Schluss mit Gymi: In der «Unteren Waid» in Mörschwil findet nur noch eine Maturafeier statt

Sinkende Schülerzahlen haben dem Gymnasium Untere Waid in den letzten Jahren zugesetzt. Nun stellt es das Gymnasium auf das kommende Schuljahr hin ein und präsentiert eine Anschlusslösung mit dem Gossauer «Friedberg». In Mörschwil will man sich derweil auf die Oberstufe konzentrieren.

Johannes Wey
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Privatschule mit katholischer Prägung: In der «Unteren Waid» wird es nur noch eine Maturafeier geben.

Privatschule mit katholischer Prägung: In der «Unteren Waid» wird es nur noch eine Maturafeier geben.

Urs Bucher (21. Juni 2019)

Das Gymnasium Untere Waid in Mörschwil hat ein Problem: Die Klassengrösse hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Gerade einmal neun Schülerinnen und Schüler zählen die 3. bis 6. Klasse – die 1. und 2. sind das Untergymnasium – heute noch im Schnitt. Darum ist die Untere Waid als Gymnasium bald Geschichte, wie Stiftungsratspräsident Florin Rupper erklärt:

Florin Rupper, Stiftungsratspräsident Gymnasium Untere Waid.

Florin Rupper, Stiftungsratspräsident Gymnasium Untere Waid.

Benjamin Manser
«Wir wollen unser Profil als Oberstufenschule stärken und nennen uns künftig ‹Neue Oberstufe Untere Waid›.»

Der Zeitgeist und die Kosten

Als Rupper 2012 als Stiftungsratspräsident anfing, verzeichnete die «Waid» noch einen Rekord bei den Schülerzahlen. Einige waren vom Gymnasium Marienburg in Rheineck dazugestossen, das geschlossen wurde. Eine Folge eines anhaltenden Trends:

«Immer weniger Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine Privatschule mit christlicher Prägung.»

Hinzu komme neue Konkurrenz – Rupper nennt etwa das Gymnasium der neuen Stadtschulen St.Gallen – und die Höhe der Schulgelder. Je nach Einkommen betragen diese 6'000 bis 23'000 Franken pro Jahr.

1924 von den Salettinern gegründet

(jw) Das Gymnasium Untere Waid wurde 1924 vom Orden der Missionare von La Salette gegründet. 2007 wurde die Schule an eine neugegründete Stiftung übergeben. Noch heute leben im Missionshaus Untere Waid eine Handvoll Salettiner, es ist die einzige Niederlassung des Ordens in der Schweiz. 

In dieser Grösse sei die «Untere Waid» nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch den derzeitigen Herausforderungen wie der Digitalisierung nicht gewachsen.

Anschlusslösung am «Friedberg»

Ab dem Schuljahr 2021/2022 hat die «Waid» mit dem Gymnasium Friedberg in Gossau eine Vereinbarung getroffen, wonach die Schülerinnen und Schüler der 3. bis 5. Klasse dort unterrichtet werden. Die 6. Klasse kann die Mittelschule in Mörschwil beenden und im kommenden Sommer die letzte Maturafeier in der Kapelle begehen. Auch das Schwerpunktfach Pädagogik, Psychologie und Philosophie (PPP), das nur an der «Unteren Waid» angeboten wird, übernimmt das Friedberg-Gymnasium.

Sebastian Lamm, Prorektor Gymnasium Friedberg und Interimsrektor Gymnasium Untere Waid.

Sebastian Lamm, Prorektor Gymnasium Friedberg und Interimsrektor Gymnasium Untere Waid.

PD

Die beiden Schulen stehen sich nicht nur von der Ausrichtung her nahe. Diesen Frühling hat der Stiftungsrat bereits Friedberg-Prorektor Sebastian Lamm zum Interimsrektor gewählt. Damit habe man dem jetzigen Schritt vorgespurt, der Übertritt der Schülerinnen und Schüler werde so einfacher, sagt Rupper. Eine Verpflichtung besteht aber nur für das Friedberg-Gymnasium, die Schülerinnen und Schüler können auch an ein anderes Gymnasium wechseln.

Die Oberstufe forcieren

Das Untergymnasium an der «Unteren Waid» sei mit rund 20 Schülerinnen und Schüler pro Klasse nach wie vor gut besucht, sagt Rupper. Allerdings hätten in den letzten Jahren viele nach dem Untergymnasium an eine andere Schule gewechselt.

Nun wolle man sich unter dem neuen Namen als typengemischte Oberstufe positionieren, die den Schülerinnen und Schülern auch einen Wechsel von der Oberstufe ins Untergymnasium und umgekehrt ermöglichen könne.

«Bis jetzt wurden wir vorwiegend als Gymnasium wahrgenommen. Darum glauben wir, dass die Oberstufe noch Potenzial hat.»

Man werde im Schuljahr 2021 zwei oder drei Klassen anbieten. Die Pegasus-Schule am selben Standort, welche die Trägerstiftung 2013 gekauft hat, wird wie das Untergymnasium ebenfalls Teil der «Neuen Oberstufe». Auch ihr Name verschwindet.

Am «Friedberg» rechnet man mit mehr Schülern

Daniel Lehmann, Präsident Palottinerstiftung Gymnasium Friedberg

Daniel Lehmann, Präsident Palottinerstiftung Gymnasium Friedberg

PD

Das Gymnasium Friedberg werde durch die Vereinbarung mit der «Unteren Waid» und das neue Schwerpunktfach PPP gestärkt, glaubt Friedberg-Präsident Daniel Lehmann. Auch er erwähnt den verstärkten Konkurrenzkampf und spricht vor allem die Möglichkeiten an, welche eine Berufsmatur oder der tertiäre Bildungsweg bieten.

Auf dieses Schuljahr hätten die Schülerzahlen am «Friedberg» aber wieder leicht angezogen und er erwarte ausgehend von der Entwicklung der Schülerzahlen der Schule Gossau, dass dieser Trend anhält:

«Unsere Zahlen folgen in der Regel derselben demografischen Kurve wie jene der städtischen Schule.»
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