Schuldirektor will St.Galler Stadtpräsident werden: Markus Buschor bewirbt sich im Herbst um die Nachfolge von Thomas Scheitlin

Eine Überraschung ist es nicht wirklich, er hatte sein Interesse am Amt schon früher signalisiert: Der St.Galler Schuldirektor Markus Buschor will im Herbst nicht nur die Wiederwahl für eine dritte Amtszeit schaffen, sondern auch Nachfolger von Stadtpräsident Thomas Scheitlin werden.

Reto Voneschen
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Für eine Medienorientierung zu den Erneuerungswahlen in die St.Galler Stadtregierung war das Szenario im Rosenbergsaal im zwölften Stockwerk des Rathauses am Freitagvormittag ungewöhnlich: Einem halben Dutzend Medienleuten sass nicht eine Delegation aus Kandidierenden und Parteifunktionären gegenüber, sondern eine einzelne Person. Der parteilose Stadtrat Markus Buschor, hinter dem eben keine grosse Gruppierung steht. Er erläuterte seine Pläne für den Wahlherbst.

Eine Überraschung gab's bei der Präsentation nicht wirklich: Markus Buschor tritt am 27. September für eine dritte Amtszeit als Stadtrat an. Das hatte er auf Medienanfragen schon im März bestätigt. Gleichzeitig bewirbt er sich um die Nachfolge des auf Ende Jahr zurücktretenden Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin. Interesse an diesem Amt hatte Buschor in der Vergangenheit mehrfach angedeutet.

Schuldirektor Markus Buschor strebt das St.Galler Stadtpräsidium an.

Schuldirektor Markus Buschor strebt das St.Galler Stadtpräsidium an.

Bild: Michel Canonica (12.6.2020)

Fühlt sich in der Stadtregierung «am richtigen Ort»

Ihm bereite die Arbeit in der St.Galler Stadtregierung grosse Befriedigung. Er glaube daher, dass er in dieser Regierung am richtigen Ort sei, sagte Markus Buschor am Freitag vor den Medien. Die Kandidatur als Stadtpräsident habe er «mit Sorgfalt und Demut geprüft und entschieden». Er sei dabei zum Schluss gekommen, dass er bereit sei. Das heisse soviel wie: «Ich bin geneigt, fertig und willens» dieses Amt und die damit verbundene Verantwortung zu übernehmen.

«Ich kandidiere. Ich stehe für das Stadtpräsidium zur Verfügung.»

Er werde trotz der neuen Herausforderung «der Kämpfer mit Humor bleiben und mit Fleiss, Mut und Menschlichkeit der Aufgabe und Verantwortung als Stadtpräsident nachkommen», sagte Buschor. Fleiss bedeute «das intensive, beharrliche, zielgerichtete und achtsame Verfolgen einer Tätigkeit». Mut stehe für die «Bereitschaft zu entschlossenem und geradlinigem Handeln». Menschlichkeit verstehe er «als wertschätzende, respektvolle und konstruktive Haltung zueinander».

«Ich bin bereit. Für die Menschen von St.Gallen.»

Buschor lobte an seiner Medienorientierung ausdrücklich den amtierenden und auf Ende Jahr zurücktretenden Stadtpräsidenten. Thomas Scheitlin setze sich «mit Leidenschaft, Professionalität, mit Herz und Hirn, für seine Vaterstadt ein». Er hinterlasse tiefe Spuren. Nach einer allfälligen Wahl traue er sich aber zu, diese zu füllen, sagte Markus Buschor. Natürlich werde er das Amt anders ausfüllen, aber auch er werde sich mit vollem Engagement für die Zukunft St.Gallens einsetzen.

Buschor: «2021 bis 2024 werden keine rosigen vier Jahre»

Markus Buschor machte auch Aussagen zu politischen Fragestellungen. 2021 bis 2024 würden keine rosigen Jahre, das zeichne sich schon jetzt ab. Aufgrund der finanziellen Perspektiven müsse sich die Stadtpolitik fragen, was man sich künftig noch leisten könne und was nicht. Man werde das heutige Leistungsangebot der Verwaltung prüfen und nicht darum herum kommen, Prioritäten zu setzen.

