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Schnitzelbänkler nehmen am Drachenfest die Gossauer aufs Korn und Alfred Zahner gewinnt den Drachenpreis

Ob raffinierte Sprüche oder schwarzer Humor: Die Schnitzelbänkler am Gossauer Drachenfest haben die Fasnachtliebhaber begeistert. Beliebte Themen waren die Sana Fürstenland oder die Jesus-WG. Und auch Wolfgang Giella musste sich einiges anhören.
Perrine Woodtli
Ruedi Blumer gratuliert Alfred Zahner zu seinem Drachenpreis. (Bilder: Benjamin Manser)

Ruedi Blumer gratuliert Alfred Zahner zu seinem Drachenpreis. (Bilder: Benjamin Manser)

Der Raiffeisen-Skandal, der Doppeladler, Klimaaktivistin Greta Thunberg, die Ständeratswahlen, die binäre Uhr am St. Galler Bahnhof oder die Gossauer Stadtpolitik. All das war ein gefundenes Fressen für die Schnitzelbänkler, die am Mittwoch am vierten Gossauer Drachenfest die Fasnachtnarren zum Lachen brachten – die einen mal mehr, die anderen mal weniger. Wie man es von Schnitzelbänklern erwarten darf, zogen sie alles durch den Kakao, was in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen sorgte. Nebst Dauerläufern wie Trump, Blocher oder Veganern begeisterten im «Freihof» vor allem lokale Themen.

Ein Sack, der Kathrin Hilber viel Geld kostet

Ausgerüstet mit schwarzen Roben, weissen Allongeperücken und Richterhammer gingen die Drey Richter aus Gossau im Baslerdialekt mit verschiedenen Personen ins Gericht. Lauten Applaus gab es, als sie über die Andwiler witzelten, die wegen des neuen 159-Busses ausrufen:

«D’ÖV-Nutzer mien sich jetzt halt arrangiere. Sälber schuld, die hän ja nid welle fusioniere.»

Auch konnten sich die Richter nicht einen Seitenhieb gegenüber der lokalen Presse verkneifen. Über so wenige News über Gossau seien sie baff. Vielleicht, fügten sie an, sei Gossau halt doch ein Kaff. Auch die «mühsame, schleppende Verwaltung und die schlafende Stadtentwicklung» kriegten ihr Fett weg. Wenigstens der Stadtbüehlpark, so die Meinung der Drey Richter, verdiene einen Orden. Schliesslich sei aus dem Püffli eine Jesus-WG geworden.

Die Drey Richter begleiteten ihre Reime mit leisen Gitarrenklängen.

Die Drey Richter begleiteten ihre Reime mit leisen Gitarrenklängen.

Die Jesus-WG, die vor einigen Monaten in das ehemalige Bordell an der Herisauerstrasse einzog, nahmen auch andere Schnitzelbänkler aufs Korn. So waren etwa die Zwei Räppler, die im vergangenen Jahr den ersten Drachenpreis erhielten, der Ansicht, dass die Jesus-WG das geschafft habe, was man schon lange vorhatte: Nämlich die Herisauerstrasse vom Verkehr zu befreien.

Auch ein beliebtes Thema war die Sana Fürstenland und Dauer-Einsprecher Alex K. Fürer. So rappten die zwei Brüder darüber, dass Sana-Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Hilber fünf Rappen für einen Plastiksack bezahlen muss. Diese entgegnet, dass ein anderer Sack sie viel mehr Geld kostet. Mit ihrem Fasnachtsrap brachten die Zwei Räppler das Publikum in Hochstimmung. Weiter streckten Adrian und Cornel Fürer, die in Baggy-Hosen und mit dunklen Sonnenbrillen auftraten, zwei leere, weisse Blätter in die Luft. Was diese zeigten? Die Baupläne für die Sommerau.

Wer ist eigentlich diese Stapi? Und was macht er den ganzen Tag?

Natürlich blieb auch Stadtoberhaupt Wolfgang Giella nicht verschont. Laut den Zwei Räppler gibt es vor allem bei seinen Ansprachen noch Luft nach oben. Ob sich der Stapi alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann zum Vorbild genommen habe? Die Drey Richter hatten sich zuvor einen Spass daraus gemacht, sich zu fragen, was der Stadtpräsident eigentlich den ganzen Tag lang mache, weil man ihn so selten sehe. Andere Schnitzelbänkler sprachen davon, dass aus Giellas frischem Wind eher ein laues Lüftchen geworden sei. Und die Alliglattohren fragten sich, wer denn überhaupt der Stapi sei. Schliesslich hatte man ihn an der Eröffnung des OZ Rosenau nicht gesehen.

