Schlussfeier mit Memes statt Chor: 138 Maturanden der Kantonsschule am Brühl in St.Gallen haben ihren Abschluss gefeiert

Die Maturanden der Kantonsschule am Brühl haben am Donnerstag ihren Abschluss gefeiert – gestaffelt und klassenweise.

Laura Manser
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Bild: Ralph Ribi

«Doch noch ein würdiger Rahmen», sind die ersten Worte von Mathias Gabathuler. Der Rektor der Kantonsschule am Brühl leitet so die Maturafeiern der acht Abschlussklassen ein. Es sei die kürzeste Begrüssungsrede, die er als Rektor jemals gehalten habe, denn er müsse sie an diesem Tag ganze acht Mal halten.

Die Fach- und Wirtschaftsmittelschule (FMS, WMS) der Kantonsschule am Brühl haben am Donnerstag ihren Abschluss gefeiert. Aber nicht in der Tonhalle, wie in den Jahren zuvor. Dieses Jahr finden sich die insgesamt 138 Absolventinnen und Absolventen in der Kirche Linsebühl ein, eine gute Alternative. Denn ein würdiger Abgang sei der Schule wichtig gewesen, sagt Gabathuler. «Wir wollten die Zeugnisse nicht einfach nach Hause schicken.»

Ohne Händeschütteln, ohne Chor

109 Tage ist es her, seit die Kantonsschule am Brühl am 16.März in den Fernunterricht wechseln musste. Das brachte Herausforderungen, sagt der Rektor: «Man muss klare Erwartungen und Aufträge definieren, einheitlich kommunizieren und asynchron arbeiten können.» Auch der Lernzuwachs habe darunter gelitten. «Der Mensch ist ein soziales Wesen», zitiert Gabathuler Sokrates und betont, wie wichtig das alltägliche Schulleben mit ihren Höhen und Tiefen sei.

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Bilder: Ralph Ribi

Aufgrund der aktuellen Situation finden die Gratulationsrunden klassenweise und gestaffelt statt – und mit nur zwei Gästen pro Absolvent. Innerhalb von rund 20 Minuten erfolgen jeweils die Begrüssung durch den Rektor, die Zeugnisübergabe durch die Klassenlehrperson und die Auszeichnung der besten Leistungen. Rund 20 Schüler stehen pro Klasse auf der Bühne, hintereinander in fünf Reihen. Ohne traditionelles Händeschütteln bei der Zeugnisübergabe, ohne Klassenbeiträge wie Tanz, Chor oder Gesang. Die Schlussfeier von einem Duo mit Bass und Gesang musikalisch begleitet. Die Klasse 3CFP zeigt einen Videoclip über die schönsten Ausflüge während der Schulzeit und ihre Aktivitäten während dem Fernunterricht. Das klassenweise Auftreten der Absolventen funktioniert. Noch während die eine Klasse die Kirche verlässt, warten draussen die nächsten Maturanden gespannt auf ihre kurze Feier. Festlich gekleidet und mit grossem Grinsen in den Gesichtern schreiten sie ins Kirchenschiff.

166 Magnete für Memes am Kühlschrank

Bereits am Eingang werden den Schülern und Gästen die Regeln des BAG in Erinnerung gerufen, mit Desinfektionsmittel und Hinweise am Boden. In den Bankreihen kleben neongrüne Punkte, die zeigen, dass nur jede zweite Reihe besetzt werden darf. Anstelle einer gefüllten Kirche sieht man nun Dreiergruppen verstreut in den Bänken sitzen, auf der Empore lediglich die Fachlehrer. Vor dem Altar befindet sich eine Leinwand mit dem Plakat der Schlussfeier. Darauf ist das diesjährige Thema der Abschlussklassen: das Meme. Memes sind Medieninhalte, die mit einer humoristischen, satirischen oder gesellschaftskritischen Aussage im Internet viral verbreitet werden. Auf die Idee ist ein Schüler gekommen, wie David Hänsel vom OK der Schlussfeier sagt. Das Motiv wird in der Schlussfeier kaum aufgenommen, jedoch bekommen die Absolventinnen und Absolventen vom Prorektor jeweils ein Geschenkset mit 166 Magneten, um damit am Kühlschrank eigene Memes zu befestigen.

Nach jeder Gratulationsrunde findet vor der Kirche jeweils ein regelrechtes Fotoshooting statt. Mit Kameras und Handys ausgerüstet, wollen die Eltern diesen Tag noch lange in Erinnerung behalten. Und obwohl sich alle der schwierigen Zeit bewusst sind, lassen sich nach der Feier die Wenigsten eine Umarmung nehmen.

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