Schweissperlen um die St.Galler Weiere-Sauna: Ein Kritiker macht wegen der Finanzierung Dampf

Mit der Weiere-Sauna werde viel Geld in den Sand gesetzt, warnt ein Kritiker. Die Initianten sehen das anders.

Christina Weder
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Die Stadt saniert das historische Frauenbad. Der Einbau der Sauna erfolgt erst im Herbst durch eine private Trägerschaft.

Die Stadt saniert das historische Frauenbad. Der Einbau der Sauna erfolgt erst im Herbst durch eine private Trägerschaft.

Bild: Benjamin Manser

Bis zur Eröffnung der Weiere-Sauna in der Frauenbadi dauert es noch knapp zehn Monate. Das Projekt scheint auf gutem Weg: Vor kurzem haben die Initianten die Baubewilligung erhalten und das noch fehlende Geld für den Einbau der Sauna per Crowd­funding gesammelt. Dabei ist das Finanzierungsziel von 100'000 Franken um 17'000 Franken übertroffen worden. Die Weiere-Sauna geniesst viel Sympathie.

Doch nun äussert sich ein Leserbriefschreiber in dieser Zeitung kritisch. Zwar ist auch er von der Idee einer Sauna an einem so «traumhaft schönen Ort» durchaus angetan. Sie verleitet ihn zum Träumen. Die Bilder, die er sich in seinem Kopf mache, seien an- und aufregend. Man bekomme Lust hinzugehen, schreibt er. Doch dann setzt er seinen Träumereien ein abruptes Ende.

Denn für ihn steht schon jetzt fest: Mit dem Projekt werde «viel Geld in den Sand gesetzt». Eine solche Sauna könne niemals selbsttragend sein. Jede Stunde, die sie in Betrieb sei, koste Geld. Der Verfasser des Leserbriefs kritisiert, dass erst jetzt über ein Betriebskonzept nachgedacht werde. Ein solches hätte längst aufzeigen müssen, dass das Projekt ohne grosszügigen Sponsor zum Scheitern verurteilt sei.

Er spinnt seinen Gedanken weiter: Gut möglich, dass die Sauna dereinst der Stadt «geschenkt» werde, damit diese für die Unkosten aufkomme. Deshalb rät er: «Hände weg von diesem Projekt!»

Kopfschütteln bei den Initianten

Barbara Ochsner, Präsidentin der Genossenschaft Weiere-Sauna, ist erstaunt über die Kritik. «Wir denken nicht ans Scheitern», sagt sie auf Anfrage. Natürlich handle es sich bei der Weiere-Sauna um einen neuen Betrieb und damit um ein unternehmerisches Wagnis. Aber:

«Wir haben die betrieblichen Aufwände und Erträge genau kalkuliert und sind positiv eingestellt.»

Der Leserbrief hat bei ihr Kopfschütteln ausgelöst. Er sei ohne Kenntnis der Fakten verfasst worden. Denn gemäss Ochsner haben sich die Initianten der Sauna keineswegs blauäugig ans Projekt gemacht. Sie hätten sich von Anfang an bezüglich der Machbarkeit beraten lassen. Zudem verfügten sie über Vergleichszahlen der Sauna des Zürcher Seebads Enge, mit deren Leitung sie in engem Kontakt stünden. Die Sauna Enge sei ein Beispiel dafür, dass eine Sauna am Weiher selbsttragend betrieben werden könne.

Für die St.Galler Sauna liegt seit 2017 auch ein Betriebskonzept samt Planerfolgsrechnung vor. Dieses war laut Ochsner unverzichtbar für die Teilnahme am Jubiläumswettbewerb der St.Galler Kantonalbank, für das städtische Darlehen, für den Erhalt der Baubewilligung und schliesslich auch für die mittlerweile 208 Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Nun geht’s an die Detailplanung

Es liegt wohl ein Missverständnis vor, dass der Leserbriefschreiber zum Schluss kam, es gebe noch kein Betriebskonzept. In seinem Leserbrief bezog er sich auf einen Tagblatt-Artikel vom 5. Februar. Barbara Ochsner wird darin mit den Worten zitiert: «Momentan arbeiten wir das Betriebskonzept aus.» Ihre Aussage habe sich auf die Planung der betrieblichen Details und Abläufe bezogen, die derzeit vorangetrieben würden, erklärt sie. Aufgrund des fortgeschrittenen Projektstandes beschäftigt sich der Vorstand der Genossenschaft Weiere-Sauna zur Zeit mit Themen wie dem Gastrokonzept, der EDV und der Personalstrategie.

Barbara Ochsner ist guter Dinge, dass das Projekt im historischen Badehaus an diesem schönen Ort zum Laufen kommt. Bis es so weit ist, dauert es noch eine Weile. Zurzeit saniert die Stadt das Fundament des Frauenbads. Nach dem Ende der diesjährigen Badesaison soll dann der Einbau der Sauna erfolgen. Die Eröffnung ist noch vor Weihnachten geplant.

Endspurt in der Frauenbadi

In der Frauenbadi auf Dreilinden laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Unabhängig vom Einbau der Sauna saniert die Stadt den maroden Unterbau der historischen Frauenbadhütte. Dafür musste der Weiher im Herbst geleert werden. Der Zeitplan ist sportlich. Ein früher Kälteeinbruch im November habe die Arbeiten erschwert, sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Hinzu kam unerwartet viel Schlamm, der rund um das Fundament entfernt werden musste. Es werde deshalb knapp, sagt er: «Aber wir sind guter Dinge, dass wir die Frauenbadi pünktlich zur Badesaison öffnen können.» Rechsteiner geht davon aus, dass sich der Weiher bis dahin füllt. Seit Ende Dezember ist der Schieber wieder geschlossen, doch der Wasserstand steigt auf Grund der niederschlagsarmen Witterung bis jetzt nur langsam. Das Holzwerk ruht noch auf einer temporären Tragkonstruktion. Die permanenten Träger werden derzeit fertig saniert. Darauf wird eine Stahlkonstruktion erstellt, auf der schliesslich der Holzbau zu stehen kommt. Ein Grossteil der bisherigen Holzroste muss ersetzt werden. (cw)

Sauna in der St.Galler Frauenbadi wird konkret: Einweihung ist erst Ende 2020

Die Pläne und das Betriebskonzept für die Sauna in der St.Galler Frauenbadi werden in den kommenden Wochen und Monaten konkretisiert. Das Baugesuch soll bis Sommer zum Einreichen bereit sein. Weil die Stadt die Frauenbadhütte am Chrüzweier noch sanieren muss, verschiebt sich die Eröffnung allerdings auf Ende 2020.
Reto Voneschen