Zwischen den Schnitzelbanken traten die Gossauer Gassächlöpfer auf. Dann wurde es laut im «Freihof».

Zwischen den Schnitzelbanken traten die Gossauer Gassächlöpfer auf. Dann wurde es laut im «Freihof».

Die Sittestecher, verkleidet als Zebra, Büffel und Co., kamen direkt aus Afrika. Einer ihrer Verse bezog sich auf den Drachenpreisträger Alfred Zahner (siehe Zweittext), der Ende 2018 nach 18 Jahren aus dem Stadtparlament zurücktrat. Für die Sittestecher ein Grund zum Freudenschrei: «Endlich, endlich, endlich, endlich, blibt de Zahner dehei.» Ein weiteres beliebtes Thema war der Spesenskandal der HSG. So war sich etwa der Schnitzelbänkler Gallomisto, der als bunter Hahn auf der Bühne stand, sicher, dass die Initialen der HSG, für «Himmlische Spesen garantiert» stehen.

Am diesjährigen Drachenfest gab es auch eine Premiere: Unter dem Namen Drachäbruät trat ein Teil der «Drachentöter»-Redaktion mit eigenen Liedern und Versen auf und versuchte sich neben den anderen Schnitzelbänklern zu beweisen – was nicht immer gleich gut gelang. So inszenierten sie unter anderem einen «Männertraum im Rathaus», in dem es darum ging, dass Wolfgang Giella und Urs Blaser von ihren Stadtratskolleginnen in knapper Latexunterwäsche träumen. Die eher befremdliche Vorstellung und das Kopfkino liessen viele Zuschauer doch eher verdutzt zurück.

Alfred Zahner erhält den Drachenpreis

Nebst den Schnitzelbankgruppen gab es am Gossauer Drachenfest weitere Höhepunkte. So verlieh die «Drachentöter»-Redaktion zum zweiten Mal den Gossauer Drachenpreis. Mit diesem wollen die Veranstalter unscheinbare und stille Schaffer, die sich für Gossau verdient gemacht haben, ins Rampenlicht stellen und ehren.
Als Moderator Stefan Häseli den Sieger umschrieb, dauerte es nicht lange, bis wohl jeder im Saal wusste, um wen es sich handelt. Im Sommer geht er in der Rorschacher Badhütte baden, spielt Handball, jasst, ist Lehrer und keiner hat so viele Vorstösse im Stadtparlament eingereicht wie er. Der Fall war klar: Alfred Zahner, Vorstosskönig, Flig-Parlamentsdinosaurier und gebürtiger (und immer noch stolzer, wie er betonte) Rorschacher, erhält den Drachenpreis. Zahner sei ein «bescheidener Freigeist, den man in keine Schublade stecken könne», sagte Häseli. «Ein engagierter Mensch, der diesen Preis verdient hat.»

«Kein normaler Politiker»
Eigentlich, sagte Herbert Bosshart, Gastgeber und «Drachentöter»-Sekretär, wollte man ja keinen Politiker mit diesem Preis auszeichnen. «Aber es handelt sich hier um keinen normalen Politiker und wir machen gerne eine Ausnahme.» Mit der Auszeichnung hatte Zahner sichtlich nicht gerechnet. Er sei sehr überrascht und erfreut, sagte der Tausendsassa, als er die Holztrophäe in den Händen hielt und sich bedankte. «Vor zwei Jahren hiess es am Drachenfest noch, wann ich endlich zurücktrete. Und jetzt bin ich auf einmal der glatte Siech.» So schnell könne es gehen.
Nach der Preisübergabe war es Zeit für den «Drachentöter», die Gossauer Fasnachtszeitung. Die Redaktion habe sich intensiv mit dem Jahr 2018 befasst, sagte Bosshart. Dabei sei man auf allerlei Merkwürdiges gestossen. Ein Blick in die bunte Lektüre zeigt: Ein weiteres Mal haben es die fleissigen Schreiberinnen und Schreiber geschafft, das politische und gesellschaftliche Gossauer Jahr mit Witz in Bildern und Worten zusammenzufassen. Kaum verteilt, steckten die Besucher den Kopf in die Satirezeitung und vertieften sich in die Lektüre. (woo)

«Drachentöter»-Initiant Herbert Bosshart war als «Hobbydrache» unterwegs.

«Drachentöter»-Initiant Herbert Bosshart war als «Hobbydrache» unterwegs.


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