«Bedauerlich und nicht gewollt»: Scientology relativiert Kritik am Judenvergleich in St.Gallen

Die Scientology zeigte am Samstag während der Standaktion in der St.Galler Altstadt ein geschmackloses Schild. Jetzt wehrt sich die Sekte.

David Gadze
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Die «Freien Anti-Scientology Aktivisten» warnten am Samstag Passanten in der St.Galler Neugasse vor Scientology, die dort einen Stand hatte. (Bild: Michel Canonica - 9. November 2019)

Die «Freien Anti-Scientology Aktivisten» warnten am Samstag Passanten in der St.Galler Neugasse vor Scientology, die dort einen Stand hatte. (Bild: Michel Canonica - 9. November 2019)

Der Konflikt zwischen der Scientology und der Gegenbewegung «Freie Anti-SC-Aktivisten» (Fasa) hat am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht: Ein Mitarbeiter der Scientology, die am Samstag in der Neugasse in St.Gallen einen Stand hatte, hielt ein Schild mit der Aufschrift «Achtung!!! Kauft nicht bei Juden – Version 2019?» in die Höhe. Damit spielte er auf den Aufruf der Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren an, jüdische Läden zu boykottieren. Und zog damit eine Parallele zur Gegenaktion der beiden Fasa-Köpfe Yolanda Sandoval Künzi und Beat Künzi. Sie warnen überall in der Schweiz bei Standaktionen der Scientology Passanten vor der Sekte, die sich selbst als Glaubensgemeinschaft bezeichnet.

Am Samstag taten sie das mit Schildern, auf denen «Scientology zerstört Familien und Menschen» und «Achtung vor Dianetik = Scientology-Sekte» zu lesen war.

«Eine Reaktion auf die Hetze aus diesen Kreisen»

Jetzt meldet sich die Scientology zu Wort: «Hier wird mit zwei Ellen gemessen», sagt Jürg Stettler, Präsident der Scientology Zürich. Die Schilder, welche die Aktivisten der Fasa hochhielten, seien oft schlicht verleumderisch. Die Medien kritisierten dies jedoch nicht.

Jürg Stettler, Präsident von Scientology Zürich (Bild: PD)

Jürg Stettler, Präsident von Scientology Zürich (Bild: PD)

«Selbstverständlich bestand und besteht keine Absicht, die Gräueltaten der Nazis mit diesen Fanatikern in Verbindung zu bringen, sondern ein Beispiel aus den frühen dreissiger Jahren aufzugreifen», fährt Stettler fort. Das Schild sei zudem mit einem Fragezeichen versehen gewesen. Wenn dies jemandem in den falschen Hals geraten sei, so sei das «sicher bedauerlich und nicht gewollt». Seitens Scientology bestehe entsprechend auch nicht die Absicht, diese Kontroverse auf diese Art weiter zu thematisieren.

Es sei aber vielleicht auch eine Reaktion auf die «Hetze aus diesen Kreisen» gewesen, sagt Stettler. Damit meine er insbesondere die «Gewaltfreie Aktion gegen Scientology» (Gags), mit denen die Fasa eng verbunden gewesen seien und noch vor kurzem gemeinsam Stände der Scientology belagert hätten. So verlange die Gags, die Yolanda Sandoval und Beat Künzi inzwischen verlassen haben, ein «scientologyfreies Basel» und verbrenne öffentlich ein Dianetik-Buch, sagt Stettler. Auch die Gags bedienten sich also an Symbolen der Nationalsozialisten. Ihre Exponenten seien wiederholt verurteilt worden. Auch dies werde nicht thematisiert. «Es ist auch in meinem Interesse, dass die Diskussion um Scientology differenziert geführt wird», sagt Stettler. «Was leider mit diesen Aktivisten nicht möglich ist.»

Staatsanwaltschaft wartet den Polizeibericht ab

Ob das Schild der Scientology gegen die Rassismusstrafnorm verstösst, wird die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen untersuchen. Sie warte den polizeilichen Rapport betreffend der Vorkommnisse vom vergangenen Samstag ab, heisst es auf Anfrage. Dann werde sie aufgrund der polizeilichen Sachverhaltsabklärungen eruieren, ob das Halten des Schildes «Achtung!!! Kauft nicht bei Juden – Version 2019?» aufgrund der gesamten Umstände den objektiven und subjektiven Tatbestand der Rassendiskriminierung erfülle.