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Feuerwerk ist schön fürs Auge, aber schlecht für die Lunge

An Silvester schiessen die Feinstaubwerte in St.Gallen jeweils wie Raketen in die Höhe. Weil das Feuerwerk aber nur kurz dauert, nimmt die Schadstoff-Belastung schnell wieder ab. Den Luftqualitätsexperten bereitet anderes mehr Sorgen.
Roger Berhalter
Silvester in der St.Galler Innenstadt: Wenn wie hier Raketen zünden, wirbeln winzige Russ- und Metallteilchen durch die Luft. (Bild: Michel Canonica (1. Januar 2018))

Silvester in der St.Galler Innenstadt: Wenn wie hier Raketen zünden, wirbeln winzige Russ- und Metallteilchen durch die Luft. (Bild: Michel Canonica (1. Januar 2018))

In der Innenstadt bricht an Silvester die Hölle los. Raketen schiessen in den Himmel, Vulkane versprühen Funken, es zischt und kracht, und während oben der Himmel in allen Farben leuchtet, ziehen unten Rauchschwaden über den Asphalt. Auch der Parkplatz neben der Grabenhalle ist am Jahreswechsel jeweils in Qualm gehüllt. Mitten im Rauch: Die Messstation St.Gallen Blumenbergplatz, eine von vielen Stationen von Ostluft, die in der Ostschweiz die Luftqualität messen. Tag für Tag und Nacht für Nacht zeichnet die Station auf, wie viele Feinstaubpartikel gerade durch die Luft wirbeln.

Auch beim Verbrennen von Feuerwerk entstehen solche Kleinstpartikel. Kein Wunder also, schiessen die Feinstaubwerte an Silvester jeweils wie Raketen in die Höhe. Das zeigt die Feinstaubkurve der Messstation am Blumenbergplatz überdeutlich: Ab 22 Uhr schnellt sie nach oben, nach Mitternacht erreicht sie ihren Höhepunkt, danach fällt sie steil ab, bis sie etwa um vier Uhr morgens wieder das Niveau von 22 Uhr erreicht hat.

Am 1. August sieht es ähnlich aus

«Das ist ein alljährliches Phänomen», sagt Kaspar Leuthold vom städtischen Amt für Umwelt und Energie. Auch am 1. August sehe die Feinstaubkurve jeweils ähnlich aus – ausser im vergangenen Jahr, als im ganzen Kanton ein Feuerverbot herrschte. «Feuerwerk trägt zur Luftbelastung bei», sagt Leuthold. Wenn Raketen zünden, wirbeln Russ- und Metallteilchen durch die Luft, die so winzig sind, dass sie in die Lunge gelangen können. Dennoch stelle das Feuerwerk am Nationalfeiertag und an Silvester für die Luftqualität kein grösseres Problem dar, sagt Leuthold: «Die hohen Feinstaubwerte zeigen sich nur kurz, die Belastung nimmt schnell wieder ab.» Zudem sei die Menge der freigesetzten Schadstoffe verglichen mit der jährlichen Gesamtmenge gering.

Dieselfahrzeuge sind problematischer

Das Feinstaubhoch in der Silvesternacht ist statistisch gesehen ein Ausreisser. Ein Extremwert, der aus der Normalkurve heraussticht, und den Luftqualitätsexperten deshalb wenig Kopfzerbrechen bereitet. Sie sorgen sich viel eher wegen dauerhafter Schadstoffbelastungen, wie sie beispielsweise vom Verkehr ausgehen: feinste Partikel, die beim Abrieb von Pneus und Strasse in die Luft gelangen. Russ von Dieselfahrzeugen, der tief in die Atemwege eindringt und Krebs auslösen kann.

«Um die Luftqualität weiter zu verbessern, setzen Stadt und Kanton bei den wichtigsten Schadstoffquellen an», sagt Kaspar Leuthold. Er verweist zum Beispiel auf die neuen elektrischen Busse der Verkehrsbetriebe St.Gallen und auf die Förderung der Elektromobilität. Je mehr Fahrzeuge mit Batterie fahren, desto weniger Schadstoffe gelangen in die Luft. Die bestehende St.Galler Dieselbus-Flotte sei aber bereits mit Russpartikelfiltern ausgerüstet.

In St.Georgen ist die Luft sauberer

Die Feinstaubbelastung an Silvester ist nicht nur zeitlich begrenzt, sondern auch lokal sehr verschieden. Das zeigt ein Vergleich der Messwerte am Blumenbergplatz mit jenen der Ostluft-Messstation Stuelegg. Diese liegt im Grünen oberhalb von St.Georgen, also abseits des Feuerwerks in der Innenstadt. In der Silvesternacht steigt die Feinstaubkurve in der Stuelegg zwar ebenfalls leicht an, zeigt aber längst kein so auffälliges Hoch wie am Blumenbergplatz. Kaspar Leuthold sagt: «Die Feinstaubkonzentration nimmt mit dem Abstand zur Quelle ab, die Schadstoffe verdünnen sich schnell.»

Jeder St.Galler raucht in vier Tagen zwei Zigaretten

Auch Nichtraucher rauchen, zugespitzt formuliert. Denn egal ob man an einer stark befahrenen Strasse entlang spaziert oder Zigarettenrauch inhaliert: In beiden Fällen gelangen Feinstaubpartikel in die Lunge. Insofern lässt sich die Luftverschmutzung in Zigaretten umrechnen: Wer eine Zigarette pro Tag raucht, belastet seine Lunge gleich stark, wie wenn er sich (als Nichtraucher) in einer Umgebung mit einer Feinstaubkonzentration von 22 Mikrogramm pro Kubikmeter aufhält. Entscheidend für diesen Vergleich sind jene winzigen Feinstaubpartikel, die kleiner als 2,5 Mikrogramm sind. Ausgehend von einer Studie der europäischen Dachorganisation Transport and Environment (T&E) hat das Online-Portal «Watson» berechnet, wie viele «Zigaretten» ein Besucher während eines viertägigen Städtetrips «raucht», also wie viel Feinstaub er ausgesetzt ist. In St.Gallen konsumiert demnach ein solcher Besucher zwei Zigaretten in vier Tagen (bei einer Feinstaubkonzentration von 10,2 Mikrogramm pro Kubikmeter). Auch in Basel, Bern, Lugano, Solothurn und Zürich liegt der Wert bei zwei Zigaretten in vier Tagen. Doppelt so viel sind es gemäss T&E-Studie in Istanbul und Prag: Dort «raucht» jeder Nichtraucher in vier Tagen vier Zigaretten.

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