Der Klimawandel, aber auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen würden die Stadtpolitik in den kommenden Jahren beschäftigen. Markus Buschor deutete auch an, wie er vor diesem Hintergrund die Prioritäten setzen will: St.Gallen müsse eine kinderfreundliche Stadt sein, sagte er am Freitag. Nötig sei aber auch mehr Sorge zu den natürlichen Lebensgrundlagen zu tragen.

Die multikulturelle Vielfalt der Gesellschaft müsse man als Chance sehen, forderte Buschor. Man müsse sie aber auch aktiv zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts nutzen. St.Gallen müsse zudem ein starker Wirtschaftsstandort sein, und zwar mit einer Wirtschaft, die sich mit dem Wandel auseinander setze und bei den nötigen Veränderungen von Politik und Verwaltung unterstützt werde.

2012 für viele überraschend gewählt

Der parteilose Markus Buschor wurde 2012 für viele überraschend in die St.Galler Stadtregierung gewählt. Zu verdanken hatte er dies einer sehr speziellen Konstellation bei den Kandidaturen im zweiten Wahlgang: Die SP schickte eine Kandidatin und einen Kandidaten ins Rennen, obwohl absehbar war, dass sie höchstens einen der zwei noch nicht besetzten Sitze würde gewinnen können.

Bei den Erneuerungswahlen 2016 schaffte Markus Buschor seine Wiederwahl mit einem soliden Resultat. Bei den Erneuerungswahlen vom 27. September steht seine zweite Bestätigung im Amt an. Sie dürfte kein Problem sein: In St.Gallen gilt es als grosse Ausnahme, wenn ein Stadtratsmitglied, das sich der Wiederwahl stellt, nicht bestätigt wird. Bevor das Baudirektorin Patrizia Adam (CVP) 2016 passierte, hatte es so einen Fall jahrzehntelang nicht gegeben.

1996 bis 2012 mit eigenem Architekturbüro in St.Gallen

Markus Buschor ist in St.Gallen geboren und in der Region aufgewachsen. In diesem Jahr – exakt am Samstag vor den städtischen Wahlen – wird er 59-jährig. Nach der Matura an der Kanti am Burggraben studierte er an der ETH Zürich Architektur. 1984 bis 2012 war er in Architekturbüros in St.Gallen tätig; 1996 bis 2012, also bis zu seinem Amtsantritt als Stadtrat, führte er sein eigenes Büro.

1996 bis 2012 engagierte sich Buschor im Architekturforum Ostschweiz. Dabei machte er sich durch kritische Voten zur Arbeit der von SP-Frau Elisabeth Beéry geführten Bauverwaltung einen Namen. 2012 trat er auch ausdrücklich mit dem Ziel an, die Baudirektion zu übernehmen und die bauliche Stadtentwicklung in Schwung zu bringen. Entsprechend wurde der Parteilose von Privaten mit Interessen in diesem Bereich unterstützt. Dazu zählte der inzwischen verstorbene Max Kriemler (Einstein, Akris).

Schuldirektor Markus Buschor (parteilos) und Baudirektorin Maria Pappa (SP) bei einer Sitzung des Stadtparlaments im Waaghaus: Die beiden sind im Herbst Konkurrenten ums St.Galler Stadtpräsidium.

Schuldirektor Markus Buschor (parteilos) und Baudirektorin Maria Pappa (SP) bei einer Sitzung des Stadtparlaments im Waaghaus: Die beiden sind im Herbst Konkurrenten ums St.Galler Stadtpräsidium.

Bild: Urs Bucher (14.1.2020)

Die Baudirektion blieb Markus Buschor bisher verwehrt: Der Stadtrat gab der mit ihm neu gewählten CVP-Frau Patrizia Adam diesbezüglich den Vortritt. Das verärgerte etliche Wählerinnen und Wählern, was sie im Dezember 2012 in hässigen Leserbriefen zum Ausdruck brachten. Nach der ersten Wiederwahl wurde die anstelle von Adam gewählte SP-Frau Maria Pappa Baudirektorin. Ganz freiwillig scheint der Verzicht von Buschor auf einen Wechsel auch diesmal nicht gewesen zu sein.