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Nach fast 50 Jahren an der St.Galler Neugasse hört Schuhhändlerin Elisabeth Berger auf

Elisabeth Berger wusste schon früh, dass sie lange arbeiten möchte. 77-jährig gibt sie jetzt ihr Lebenswerk in neue Hände. Ihre Erinnerungen aus 47 Jahren im Edel-Schuhgeschäft ergäben Stoff für ein Buch.
Corinne Allenspach
Elisabeth Berger in ihrem Schuhgeschäft an der Neugasse. (Bild: Ralph Ribi)

Elisabeth Berger in ihrem Schuhgeschäft an der Neugasse. (Bild: Ralph Ribi)

Bisher hat Elisabeth Berger immer lieber vorwärts geschaut. Aber jetzt kehren sie nach und nach zurück: die Erinnerungen an die vielen Familiengeschichten, die sie miterlebt hat, aber auch an kuriose Begebenheiten. Etwa an jenem Tag, als ein Kunde seine Mappe im Laden liegen lassen hatte. «Der Mann kommt sicher bald zurück», habe sie sich gedacht.

Aber er kam nicht und so wagte Elisabeth Berger einen Blick in die Mappe, in der Hoffnung, eine Telefonnummer zu finden. Soweit kam sie aber nicht. «Ich habe nur wahnsinnig viel Geld gesehen», sagt sie und muss lachen, wenn sie daran denkt. 40000 Franken waren es, hat sie später erfahren. Der Mann kam schliesslich doch noch – und bedankte sich mit 200 Franken Trinkgeld.

Durchgestylt vom Scheitel bis zur Sohle

Elisabeth Berger sitzt in ihrem Schuhhaus an der Neugasse 5. Die schwarz-weiss gemusterte Bluse, die schwarzen Schuhe von Sergio Rossi, die frisch toupierte Frisur, der dezente Ohrschmuck, die goldigen Fingerringe: alles wie aus dem Trückli. Anders als durchgestylt vom Scheitel bis zur Schuhsohle geht Elisabeth Berger nicht aus dem Haus. Schliesslich ist ihr Name eine Marke – und er bürgt für Qualität.

47 Jahre lang ist sie im Laden an der Neugasse 5 ein- und ausgegangen. Seit 1971 war sie Filialleiterin, damals noch bei Löw. Seit 1989 führt sie ihr eigenes Geschäft mit trendigen Edel-Schuhen, Taschen und Accessoires von Prada, Sergio Rossi, Tod’s oder Hogan. Dabei wusste Elisabeth Berger schon früh, dass sie gern über das Pensionsalter hinaus arbeiten würde. «Bei der Geschäftsübernahme habe ich gesagt, jetzt kann ich endlich so lang arbeiten, wie ich will.»

Noch diesen Juni reiste sie wie gewohnt nach Mailand, Düsseldorf und München, um die neusten Kollektionen einzukaufen. Zurück in St. Gallen beschloss sie, jetzt, mit 77 Jahren, langsam ans Aufhören zu denken. Danach ging alles schnell. Nach einem Gespräch mit Erich Weber sei klar gewesen, dass die Mode Weber AG den Laden übernehmen werde. «Ich habe nie gedacht, dass es so gut rauskommt. Rückblickend gesehen klebte ich zu lange auf meinem Sessel.» Am 31. Dezember wird ihr letzter Arbeitstag sein, die Mitarbeiterinnen werden von Mode Weber übernommen. Ab 23. Oktober findet im ersten Stock des Finn­shop ein Lagerverkauf statt. Je länger das Gespräch dauert, desto deutlicher wird: Elisabeth Berger liebt nicht nur ihren Beruf, edle Schuhe und Taschen, sondern auch die Menschen.

Dass sich ihr Geschäft seit Jahrzehnten behaupten könne, liege vermutlich an der Beratung, sagt sie: «Gute Beratung ist das A und O.» Das mag stimmen. Genauso entscheidend ist sicherlich auch ihre Gabe, überall das Positive zu sehen, statt zu jammern. Und ihre offene, neugierige Art mit echtem Interesse am Gegenüber. Lieferanten, Kunden, Personal – mit allen pflegt sie langjährige Beziehungen. Auch wenn das nicht immer einfach war.

Dazu fällt ihr eine Geschichte ein zu Prada. In einer alten Villa in Mailand wurde Elisabeth Berger gefragt, was sie trinken wolle: Wasser ohne Kohlensäure. «Das war zum Glück die richtige Antwort», sagt sie und lacht. Die Empfangsdame habe nur gemeint: «Heute trinken nur noch Banausen Wasser mit Kohlensäure.» Später folgte ein regelrechtes «Verhör» rund ums Schuhgeschäft. Auch das meisterte die St. Gallerin. «Jedenfalls hat man mir später mitgeteilt, ich dürfe gnädigst Prada kaufen.» Damit sei sie der erste Laden gewesen, der nebst Taschen auch Schuhe von Prada verkaufte, sagt Elisabeth Berger. Einkaufen bei Prada sei all die Jahre «sehr speziell» geblieben.

Einbrecher beweisen guten Geschmack

Auch Prominente gehörten zur Kundschaft und sogar Fürsten. «Ein Riesending» war, als Opernsängerin Cecilia Bartoli bei ihr einkaufte. Selbstredend, dass Elisabeth Berger als grosser Klassikfan um ein Autogramm bat. Ganz «spezielle Kunden» kamen in einer Aprilnacht 2011. Einbrecher stahlen 1600 Paar Schuhe und Handtaschen für mehrere 100000 Franken. Im ersten Moment ein Schock, im Nachhinein überwiegt auch hier das Positive. «Es tat gut, zu spüren, wie viele Leute hinter mir standen.»

Mit dem gleichen Elan, wie sie gearbeitet hat, geht Elisabeth Berger in Pension. Konkrete Pläne hat sie keine, aber Ideen. Richtig italienisch lernen, «über das Schuh-Italienisch hinaus», würde sie gerne. Und dann habe sie längst noch nicht alle Opernhäuser Europas besucht.

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