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Selbstversuch: Das passiert, wenn man untrainiert an einen Triathlon geht

An einem Triathlon kann man viel falsch machen, wenn man keine Ahnung hat. Tagblatt-Redaktor Martin Rechsteiner hat das am Tristar in Rorschach am eigenen Leib erfahren. Doch nebst Schweiss, Ärger und Krämpfen erlebte er auch schöne Momente.
Martin Rechsteiner
Geschafft, aber glücklich: Nach etwas mehr als drei Stunden hat der Reporter Martin Rechsteiner das Ziel erreicht. (Bild: Rossella Blattmann)

Geschafft, aber glücklich: Nach etwas mehr als drei Stunden hat der Reporter Martin Rechsteiner das Ziel erreicht. (Bild: Rossella Blattmann)

500 Meter Schwimmen, 50 Kilometer Velofahren über 1000 Höhenmeter und 5 Kilometer Laufen. Wer recht bei Sinnen ist und nicht gerade eine Wette verloren hat, tut sich das ohne Training wohl kaum an. Doch genau das habe ich vor. Ich habe mich für den Rorschacher Tristar angemeldet – der erste Triathlon meines Lebens. Das Ziel ist keine gute Zeit. Ich will ihn einfach ohne Besenwagen schaffen.

Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich dieses Jahr Schwimmen, Joggen oder Velofahren war. Auf einem Rennvelo bin ich in meinem ganzen Leben noch nie gesessen, geschweige denn habe ich eins. Christof Bischof von Bischi Bikes in Rorschach leiht mir eines. «Karbonrahmen, elektronische Schaltung, Preis: 6500 Franken», sagt er. Ich bete leise, dass dem Stück beim Wettkampf nichts zustösst.

Was ich für den Wettkampf jedoch nicht auftreibe oder schlichtweg vergesse sind Dinge wie Schwimmbrille, Neoprenanzug oder Velohose. Dass ich letztere nicht habe, wird sich später noch rächen. Aber alles der Reihe nach

Auf keinen Fall einen Kirchengänger anfahren

Der Tristar beginnt schon am Tag zuvor, dem Samstag. Die Athleten müssen sich registrieren und das Velo abgeben. Zudem gibt es ein Briefing. Dort erklären die Verantwortlichen die Regeln und Details zum Rennverlauf und sie weisen auf Gefahren hin. So werden alle gebeten, in Rehetobel keine Kirchengänger anzufahren – die Strecke führt direkt neben dem Gotteshaus vorbei.

Nach dem Briefing gibt es einen Teller Pasta. Das nennt sich Carb Loading – Energie tanken für den nächsten Tag. Beim Essen treffe ich Stefan, einen aufgestellten Berner. Er ist um die dreissig, braungebrannt und tätowiert. Stefans Sommer sind vollgestopft mit Wettkämpfen. Er schwimmt, läuft und radelt fast jedes Wochenende irgendwo gegen die Zeit. Als er von meinen Plänen hört, aus Reportagegründen einfach einmal mitzumachen, lacht er laut heraus. «Du bisch mr ja e glatte Cheib.» Er spricht mir aber Mut zu. Unsere Wege trennen sich, wir beide brauchen Ruhe. Morgen ist ein grosser Tag.

Ferien-Badehose statt Neopren

Am Sonntag geht es um 9.30 Uhr los. Zuerst ist Schwimmen an der Reihe. In meiner rot-weiss gestreiften Badehose stehe ich am Startpunkt beim Würth Haus. Aus der Masse von Neoprenanzugträgern und Menschen mit Wettkampf-Schwimmkleidung steche ich heraus wie ein bunter Hund. Einer der Teilnehmer nennt mich einen «Pläuschler» und lacht. Ich setze wie vorgeschrieben eine Badekappe auf – das erste Mal in meinem Leben. Sie ist unbequem und spannt um den Kopf. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass ich ziemlich bescheuert aussehe. Das laute Lachen meiner Fotografin an der Absperrung nehme ich als Bestätigung wahr.

Ausstieg aus dem Wasser: Die nicht ganz wettkampf-konforme Schwimmkleidung sorgt für Heiterkeit. (Bild: Rossella Blattmann)

Ausstieg aus dem Wasser: Die nicht ganz wettkampf-konforme Schwimmkleidung sorgt für Heiterkeit. (Bild: Rossella Blattmann)

Es geht los ins Wasser. Dann ein Knall und alle beginnen wie wild zu kraulen. Ich bin für einen Moment etwas überfordert aber beginne ebenfalls mit dem Schwimmen. Doch da bin ich bereits der Hinterste der rund 150 Teilnehmer. Mein Schwimmstil, eine Mischung aus Kraulen, Brust und Hundeschwumm, sorgt dafür, dass das auch so bleibt. Bei den Letzten zu sein ist aber gar nicht so schlimm, finde ich. So kriege ich wenigstens keine Arme und Beine ins Gesicht. Es gibt aber auch Nachteile. So muss ich zum Beispiel drauf vertrauen, dass alle vor mir ihr «Aufregungs-Pipi» ebenfalls brav an Land gemacht haben. Zusehends beginnt mir die rote Badekappe vom Kopf zu rutschen und ich sehe damit aus wie Papa Schlumpf. Immer wieder muss ich anhalten und sie wieder nach unten ziehen. Lästig. Nach geschaffter Strecke bin ich ausser Atem. Wenigstens werde ich jetzt die blöde Badekappe los.

