22-jährige St.Gallerin malt Selbstporträt mit Eichhörnchen

Zwei junge Frauen und zwei Männer stellen ihre Kunstwerke auf Schloss Dottenwil aus.

Laura Widmer
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Anna Menzi mit ihrem Selbstporträt und Thomas Zuberbühler. Für ihn ist es die erste Ausstellung. Bilder: Michel Canonica

Anna Menzi mit ihrem Selbstporträt und Thomas Zuberbühler. Für ihn ist es die erste Ausstellung. Bilder: Michel Canonica

Gipsplatten neben Comic-Zines, Skizzenbüchern und Advents­kalendern. Schloss Dottenwil wird unter dem Titel «Zeichnerei» zum Spielort für junge Kunst. Vier Kunstschaffende aus der Region mit Jahrgang 1988 bis 1997 zeigen in Wittenbach ihre Arbeiten.

Die Verspielte

Die Bilder der 22-jährigen Malerin Anna Menzi sind verspielt und farbenfroh. Etwa ein Selbstporträt mit zwei Eichhörnchen und vielen Blüten, im Stile der Mexikanerin Frida Kahlo gemalt. Tiere in Kleidchen, die menschliche Verhaltensweisen an den Tag legen, darunter Frösche, die Froschschenkel verspeisen, sowie Adventskalender entführen in eine Märchenwelt. Die St.Gallerin hat eine Lehre als Schneiderin abgeschlossen und ist zurzeit freiberuflich tätig. Für die Ausstellung zum Circus Knie im Textilmuseum hat sie die Kostüme restauriert. Die Schneiderei sei häufig technisch, das Kreative und Zeichnerische sei zu kurz gekommen, sagt Anna Menzi.

Der Fragile

Adrian Rast hat seine bemalten Gipsplatten aus Zagreb mitgebracht. Die Zugreise in der Zeichnungsmappe haben nicht alle unbeschadet überstanden. «Unterwegs sind ein paar Platten zu Bruch gegangen», sagt der Künstler, welcher der Liebe wegen in der kroatischen Hauptstadt lebt. Dass Gips so fragil ist, macht für Rast den Reiz des Materials aus. Der Umgang mit Scherben gehört dazu. Zu sehen ist das auch in der Ausstellung. Im Erdgeschoss hat der 31-Jährige Gipsplatten ausgelegt. Diese können von den Besuchern betreten werden und sind stellenweise in viele Teilchen zersplittert. Das Knirschen, die Bewegung: Alles Teil der Ausstellung. Adrian Rast sagt: «Für mich gibt es nichts, was kaputtgehen kann. Was zerbricht, nimmt eine neue Form an, die mich zu einem kreativen Umgang damit herausfordert.»

Die Erzählerin

Hannah Raschle lebt und arbeitet zurzeit in Zürich. Die Künstlerin aus St.Gallen sieht das Medium der Zeichnung als ihr Handwerk. «Es ist etwas, worauf ich vertrauen kann.» In den vergangenen Jahren hat sie als freischaffende Illustratorin gearbeitet. Im Dottenwil ist ein Querschnitt aus ihrer Arbeit zu sehen, auch ein paar ältere Werke sind darunter. Einige deuten den Anfang einer Geschichte an, wie die beiden grossformatigen Hotelrezeptionen im Untergeschoss. Andere, etwa die farbkräftigen, kleinformatigen Collagen, wirken wie fragmentartige Farb- und Formstudien.

Der Beobachter

Thomas Zuberbühlers neun Skizzenbücher laden zum Blättern ein. Der Grafiker, der heute als Koch arbeitet, hat sein Skizzenbuch immer dabei, die Arbeit mit Stift und Papier ist Zeitvertreib und Entspannung. Gesichter, Umrisse, die meisten sprechen für sich selbst, manche sind durch einen Satz ergänzt. Für Zuberbühler ist es die erste Ausstellung. Der 28-Jährige sagt: «Ich hoffte, die Anfrage würde mich motivieren, noch mehr zu zeichnen.» Stattdessen wuchs der Druck. Die Frage, was gut genug sei, überhaupt gezeigt zu werden, habe ihn stark beschäftigt.

Seine Kollegin Anna Menzi sieht die Schau im Dottenwil als Chance, ihre Werke zu zeigen. «Wie viel es bringt, ist schwierig zu sagen», sagt sie. Sind Ausstellungen ein Auslaufmodell? Soweit würde sie nicht gehen. Es sei jedoch ein kleiner Kreis, der sich für Kunst interessiere. Hannah Raschle hat schon an mehreren Ausstellungen in St.Gallen teilgenommen. Sie sagt: «Wenn man in dieser Stadt ausstellen möchte und ein paar nette ­Leute kennt, findet sich immer etwas.»

Ausstellung bis 8. Dezember. Sa 14–20 Uhr und So 10 – 18 Uhr