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Gossauer Auswanderer: Sein Geld wächst auf den Bäumen

Ramon Wyssen besitzt eine Teak-Plantage in Costa Rica. Daneben arbeitet der Allrounder aus Gossau als Baggerfahrer, Spediteur oder Möbelschreiner. Es ist diese Freiheit, die ihm an seinem Leben in der Fremde am besten gefällt.
Johannes Wey
Ramon Wyssen mit seinem Forstschlepper und einem «exzellenten, 13-jährigen Teak-Baum». (Bild: PD)

Ramon Wyssen mit seinem Forstschlepper und einem «exzellenten, 13-jährigen Teak-Baum». (Bild: PD)

Ramon Wyssen lebt abgelegen. Auf einem Stück Land ausserhalb des kleinen Städtchens La Cruz mit gut 10000 Einwohnern. Ganz im Norden Costa Ricas, nur wenige Kilometer von der nicaraguanischen Grenze entfernt. Und trotzdem lebt er gewissermassen am Puls Mittelamerikas: Die Panamericana, die legendäre Strasse, die Nord- und Südamerika wie eine Aorta miteinander verbindet, führt direkt an seinem Grundstück vorbei.

Wyssen brauchte seine Zeit, bis er seinen Platz im Leben gefunden hat. Von Gossau ausgewandert ist der heute 36-Jährige vor 15 Jahren. Ursprünglich wollte er eigentlich das Baugeschäft seiner Eltern übernehmen und hatte eine Maurerlehre und die Berufsmittelschule abgeschlossen. Doch als es in der Polierschule zu wenige Plätze gab, entschied er sich, nach Costa Rica zu gehen, wo er auch schon auf Reisen gewesen war. Der Frust über die aufgeschobene Ausbildung habe beim Entschluss auch eine Rolle gespielt.

Gossauer wohnt in Costa Rica bei Andwilern

Eine baldige Rückkehr in die Schweiz war damals gut denkbar: «Ich sagte mir immer, dass ich mindestens ein Jahr bleibe und dann sehe, was daraus wird.» Sich einzuleben fiel im leicht, schliesslich stammten seine Gastgeber aus der Heimat. «Ich arbeitete für Kost und Logis bei Guido und Agi Sutter aus Andwil. Ihre Finca Cabanãs Cañas Castilla ist vielen Ostschweizer Costa-Rica-Reisenden ein Begriff.» Und nach anderthalb Jahren, in denen er auf der Finca erledigt hatte, was gerade angefallen war, schickte das Schicksal einen besonderen Gast. «Bei uns hatte sich eine Schweizer Biologin einquartiert, die sich ein Schweizer Projekt ansehen wollte. Ich begleitete sie dort hin.» Die beiden besuchten grosse Teak-Plantagen. «Nach diesem Besuch wusste ich, was ich machen will.»

Mit seinen Ersparnissen und der Unterstützung seiner Familie kaufte er sich 50 Hektaren Land, um darauf selber Teak anzupflanzen. «Ich kam im richtigen Moment. Costa Rica wurde kurz darauf sehr beliebt bei Ausländern. Der Landpreis explodierte», sagt Wyssen – bis die Immobilienblase 2008 platzte. Trotzdem hat sein Land heute noch den fünf- bis sechsfachen Wert von dem, was er 2004 bezahlt hatte.

