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St.Galler Oberstufenschüler speisen bald im Restaurant

Ab Sommer müssen alle städtischen Oberstufen ihren Schülerinnen und Schülern einen Mittagstisch anbieten. Da es den Schulen an geeigneten Räumen fehlt, weichen sie teils auf externe Standorte aus – auch auf ein Restaurant und eine zugemietete Wohnung.
Seraina Hess
Oberstufenschülerinnen und -schüler aus dem Bürgli-Schulhaus während ihrer Mittagspause. (Bild: Hanspeter Schiess)

Oberstufenschülerinnen und -schüler aus dem Bürgli-Schulhaus während ihrer Mittagspause. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hier gibt es einen frisch gekochten Zmittag, dort nur ein Mikrowellengerät fürs mitgebrachte Tupperware-Geschirr. Noch gestalten sind die Mittagstischangebote an den St.Galler Oberstufen alles andere als einheitlich. Das soll sich aber bald ändern. Ab August 2019 investiert die Stadt jährlich 530000 Franken in ein neues Angebot,

das auch den älteren Schülerinnen und Schülern ein betreutes Mittagessen gewährleistet. Über die Neuausrichtung hat das Stadtparlament im Mai entschieden – nach langer Kontroverse über die Notwendigkeit des Mittagsangebotes für Jugendliche.

Inzwischen steht das Konzept. Die Schüler der Oberstufen Centrum, West und Ost aus insgesamt sechs Schulhäusern bekommen ab Sommer fünf Mittagstischstandorte. Diese befinden sich auch, aber nicht nur in den städtischen Schulhäusern.

Restaurant öffnet exklusiv für Schüler

So müssen Schüler der Oberstufe West aus den Schulhäusern Engelwies und Schönau in die Eissporthalle Lerchenfeld gehen, wenn sie einen frisch zubereiteten Zmittag für 7.50 Franken essen wollen. Gekocht und gespeist wird im Restaurant im Obergeschoss, das der Oberstufe wochentags über Mittag exklusiv zur Verfügung steht. Die Schule hat einen Koch eingestellt, der einzig für das Essen der Jugendlichen zuständig ist. Der Mittagstisch in der Eissporthalle sei kein Provisorium, sagt Marlis Angehrn, Leiterin Schule und Musik der Stadt St.Gallen:

«Erst wenn im Laufe der Zeit die räumliche Kapazität aufgrund der Nachfrage knapp würde, suchten wir für eines der beiden Oberstufenschulhäuser im Westen nach einer neuen Lösung.»

Im Schulhaus Bürgli wird das Mittagessen seit Jahren im Bürgliclub in einer nahe gelegenen Wohnung aufgetischt. Dieses Angebot bleibt auch nach der Umsetzung des neuen Konzepts bestehen. Das Schulhaus Blumenau nutzt ab Sommer die Räume im vierten Stockwerk des Schulgebäudes Blumenau/Talhof, wo sich zwei Wohnungen befinden. Das Schulhaus Buchental verpflegt die Jugendlichen in einem Raum über der Turnhalle Krontal; das Schulhaus Zil integriert den Mittagstisch beim Umbau in die Schulanlage.

«An allen Standorten werden die Mahlzeiten frisch zubereitet, wobei die Jugendlichen ihren Lunch auch mitbringen dürfen», erklärt Angehrn. An jedem Mittagstisch soll eine Fachperson die jugendlichen Gäste betreuen. Je nach Anzahl Teilnehmer wird diese Person durch Betreuungsassistenzen unterstützt. Geplant ist auch, auf freiwilliger Basis ältere Oberstufenschülerinnen und -schüler, die selbst den Mittagstisch besuchen, in dieser Funktion einzusetzen. Die Auswahl und Einführung interessierter Schüler findet nach dem Betriebsstart statt. Der gesamte Personalbedarf an den Mittagstischen ist abhängig von der Anzahl der teilnehmenden Jugendlichen und wird jeweils nach Anmeldeschluss Mitte Juni definitiv festgelegt.

Linke und Bürgerliche sind zufrieden

Mit dieser Umsetzung des Mittagstisches sind sowohl die Bürgerlichen als auch die Linke zufrieden. Stadtparlamentarierin Gabriela Eberhard (SP) machte sich schon in der Parlamentssitzung im Mai für die Einführung des Mittagstisches an der Oberstufe stark. Als Lehrerin treffe sie immer wieder auf Jugendliche, die über Mittag alleine daheim seien oder überhaupt nicht nach Hause gehen könnten. «Ein Mittagstisch gewährleistet, dass diese Schülerinnen und Schüler gesundes Essen bekommen, soziale Kontakte pflegen und ihre Mittagszeit nicht auf der Strasse oder in einem Einkaufzentrum verbringen müssen. Das ist auch für berufstätige Eltern ein beruhigendes Gefühl.»

