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Schuhe statt Bücher am St.Galler Bärenplatz: Dosenbach bezieht ehemalige Rösslitor-Räumlichkeiten

In eines der prestigeträchtigsten Gebäude der Innenstadt kehrt Leben zurück: Im November eröffnet Dosenbach im Haus Zur Laterne eine Filiale.
Diana Hagmann-Bula
Bald gehen die Menschen im Haus Zur Laterne wieder ein und aus: Dosenbach zieht Ende November ein. (Bild: Lisa Jenny)

Bald gehen die Menschen im Haus Zur Laterne wieder ein und aus: Dosenbach zieht Ende November ein. (Bild: Lisa Jenny)

Kollektives Aufschnaufen bei Vertretern des Detailhandels und Standortförderern: Der Schuhhändler Dosenbach zieht in das leer stehende Haus Zur Laterne an der Multergasse 1-3 ein. Eröffnung soll Ende November sein. Laura Cortese, stellvertretende Leiterin der Standortförderung der Stadt:

«Wir freuen uns, dass in das bedeutende Gebäude wieder Leben einkehrt. Das regt die ganze Innenstadt an»

Ralph Bleuer, Präsident von Pro City, doppelt nach: «Sehr gut für die Gesamtwirkung!» Noch mehr hätte sich Bleuer gefreut, wenn sich eine neue Marke für eine Niederlassung in St.Gallen entschieden hätte. «Aber so spielt nun mal der freie Markt.»

Gute Lage gegen starken Wettbewerb

Dosenbach selber erhofft sich viel von der guten Lage. Der Schuhhandel sei offline und online stark umkämpft. Eine Top-City-Filiale – so nennt der Schuhhändler seine grossen, mehrstöckigen Geschäfte an prominentem Platz in Innenstädten – könne da helfen, sagt Geschäftsführer Jürgen Pinggera. «Wir investieren viel in den stationären Handel. In den letzten drei Jahren haben wir rund 80 Filialen erneuert», so Pinggera weiter. Die Kundschaft kauft aber immer häufiger im Internet ein.

Sich online ganz rauszuhalten, das kann sich auch der grösste Schuhhändler Europas nicht erlauben. So kombiniert er beide Kanäle, sogar im Geschäft. Pinggera zum sogenannten Omnichannel-Ansatz:

«In der neuen Filiale wird der Kunde einen Schuh, der ihm gefällt, einscannen können. Der Computer zeigt ihm dann weitere Farbvarianten auf und schlägt ihm ähnliche Modelle vor, auch solche, die nur online erhältlich sind.»

Der Kunde bestellt den Schuh dann nach Hause.

Bei Dosenbach, der die britische Sängerin Rita Ora als Gesicht für die aktuelle Herbst-/Winterkollektion verpflichtet hat, spricht man gerne über das neuste Ladenkonzept. Nicht aber über Mietzins und Bewerbungsverfahren für das Haus Zur Laterne. Und was passiert mit der Dosenbach-Filiale an der Spisergasse, die nur wenige Schritte entfernt liegt von der geplanten Top-City-Filiale? Pinggera hält sich kurz: «Bis auf Weiteres haben wir dort einen laufenden Mietvertrag.»

150'000 Franken Monatsmiete waren zu viel

Wo bald Schuhfans hinpilgern werden, haben einst Leseratten eingekauft: Die Buchhandlung Rösslitor flüchtete Ende August 2018 an die Marktgasse, auch vor der hohen Miete. 1,8 Millionen Franken pro Jahr soll das Unternehmen laut gut unterrichteter Quellen für das Ladenlokal an der Multergasse bezahlt haben. Das sind stolze 150'000 Franken pro Monat. «Bei der Neuvermietung und Aufteilung der Flächen haben wir uns am aktuellen Marktumfeld in St.Gallen orientiert», sagt Tatjana Stamm, Mediensprecherin beim Lebensversicherer Swiss Life, dem das Gebäude gehört. Momentan seien in der Stadt kleinere und flexible Flächen gefragt.

«Mit rund 2000 Quadratmetern handelt es sich an der Multergasse 1-3 um eine der grössten Ladenflächen in der Innenstadt. Deshalb haben wir uns entschieden, sie zu unterteilen und an drei Mieter zu vergeben.»

Welche Geschäfte neben Dosenbach einziehen werden, verrät Stamm noch nicht. «Wir kommentieren Vertragsverhandlungen nicht.»

Ralph Bleuer, Präsident Pro City. (Bild: Michel Canonica)

Ralph Bleuer, Präsident Pro City. (Bild: Michel Canonica)

Eine Aufteilung auf mehrere Mieter hält auch Ralph Bleuer von Pro City für sinnvoll: «Kaum ein Geschäft hat heute noch ein so umfassendes Sortiment, welches das ganze Haus Zur Laterne beansprucht.» Der Einzug von Dosenbach an prominenter Lage bewirke zwar eine positive Stimmung, löse aber nicht alle Probleme. Er sagt:

«Wir haben zu viele Kleiderläden, welche die gleichen Marken verkaufen, und zu viele Restaurants.»

Wenn grosse bekannte Labels mit eigenständigen Geschäften nach St.Gallen kommen würden, würde das den Ladenmix verbessern. «Doch dafür ist die Stadt wohl zu klein.»

Lange hat man gemunkelt, dass sich Zara, eine Tochterfirma des Modehändlers Inditex mit Niederlassung in der Shopping Arena, ins Zentrum vorwage. «Auch ich habe das gehört. Ob etwas Wahres dran ist oder ob es mehr ein Wunsch der Gesellschaft war, weiss ich nicht», sagt Bleuer. Sicher ist er hingegen in einem anderen Punkt: «Auch wenn der Riese wegbleibt, ist die Stadt vielseitiger als ein Shoppingcenter.»

Von Vilan bis Pop-Up-Store

Julius Brann eröffnete im Haus Zur Laterne im Jahr 1899 ein Warenhaus. Das Angebot war breit und günstig, der Erfolg gross. 1909/1910 entwarf der Basler Architekt Hans Bernoulli für Brann deshalb einen Neubau. 1919/1920 wurde das denkmalgeschützte Gebäude südlich erweitert. Der Lebensversicherer Swiss Life übernahm das Haus am Bärenplatz 2001 – «inklusive der Mietverträge mit Vilan, heute Manor», sagt Mediensprecherin Tatjana Stamm. Swiss Life liess die Liegenschaft 2008/2009 renovieren. Danach zog die Buchhandlung Rösslitor ein und blieb bis August 2018. Von Herbst 2018 bis Januar 2019 hat die Firma Farben und Formen den Laden zwischengenutzt. Ralph Bleuer von Pro City stuft solche Pop-Up-Stores als Gewinn für beide Seiten ein: «Der Anbieter kann herausfinden, ob sein Produkt ankommt. Der Vermieter hat lieber eine reduzierte Einnahme als einen Leerstand.» Fortan soll eine Webseite Interessierte für solche Projekte zusammenbringen. (dbu)

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