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Rorschacher Wirt aus Sri Lanka: «Schnee war etwas absolut Neues»

Joy Rasanayagam floh 1999 vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka in die Schweiz. Heute leitet er zwei Restaurants, eines davon ist der «Münzhof» in Rorschach. Angefangen hat er als Tellerwäscher.
Ines Biedenkapp
Der Tamile Joy Rasanayagam beim Zapfen von Bier im «Münzhof». (Bild: Ines Biedenkapp)

Der Tamile Joy Rasanayagam beim Zapfen von Bier im «Münzhof». (Bild: Ines Biedenkapp)

Mit Anfang 20 kam Bernard Joy Rasanayagam in die Schweiz. Der Tamile floh 1999 vor dem Bürgerkrieg aus Sri Lanka. Er reiste mit dem Flugzeug in die Schweiz. In Rorschach und der Umgebung kennen ihn alle nur als «Joy». Mittlerweile ist er 42 Jahre alt und leitet zusammen mit Jegan Christopher den «Münzhof» in Rorschach und das Restaurant Krone in Eggersriet.

«Der Anfang war hart», sagt Rasanayagam über seine Ankunft in der Schweiz. Er konnte die Sprache nicht, war auf sich allein gestellt. Er begann, als Tellerwäscher zu jobben. Doch sein damaliger Chef machte ihm Mut. «So bin ich in der Gastronomie hängen geblieben und habe mich nach und nach hochgearbeitet.»

Vom Hockey zur Gastronomie

In Sri Lanka spielte er im Nationalteam der Hockey-Mannschaft, in der Schweiz angekommen, fing dann ein ganz neuer Lebensabschnitt an: «Ich kannte das gar nicht, so zu arbeiten», sagt Rasanayagam. «Dass ich für meine Lebensqualität arbeiten muss, habe ich erst hier in der Schweiz gelernt.» Für seinen Hang zur Genauigkeit wird er mittlerweile schon von seinen Kollegen als typischer Schweizer bezeichnet. Alles gehört an seinen Platz. Daher räumt er seinen Angestellten gerne einmal hinterher. «Ich bin sehr korrekt.»

Eigentlich wollte Rasanayagam immer Auslands-Korrespondent oder Botschafter für sein Land werden. Dafür lernte er sogar fünf Sprachen. Neben Deutsch spricht er Italienisch, Singalesisch, Tamilisch und Englisch. «Doch durch den Krieg war das leider nicht möglich», sagt der Gastronom. Dennoch sei er darüber nicht böse oder traurig, die Gastronomie wäre ein ebenso spannendes Gewerbe und er schätze den Kontakt zu Kunden. «Ich bin gerne unter Menschen.»

Durch die Gäste Sprachen gelernt

Die Sprachen seien für ihn dennoch besonders wichtig gewesen, erzählt Rasanayagam. «Anfangs konnte ich gar nichts. Doch durch die Gäste in den Restaurants habe ich die Sprache schnell lernen können. Dafür bin ich den Leuten sehr dankbar.» Die Sprache öffne einem die Türe ins Land. «Um sich wohlzufühlen und Anschluss zu finden, sind Sprachen das Wichtigste.» Französisch würde er noch gerne lernen, doch zurzeit fehlt ihm zum einen die Zeit und auch ein Lehrer.

Die Gastronomie ist nicht die einzige Branche, in der der gebürtige Sri Lanker gearbeitet hat. So war er für neun Jahre auch als DJ in der Arena in Thal und den Beach Partys in Rorschach tätig. «Das war wirklich ein absolutes Highlight. Schade, dass es das nicht mehr gibt.» An Rorschach gefällt ihm besonders das Ambiente. «Durch den Tourismus und die Lage haben wir hier viel Multikulti.» Das schätze er sehr. Auch seinem Hobby, dem Hockey, ist er in der Schweiz treu geblieben und kam bis zur B-Mannschaft. Doch für die Karriere in der Gastronomie gab er den professionellen Sport auf. Heute trainiert er Leichtathletik für den eigenen Spass.

Vor zehn Jahren lernte er dann seine Frau kennen. Sie kommt ursprünglich auch aus Sri Lanka, ist aber bereits in der Schweiz aufgewachsen. Zusammen haben sie zwei Kinder. Durch die beiden fährt Rasanayagam mittlerweile auch Ski. «Schnee war für mich etwas absolut Neues. Das habe ich das erste Mal in der Schweiz gesehen», sagt er lachend.

Eine Gastronomie-Schule in Sri Lanka

Trotz dem, dass sich die Familie in der Schweiz wohlfühlt, fliegen sie ab und zu in die alte Heimat. Allerdings nicht mehr so häufig wie früher. Hinzu komme, dass seine ganze Familie mittlerweile weltweit zerstreut ist.

Ein Traum für ihn sei es, irgendwann einmal eine Gastronomie-Schule in seiner ehemaligen Heimatstadt, Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, zu eröffnen. «Es ist nicht so, dass dort unten schlechte Standards herrschen», sagt Rasanayagam. «Doch man kann es nicht mit der Schweiz vergleichen.» Die Qualität hier sei besser.

Derzeit konzentriert er sich auf die beiden Restaurants hier. Seit drei Jahren wirtet er im «Münzhof». In Rorschach ist er mittlerweile auch daheim. «Ich fühle mich hier sehr wohl.»

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