

Ein paar Frauen begaben sich auf Bänkli-Pirsch

Durch den Einsatz der Organisation für Altersfragen haben sich in den Quartieren Gruppen gebildet, die sich nun mit etwas Hilfe selbst um ihre Anliegen kümmern. So auch die Interessengruppe (IG) Alter Heiligkreuz, bestehend aus 19 Personen, die sich alle sechs bis acht Wochen treffen. In den Gesprächen hat sich schnell herausgestellt, was der älteren Generation das Quartierleben erschwert. «Menschen, die nicht mehr Auto fahren und zu Fuss unterwegs sind, brauchen auf ihrem Weg zur Post, Migros oder Drogerie Sitzgelegenheiten zum Ausruhen», sagt Sandra Stark, Sozialarbeiterin bei Pro Senectute St. Gallen. Genau diese fehlten im Heiligkreuz aber, so der Eindruck der Senioren.

Sandra Stark, Sozialarbeiterin bei Pro Senectute St.Gallen.

Sandra Stark, Sozialarbeiterin bei Pro Senectute St.Gallen.

Um sich ein Bild der Situation zu machen, sind ein paar Frauen der IG losgezogen und haben das gesamte Quartier auf Sitzgelegenheiten untersucht. Die Bank vor der «Ilge» war nicht die einzige Raststation, die sich als verbesserungswürdig herausgestellt hat. Ein Hindernis in Form eines Absatzes gab es auch bei der Rundbank um den Baum an der Endhaltestelle Heiligkreuz. An vielen Orten fehlten Arm- oder Rückenlehnen, an anderen gibt es gar kein Bänkli, wo eines angezeigt wäre – etwa an der Bushaltestelle Iddastrasse, stadteinwärts. Das Tiefbauamt und Stadtgrün haben bereits reagiert und mehrere Massnahmen umgesetzt, auch beim Bänkli vor der «Ilge»: Die Erhöhung wurde abgetragen.

Boule im Park, Kaffee am Sonntag

Gruppen wie jene im Heiligkreuz gibt es in weiteren St. Galler Quartieren. Mit anderen Projekten, die sie verfolgen oder bereits umgesetzt haben. Die IG St. Gallen Südost wollte am Sonntagnachmittag ein Café im Kirchgemeindehaus Grossacker. Das «Suntigs-Kafi» findet nun alle zwei Wochen statt und geniesst regen Zulauf. Gelungen ist es der IG ausserdem, beim Bau des neuen Blutspendezentrums zu verhindern, dass die Bepflanzung auf dem Vorplatz verschwindet. Sandra Stark begründet die damalige Petition:

«Für ältere Menschen hat ein kleiner Fleck Natur in der Stadt eine ganz andere Bedeutung als für Leute, die mit dem Auto rasch ins Grüne fahren können.»

Die jüngste Seniorengruppe stammt aus dem Lachen-Quartier. Ähnlich wie beim «Suntigs-Kafi» steht das Zusammenleben im Fokus. So wurde diesen Sommer im Krüger-Pärkli Boule gespielt – gemäss Sandra Stark eine unkomplizierte Art, sich im Quartier zu begegnen.

Thema greift auf andere Quartiere über

Die Mission der barrierefreien Bänkli verfolgt Pro Senectute seit den Erfolgen im Heiligkreuz quartierübergreifend. Die Organisation hat ihr Anliegen schon bei der Stadt platziert – und erntete Zuspruch. Der Stadtrat hat entschieden, bei der Anschaffung neuer Röhrenbänke nach Möglichkeit auf altersgerechte Konstruktion zu achten. Sie sollen mit höheren Sitzflächen sowie Arm- und Rückenlehnen ausgestattet sein.