Im Bürgliclub essen Schüler, die über Mittag allein zu Hause wären - aber nicht nur. Für manche lohnt sich der Heimweg nicht, andere geniessen schlicht die Gesellschaft Gleichaltriger. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Bürgliclub essen Schüler, die über Mittag allein zu Hause wären - aber nicht nur. Für manche lohnt sich der Heimweg nicht, andere geniessen schlicht die Gesellschaft Gleichaltriger. (Bild: Hanspeter Schiess)

Weil Schulküchen meist durch den Hauswirtschaftsunterricht belegt seien und Platz nur durch bauliche Massnahmen geschaffen werden könnte, findet Eberhard die Lösung mit teilweise externen Standorten in Gehdistanz «sehr zufriedenstellend». Auch Karl Schimke (FDP), Mitglied der Bildungskommission des Stadtparlaments, spricht von einer «pragmatischen Lösung», obschon seine Fraktion von einer Mittagsbetreuung für Oberstufenschüler abgesehen hätte.

«Ein Ort für mitgebrachtes Essen mit einer Bezugsperson hätte uns genügt, schliesslich gehören Freiräume zum Erwachsenwerden.»

Der Stadtrat rechnet damit, dass zu Beginn zwei von zehn Oberstufenschülern den neuen Mittagstisch nutzen werden. Bei der heutigen Schülerzahl entspräche das knapp 250 Jugendlichen. Längerfristig soll sich die Zahl auf 30 Prozent erhöhen. Die Werbetrommel werden die Oberstufenschulen aber erst nach den Frühlingsferien rühren. Dann wird auch das Anmeldeformular auf der Website der Tagesbetreuung aufgeschaltet.

Kartoffelgratin und Bratwurst: Son Le kocht immer montags in der Wohnung an der Notkerstrasse. (Bild: Hanspeter Schiess)

Kartoffelgratin und Bratwurst: Son Le kocht immer montags in der Wohnung an der Notkerstrasse. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für manche lohnt sich der Heimweg kaum

Während die Mittagsbetreuung an der Primarschule seit 2008 flächendeckend angeboten wird, sind in den sechs städtischen Oberstufenschulhäusern bisher unterschiedliche Lösungen entstanden. Eine davon ist der Bürgliclub: Ein Mittagstisch, der in einer alten Liegenschaft neben dem Bürgli-Schulhaus Oberstufenschülern von der ersten bis dritten Klasse offen steht. An den Tischen im Speisesaal sitzen am Montagmittag 27 Jugendliche. Eine Zahl, die von Tag zu Tag nur leicht schwanke, sagt Son Le. Der 31-Jährige bekocht im Teilpensum die Buben und Mädchen, die ihr Essen an der Durchreiche selber fassen: Salat, Kartoffelgratin und Bratwurst-Rädli. Inklusive Aufenthalt kostet das Angebot 7.50 Franken pro Mittag und damit gleich viel wie jenes, das im Sommer an allen städtischen Oberstufen eingeführt wird.

Nach gut 20 Minuten am Tisch verschwinden die ersten Schüler wieder. Entweder in einen der Räume in der Wohnung, in denen es Tische für Hausaufgaben, Sofas zum Ausruhen oder Töggeli-Kästen, einen Billard- und Ping-Pong-Tisch zum Zeitvertreib gibt. Oder die Jugendlichen eilen zurück ins Klassenzimmer, da der Unterricht für viele schon um 12.45 Uhr beginnt. Wer eine Extra-Bewilligung der Eltern mitbringt – etwa für einen Bibliotheksbesuch – darf den Bürgliclub früher verlassen. Anderen ist das untersagt.

Die knapp bemessene Mittagszeit ist für manche Schüler auch der Grund, weshalb sie das Angebot des Bürgliclubs nutzen. Einer von ihnen ist Silas. Obschon er über Mittag nicht allein daheim wäre, lohnt sich der Weg ins Riethüsli kaum. Der Zwölfjährige besucht den Mittagstisch deshalb dreimal pro Woche.

Andjela, ebenfalls Erstklässlerin, ist am Mittag jeweils auf sich gestellt. Zwar komme sie gut damit zurecht, zu Hause Resten vom Vortag aufzuwärmen. Ihre Eltern hätten sie aber dazu überredet, wenigstens einmal pro Woche den Bürgliclub zu besuchen. Das Essen schmecke (fast) immer, sagt die 13-Jährige – und ihr gefalle, Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen. Im nächsten Semester, wenn auch ihr Stundenplan nur eine knappe Stunde Mittag vorsieht, wird sie mehrmals pro Woche hier essen.
Noch wird am Mittag nicht überall frisch für Oberstufenschüler gekocht. In der Blumenau steht den Jugendlichen ein Raum offen, in dem es Mikrowellengeräte, Geschirr und Besteck, einen Kühlschrank und einen Geschirrspüler gibt. Mitarbeitende des Hauswarteteams beaufsichtigen die Jugendlichen. Vergleichbare Angebote gibt es auch in den anderen Oberstufenschulhäusern, allerdings nicht überall unter Beaufsichtigung.

Mit der Vereinheitlichung wird sich das ändern. Von der Neuerung ausgenommen ist die Katholische Kantonssekundarschule Flade, obschon sie eine Vereinbarung mit der Stadt abgeschlossen hat und im nächsten Schuljahr bis zu 30 Prozent der städtischen Jugendlichen unterrichten wird. Die Schule bietet bereits heute einen betreuten Mittagstisch mit einem Menü für zehn Franken oder einer Mikrowelle zum Aufwärmen mitgebrachter Mahlzeiten an. (seh)

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