Der steinige Weg zur Integration: «Schweizer wie du und ich»

In Rorschach haben fünf Experten über Vielfältigkeit und Herausforderung bei der Integration diskutiert.

Ines Biedenkapp
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Anton Ziltener, Abraham Legese, Rana Al Khozoz, Ariane Thür Wenger, Felix Baumgartner und Pius Helfenstein diskutieren zusammen über die Vielfältigkeit von Migration. (Bild: Ines Biedenkapp)

Anton Ziltener, Abraham Legese, Rana Al Khozoz, Ariane Thür Wenger, Felix Baumgartner und Pius Helfenstein diskutieren zusammen über die Vielfältigkeit von Migration. (Bild: Ines Biedenkapp)

Der Saal des evangelischen Kirchgemeindezentrums in Rorschach füllt sich. Die rund 80 Besucher wollen zur Podiumsdiskussion «der steinige Weg der Integration». Eingeladen hat die Initiativgruppe Begegnung und Dialog Region Rorschach in Zusammenarbeit mit der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rorschach.

Verschiedene Nationalitäten unterschiedlicher Altersgruppen nehmen auf den Stühlen platz. Mit einem Grusswort von Silvia Maag, Leiterin Regionale Fachstelle Integration bei Arge Integration Ostschweiz, und einem Lied des Chors ohne Grenzen aus Arbon beginnt der Abend.

Sprachkurse helfen beim Ankommen in der Schweiz

Moderator Pius Helfenstein ermutigt das Publikum, an der Diskussion teilzunehmen und Fragen an Ariane Thür Wenger, Rorschachs Stadträtin für Soziales, Felix Baumgartner, Integrationsbeauftragter der Stadt Wil, Toni Ziltener, Leiter des Arbeitsintegrationsprojektes Lern Etwas, Rana Al Khozoz, einst Flüchtling aus Syrien und heute Verdi-Dolmetscherin, sowie Abraham Legese, einem Eritrea der an dem Integrationsprojekt Lern Etwas teilnimmt, zu stellen. Das wird jedoch wenig wahrgenommen.

Anfangs dreht sich das Gespräch darum, was Integration bedeutet und wie sie vonseiten der Flüchtlinge wahrgenommen wird. Rana Al Khozoz lebt seit fünfeinhalb Jahren in der Region. Ihr hätten vor allem die Sprachkurse von Rorschacherberg geholfen, hier anzukommen.

Wartet seit vier Jahren auf Bescheid

Anders sieht es bei Abraham Legese aus, der seit vier Jahren auf einen Aufenthaltsbescheid wartet. Seine Frau und seine Kinder haben ihren positiven Bescheid bereits erhalten. Er selbst wurde in Italien registriert, was die Eingliederung in die Schweiz erschwert. Ariane Thür Wenger sagt: 

«Integration ist die Aufgabe aller.»

Es sei nicht so, dass Flüchtlinge einen Weg zu gehen hätten, und man hier in der Schweiz im besten Fall Steine aus dem Weg räumen müsse. «Wir können auch von Migranten lernen», stimmt Felix Baumgartner zu. «Aber wir müssen sie auch einbinden.»

Integration braucht Offenheit auf beiden Seiten

Auch sei Integration nicht neu, sondern schon lange da, gibt Wenger an. «Zu meiner Generation waren es die Italiener, die nach Rorschach kamen», sagt Ziltener. «Heute sind es Schweizer wie du und ich.» Bei der Integration würde auch die Schweizer Mentalität helfen, ist sich Wenger sicher.

«Die Schweiz ist eine Willensnation. Nicht weil wir gleich sind, sondern weil wir zusammen gehören wollen», sagt sie.

Das zeigen auch die vielen Angebote wie das Schreibbüro oder das Integrationscafé in Rorschach.

Einig waren sich die Redner darin, dass es bei der Integration vor allem um die Diskussion der Werte gehe. «Welche sind verhandelbar und welche nicht?», fragt Baumgartner in die Runde und das Publikum nickt. Grundwerte seien es nicht, Spielregeln hingegen schon.

Der Chor ohne Grenzen aus Arbon ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration. (Bild: Ines Biedenkapp)

Der Chor ohne Grenzen aus Arbon ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration. (Bild: Ines Biedenkapp)

Es braucht Offenheit auf beiden Seiten

Auf der Bühne ist man sich einig, dass es für eine erfolgreiche Integration Offenheit auf beiden Seiten brauche. «Wir sollten Schubladen weglassen und die Qualität von Integration anerkennen», wünscht sich Baumgartner.

«Wir könnten uns viele Flugmeilen sparen.»

Dann singt der Chor ohne Grenzen nochmals ein Lied, bevor es für alle an einen libanesischen Apéro geht.