Schule platzt aus allen Nähten: Rorschacherberg verzeichnet Rekorde bei zugezogenen Schülerinnen und Schülern

In Rorschacherberg stellen Neuzuzüger die Schulen und Kindergärten vor Herausforderungen. Gefragt sind Provisorien und Erweiterungsbauten.

Jolanda Riedener
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Die Primarschule Wildenstein soll um eine dritte Etage aufgestockt werden und ist künftig barrierefrei zugänglich.

Die Primarschule Wildenstein soll um eine dritte Etage aufgestockt werden und ist künftig barrierefrei zugänglich.

Bild: Jolanda Riedener

Rorschacherberg ist beliebt bei Familien. Es vergeht kaum eine Woche, an der nicht ein Neuzugang für den Unterricht gemeldet wird, heisst es in einem Bericht der Schule. «Für uns ist das eine grosse Herausforderung», sagt Markus Fässler, Schulpräsident und Gemeinderat. Man habe im vergangenen August die Schülerzahlen angeschaut und entsprechend geplant – doch jetzt, sechs Monate später, sind es plötzlich viel mehr Schülerinnen und Schüler.

Markus Fässler, Schulpräsident von Rorschacherberg

Markus Fässler, Schulpräsident von Rorschacherberg

Bild: PD

Der Leerwohnungsbestand in Rorschacherberg habe sich zwar nicht verändert, die Zuzugsquoten erreichen gemäss Fässler aber Rekordhöhe: In den vergangenen 18 Monaten sind 36 Schulkinder zugezogen, 19 davon ins Einzugsgebiet der Schuleinheit Wildenstein, 12 ins Klosterguet. Auch die Bautätigkeit in der Gemeinde sei früher kaum geringer gewesen als heute. Hinzu kommt: Rorschacherberg verfügt im Vergleich zu umliegenden Gemeinden noch über Baulandreserven.

Die Schulleitung geht davon aus, dass die Schülerzahlen weiterhin zunehmen, und hat entsprechende Prognosen bis 2027 erstellt. «Dabei handelt es sich um Schätzungen», betont Fässler. So seien insbesondere laufende Bauprojekte in den Berechnungen berücksichtigt worden, namentlich im Bereich Klosterguet, Swissair Hochhaus, Witenholzstrasse, Bleichi oder Eschlen. Hinzu kommt ein Wachstum von 14 bis 15 Prozent durch Migration und Geburten.

Der Raumbedarf steigt an

Zusätzlich verschärfen gesetzliche Grundlagen das im Unterricht benötigte Platzangebot. Blockzeiten, individuelle Förderung, Heilpädagogik, Informatik oder schulische Sozialarbeit sowie die durchschnittliche Klassengrösse von 20 Kindern haben die Ansprüche an die Infrastruktur verändert. Betroffen vom Zuwachs sind alle drei Schuleinheiten. Bereits bemerkbar ist der Engpass im Wildenstein, da vor allem Primarschüler zugezogen sind. Dort braucht es fürs kommende Schuljahr ein zusätzliches Klassenzimmer. Laut Fässler dient dafür vorübergehend der Raum fürs Textile Werken, dieses Fach wird künftig im Bewegungs- und Förderraum des Kindergartens unterrichtet. Im Herbst soll das Primarschulhaus mit einem weiteren Stockwerk versehen werden, dadurch gibt es Platz für drei zusätzliche Schulzimmer.

Das Primarschulhaus Wildenstein wird um ein Stockwerk erweitert und wird rollstuhlgängig.

Das Primarschulhaus Wildenstein wird um ein Stockwerk erweitert und wird rollstuhlgängig.

Visualisierung: PD

Auch für den Mittagstisch fehlen geeignete Räume und Infrastruktur: An Spitzentagen besuchen 45 Kinder dieses Angebot an jedem der Standorte. Der Schulpräsident rechnet damit, dass in einigen Jahren 60 oder mehr Kinder pro Standort verpflegt werden müssen.

Gibt es mehr Buben und Mädchen im Kindergarten, wird es dort auch eng. An der Oberstufe besteht ebenfalls Handlungsbedarf, wenn auch nicht akut. «Uns ist bewusst, dass diese Schüler irgendwann in die Oberstufe kommen», sagt Fässler. Eine Lösungsvariante sei die Komplettsanierung der alten Realschule mit flexiblen Schulräumen.

Auch Vereine profitieren vom Zuwachs

Gründe für die vielen Familien, die nach Rorschacherberg ziehen, sieht Markus Fässler mehrere: «Einerseits die Lage, attraktiver Wohnraum mit Seesicht, ein tiefer Steuerfuss oder eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.» Er freue sich über den Zuwachs an Familien: «Kinder beleben unsere Gemeinde.» So würden dadurch zum Beispiel Vereine wieder mehr Mitglieder verzeichnen, was sehr erfreulich sei.

Auch in Goldach hat die Bevölkerungszahl jüngst wieder zugenommen. Per 1.Januar 2020 zählt die Gemeinde 956 in Goldach beschulte Kinder. «Aktuell herrscht kein Schulraumnotstand», sagt Schulsekretär Stefan Sieber. Am ehesten werde im Kindergarten zusätzlicher Raum benötigt. In drei bis vier Jahren werde es voraussichtlich eine zehnte Kindergartenklasse brauchen. Dies sei schon länger bekannt und man sei dabei, eine entsprechende Räumlichkeit zu suchen.