Motivation und Zucker sind down

Ab aufs Velo! In der Velo-Zone rufe ich die Schiedsrichter auf den Plan, weil ich zweimal (unwissentlich) zu früh auf meinen Renner steigen will. Bis zur roten Linie auf der Strasse muss ich schieben. Ach so. Dort angekommen schwinge ich mich auf den Sattel. Bis nach Rheineck läuft alles rund. Doch dann kommt der Anstieg. Er trifft mich wie ein Hammer. Ich weiss nicht, was mehr brennt: Meine Beine oder die Julisonne am fast wolkenlosen Himmel. In Lutzenberg bereue ich es das erste Mal so richtig, dass ich mich angemeldet habe, in Walzenhausen denke ich ans Aufgeben. Und als wäre ich moralisch nicht so schon fast am Boden, düst ein Mann auf einem E-Bike an mir vorbei. Wie gemein!

"Erst bei der roten Linie aufsteigen!", ruft die Schiedsrichterin. (Bild: Rossella Blattmann)

"Erst bei der roten Linie aufsteigen!", ruft die Schiedsrichterin. (Bild: Rossella Blattmann)

Doch auf den Balkonen und an der Strasse sitzen Leute, die uns Athleten anfeuern. Das ist ein echt tolles Gefühl und wohl meine Rettung. Ich beisse durch. Und dann: Auf einmal geht die Strecke abwärts. Meine Waden jubeln. Doch das währt nicht lange. Sogleich folgt der steile Anstieg nach Oberegg. Dennoch habe ich wieder Kraft geschöpft, meistere diesen ohne grosse Zwischenfälle. Ausser, dass der Sattel ohne gepolsterte Velohose doch langsam schmerzt. Ich muss immer wieder aufstehen.

Ab Oberegg geht die Strecke abwärts. Und gleich geht es auch meinem Blutzuckerspiegel. Hätte ich nur noch mehr Power-Gel mitgenommen. In Rorschacherberg, kurz vor dem Ziel, bin ich drauf und dran, vor Hunger vom Velo zu kippen. Es ist gerade Mittagszeit. Grillgeruch weht aus den Vorgärten über die Strasse. Ich versuche, bei der Sache zu bleiben und schnell voran zu kommen. Zum Glück geht es jetzt nur noch abwärts nach Rorschach – dort steht der nächste Verpflegungsposten.

Jetzt geht nur noch Humpeln

Jetzt die Laufstrecke. Und wieder sorge ich bei den Schiedsrichtern in der Velo-Box für Unmut: Ich lasse den Helm versehentlich beim Velo - ein Regelverstoss. Erst als ich ihn geholt und bei der Umkleide deponiert habe, darf ich auf die Laufstrecke. Fünf Kilometer trennen mich vom Ziel. Der Lauf ist die Disziplin, die mir jetzt noch so richtig den Rest gibt. Krämpfe lassen meine Beine versteifen, sobald sie bei einem Schritt einigermassen ausgestreckt sind. Mehr als ein schnelles Humpeln kann ich meinem Körper kaum mehr abringen.

Doch es klappt, ich schaffe es ins Ziel – ein grossartiges Gefühl. Sofort falle ich über den Verpflegungsstand her. Stefan, der Berner, kommt kurz nach mir an – er hat die doppelte Distanz gemacht. Glücklich fallen wir uns in die Arme. Ein anderer Teilnehmer spricht mich lachend an: «Hey, dich habe ich gesehen, du bist der Typ mit den Laufschuhen auf dem Velo.» Ja, ich hatte keine Klickschuhe. Meine nicht vorhandene Ausrüstung sorgt bis zum Schluss für Heiterkeit.

Ich muss sagen: Die wunderbare Aussicht auf der Velostrecke, die gute Organisation des Anlasses und die gute Stimmung unter den Athleten haben die Strapazen wettgemacht. Und natürlich bin ich ein wenig stolz, dass ich es durchgestanden habe. Und das trotz Krämpfen an Orten, an denen ich bis jetzt keine Muskeln vermutet habe. Den Wettkampf habe ich übrigens auf dem letzten Platz beendet, wie ich später erfahre. Mit «Pläuschler» hatte der Mann am Anfang wohl recht.

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