Teak braucht viel Geduld, die sich auszahlt

Mit Holz hatte sich Wyssen schon während der Lehrzeit etwas dazuverdient. «Ich fällte an Wochenenden auf Auftragsbasis Bäume und transportierte das Holz ab.» Alles andere, was er sich an Wissen für die eigene Plantage aneignen musste, schaute er sich beim Schweizer Grossunternehmen ab, dessen Anbaufläche sich in den letzten Jahren auf rund 15000 Hektaren verdoppelt hat. «Heute habe ich dort gute Freunde», sagt Wyssen. Innert dreier Jahre bepflanzte er 37 Hektaren seines Weide- und Buschlands mit dem Tropenholz. Und dann war erst einmal Warten angesagt. «Teak ist eine langfristige Investition.» Der Wert der Bäume steige mit dem Alter und dem Durchmesser. Die ältesten Bäume bringen den besten Preis. Grosse Unternehmen roden ihre Plantagen so früh als möglich, um sie neu zu bepflanzen. Wyssen geht mit seinem Einmannbetrieb anders vor. Zu Beginn lichtete er seine Plantage alle vier bis fünf Jahre aus, um den verbleibenden Bäumen beste Bedingungen zu bieten. Händler aus Indien kaufen ihm grössere Ladungen ab und transportieren sie in ihr Heimatland. Wyssens Plantage wird also nicht gerodet, sie wird nur lichter. «Die Bäume, die bis zum Ende stehen bleiben, sind meine AHV.» Denn alte, dicke Teak-Stämme sind eine Rarität, Grossunternehmen können nicht über 20 Jahre auf den Erlös warten. Ältere, bis zu 100 Jahre alte Bäume, gebe es praktisch nur noch aus illegaler Rodung in Ländern wie Myanmar. «Mit den älteren Bäumen hoffe ich, mir einst eine Nische schaffen zu können, und vielleicht kleine Chargen ohne Zwischenhändler zu exportieren.»

Nur einer von einem Dutzend Berufen

Wyssens Bäume wachsen von selbst, viel helfen kann er ihnen dabei nicht. So gibt es viele Phasen, in denen er sich anders beschäftigten muss. «Ich habe ein Dutzend verschiedene Berufe.» Schon früh habe er in den USA einen Lastwagen gekauft und sei damit nach Costa Rica gefahren – «abenteuerlich!». Damit erledigte er Transporte, manchmal auch für den befreundeten Schweizer Teak-Produzenten. Später kamen ein Tieflader und ein Bagger dazu. Heute macht Wyssen auch Tiefbauarbeiten oder stellt Möbel her. Bei Bedarf repariert er Autos, Kettensägen und andere Geräte. Auch seine Finca hat er selber gebaut. «Du kannst dir hier vieles gut genug beibringen, um damit Geld zu verdienen. Ich mache immer, was gerade Saison hat.» Das sei auch das, was ihm in Costa Rica am besten gefalle, auch wenn er in der Schweiz wohl ein regelmässigeres und höheres Einkommen hätte. «Meine Arbeit ist unglaublich vielfältig. Und ich kann mir die Zeit frei einteilen.»

Nicht die Schweiz Lateinamerikas

Die Costa Ricaner bezeichnen ihr Land gerne als die Schweiz Lateinamerikas. «Damit müssen sie wohl die schöne Natur meinen. Die Mentalität ist nämlich komplett anders», sagt Wyssen. Trotzdem hat er in seiner neuen Heimat eine Partnerin und viele Freunde gefunden, die meisten davon einheimische. Bei einem von ihnen habe er sich das WM-Spiel der Schweiz gegen Costa Rica angeschaut. Im Gegensatz zu den meisten «Ticos» sei er kein fanatischer Fussballfan. «Trotzdem war es ein tolles Spiel. Für beide Mannschaften galt es nicht mehr ernst und das 2:2 war ein schönes Resultat.»

Die Schweiz besuche er alle vier bis fünf Jahre. «Ich wäre gerne öfter dort. Aber ich muss immer jemanden finden, der auf mein Grundstück aufpasst, und die Reise ist teuer.» Allerdings bekommt er jährlich Besuch von seinen Eltern und alle zwei Jahre vom jüngsten Bruder unter seinen drei Geschwistern. Und ein weiterer Bruder hat eine Costa Ricanerin kennengelernt und sucht nun zumindest für eine Weile eine Stelle im Land. «Er wird aber in der Hauptstadt wohnen, 250 Kilometer von mir entfernt.» Die Schweiz gefalle ihm noch immer sehr gut. Mit seinem neuen Leben ist Wyssen trotzdem vollauf zufrieden, besonders mit Blick auf die Entwicklung im Baugewerbe. «Wenn ich Kollegen von früher treffe, sagen sie mir alle, dass ich den richtigen Schritt gemacht habe.»

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