Eine Kampfwahl ohne Wahlkampf: Zwei Frauen wollen in den Berger Schulrat

In Berg kandidieren mit Andrea Meier und Kathrin Waldvogel-Zürcher gleich zwei Kandidatinnen für den frei werdenden Sitz im Schulrat.

Perrine Woodtli
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In Berg wird derzeit das Primarschulhaus Brühl erweitert und saniert. (Bild: Lisa Jenny (25. September 2019))

In Berg wird derzeit das Primarschulhaus Brühl erweitert und saniert. (Bild: Lisa Jenny (25. September 2019))

In diesen Tagen trudeln die Wahlunterlagen in den Haushalten ein. In Berg wählen die Bewohner am 20. Oktober eine neue Schulrätin. Die Ersatzwahl ist nötig, weil Marietta Ochsner zurücktritt. Während es in manchen Gemeinden schwierig ist, überhaupt jemanden für solche Ämter zu finden, kommt es in Berg zu einer Kampfwahl: Andrea Meier und Kathrin Waldvogel-Zürcher kandidieren für den frei werdenden Sitz.

Die zwei Frauen haben einiges gemeinsam. Sie sind in Berg aufgewachsen, sogar an derselben Strasse, parteilos, fast gleich alt – Andrea Meier ist 39 Jahre alt, Kathrin Waldvogel 38 – und kommen aus dem Bildungsbereich. Während Andrea Meier als Schulleiterin tätig ist, unterrichtet Kathrin Waldvogel an der Maitlisek in Gossau.

Fest verwurzelt im Dorf dank der Kinder

Obwohl beide in Berg aufgewachsen sind, haben sowohl Andrea Meier als auch Kathrin Waldvogel das 850-Seelen-Dorf für einige Jahre verlassen. Kathrin Waldvogel absolvierte nach der Matura das Sekundarlehrerstudium an der Universität Fribourg. Seit 13 Jahren unterrichtet sie an der Maitlisek mehrere Fremdsprachen.

Vor drei Jahren zog sie mit ihrem Mann und den Kindern von St.Gallen zurück nach Berg. «Ich erlebte eine unbeschwerte Kindheit hier und möchte es auch meinen Kindern ermöglichen, in dieser ländlichen Umgebung aufzuwachsen», sagt die dreifache Mutter.

Kathrin Waldvogel-Zürcher (Bild: PD)

Kathrin Waldvogel-Zürcher (Bild: PD)

Kathrin Waldvogel wurde von der Schulratspräsidentin angefragt, ob sie kandidieren möchte. «Ich musste nicht lange überlegen. Als Mutter von schulpflichtigen Kindern erlebe ich die Primarschule Berg als lebendige, gut strukturierte Schule. Diese würde ich gerne mitgestalten», sagt sie.

«Mich reizt dieses Amt. Deshalb möchte ich diese Chance nutzen.»

An der Maitlisek hatte sie während einiger Jahre das Amt der Lehrervertretung inne. «Ich nahm an den Schulratssitzungen teil, um die Interessen der Lehrerschaft zu vertreten», sagt Waldvogel. Dort erhielt sie einen vertieften Einblick in die Tätigkeiten eines Schulrats. «Ich fände es spannend, nebst der Tätigkeit als Lehrerin auch auf strategischer Ebene mitwirken zu können.» Es sei eine Herausforderung und sie bringe durch ihren pädagogischen Hintergrund die nötigen Voraussetzungen mit.

Die 38-Jährige sieht in ihrer Verwurzelung in Berg einen Vorteil. «Durch die Kinder bin ich mittendrin und wir nehmen aktiv am Dorfgeschehen teil.» Es liege aber an den Bürgern, wen sie im Schulrat sehen. «Ich finde es auf jeden Fall gut, dass sie eine Auswahl haben.»

«Ich bin frech, sie wirkt überlegt»

Dass sie eine Konkurrentin hat, findet auch Andrea Meier positiv. Als sie sah, wer diese ist, musste sie schmunzeln. «Kathrin ging eine Klasse unter mir zur Schule.» Trotz der Parallelen seien sie unterschiedlich, sagt Meier. «Ich bin frech, direkt und spreche frei von der Leber weg.» Ihre Konkurrentin wirke in ihren Augen überlegt – was sie positiv finde.

Andrea Meier (Bild: PD)

Andrea Meier (Bild: PD)

Wie Waldvogel ist aber auch Meier überzeugt, dass sie das nötige Know-how mitbringt für den Schulrat. Nach dem Lehrerseminar in Rorschach unterrichtete sie neun Jahre lang als Primarlehrerin in Amriswil und am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen. Nach einem Zwischenjahr landete sie in Kreuzlingen an der Nationalen Elitesportschule Thurgau in der Administration. Vor drei Jahren begann sie zudem ein Betriebswirtschaftsstudium, das sie nächste Woche nun abschliesst.

Keine Flyer, Schöggeli und Wahlslogans

Vor bald zwei Jahren wurde die 39-Jährige angefragt, ob sie den Talent-Campus in Winterthur aufbauen will. Sie wollte. Im Sommer 2018 startete die private Kunst- und Sportschule unter Meiers Leitung. Nach Berg zog es sie vor zwei Jahren, als eine Wohnung frei wurde im Haus ihres Bruders, dem Berger Gemeinderat Cyrill Meier. «Ich lebe gerne in Berg, habe mich aber noch nicht hier engagiert», sagt Andrea Meier.

Das will sie ändern. Sie wisse, wie eine Schule aufgebaut werde, wie sie funktioniere, wie man sie leite und habe unterrichtet.

«Es wäre doch blöd, dieses Know-how nicht weiterzugeben.»

Als sie das Inserat im Blättli sah, dachte sie: «Wieso nicht?» Dass sie anders als Kathrin Waldvogel keine Familienfrau ist, sieht sie nicht als Nachteil. «Ich wäre nur Schulrätin und nicht zusätzlich Mami und somit unbelastet.» Ihre Mitstreiterin bekomme zwar die Stimmung im Dorf besser mit. «Doch gerade Eltern können einen beeinflussen.»

Der Wahl sehen beide Frauen gelassen entgegen. «Ich verteile keine Flyer und Schöggeli», sagt Kathrin Waldvogel. Sie lasse es auf sich zukommen. Gleicher Meinung ist Andrea Meier. Auch sie hat nicht vor, um Stimmen zu weibeln. «Ich freue mich, wenn es klappt. Wenn nicht, sollte es nicht so sein.» Sie plane keinen Wahlkampf. «Ich habe auch keinen Wahlslogan.»