«Schlechter Service» – Anwohner am St.Galler Rosenberg vermuten einen Planungsfehler bei der Buslinie 10

Verärgert über den Fahrplan: Der Quartierverein Rosenberg fragt, ob man die Linie 10 nicht anders planen müsste. Der Kanton widerspricht.

Christina Weder
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Seit dem Fahrplanwechsel vor bald zwei Jahren halten an der Haltestelle Röteli am Rosenberg weniger Busse.

Seit dem Fahrplanwechsel vor bald zwei Jahren halten an der Haltestelle Röteli am Rosenberg weniger Busse.

Bild: Urs Bucher

Gleich zwei Petitionen musste der Stadtrat zur Buslinie 10 der VBSG beantworten. An beiden Enden – am westlichen Rosenberg und in Oberhofstetten im Quartier Riethüsli – fordern Anwohnerinnen und Anwohner einen dichteren Fahrplan.

Der Stadtrat zeigt Verständnis für das Anliegen. Er sei bereit, die Lücke im Fahrplan der Buslinie 10 zu schliessen, teilte er den Petitionären im August mit. Nun hat der Quartierverein Rosenberg, der die Petition «Buslinie 10 – Haltestelle Röteli» lanciert hat, dem Stadtrat geantwortet. Er zeigt sich einerseits erleichtert über die Unterstützung des Stadtrats und andererseits enttäuscht vom Kanton. Denn dieser hält einen Angebotsausbau auf der Linie 10 derzeit aus wirtschaftlichen Gründen für «unverhältnismässig».

Im Schreiben an den Stadtrat stellt Quartiervereinspräsident Martin Schregenberger fest, dass die Unzufriedenheit mit der Buslinie 10 gross sei. Zum einen kritisiere der Kanton deren geringen Kostendeckungsgrad. Zum anderen bemängelten ÖV-Nutzerinnen und -Nutzer den «schlechten Service». Das lässt ihn die Frage aufwerfen:

«Ist die Linie 10 vielleicht ein Planungsfehler?»

Am Samstagabend fährt ein Bus pro Stunde

Der Quartierverein Rosenberg wäre bereit, an einer «Lösung des ÖV-Problems» mitzuarbeiten, schreibt Schregenberger. Diese müsse nicht unbedingt innerhalb der Linie 10 gesucht werden, sie sei vielleicht auch in einer Kombination mit anderen Linien möglich. So waren die Haltestellen Röteli und Nussbaumstrasse bis vor zwei Jahren Teil der Buslinie in Richtung Schoren/Hölzli.

Martin Schregenberger, Präsident Quartierverein Rosenberg

Martin Schregenberger, Präsident Quartierverein Rosenberg

Bild: PD

Doch mit der Einführung des neuen Buskonzepts wurde die Streckenführung angepasst. Seither sind Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Gebiet Röteli wesentlich schlechter bedient als vorher. Samstags fährt nach 19 Uhr nur noch stündlich ein Bus, sonntags fährt gar keiner mehr. Und werktags ist der Fahrplan morgens und abends ausgedünnt. «Es kann vorkommen, dass man am Abend beispielsweise 50 Minuten auf den Bus warten muss, um die drei Kilometer den Berg hochzukommen», ärgert sich ein Anwohner. Quartierbewohner fordern deshalb die Rückkehr zum alten Fahrplan. Betroffen ist auch die Sprachheilschule.

Verbesserungen zu Lasten des Gebiets Röteli

Zuständig für die Planung des Liniennetzes ist das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen. Angebotsplaner Markus Schait will von einem Planungsfehler nichts wissen. Das neue Buskonzept habe bedeutende Verbesserungen für die Quartiere Rotmonten und Schoren gebracht. Dafür habe man Verschlechterungen im Gebiet Röteli in Kauf genommen. Schait sagt:

«Ein Angebotsabbau ist für die Betroffenen zwar nicht schön.»
Markus Schait, Verkehrsplaner, Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen

Markus Schait, Verkehrsplaner, Amt für öffentlichen Verkehr, Kanton St.Gallen

Bild: PD

«Doch der Kanton stellt sich auf den Standpunkt, dass das Gebiet am westlichen Rosenberg auch durch die Linie 9 Richtung Schoren und direkt vom Hauptbahnhof her erschlossen ist.» Ihm sei bewusst, dass die Anwohner dadurch längere Fusswege und zusätzliche Höhenmeter in Kauf nehmen müssten.

Schait betont: Eine neue Streckenführung stehe derzeit im Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons nicht zur Debatte. Auch ein Ausbau des Fahrplans sei für die Linie 10 in den kommenden Jahren nicht vorgesehen. Man beobachte die Entwicklung der Fahrgastzahlen laufend. Um jetzt schon Schlüsse aus dem neuen Buskonzept zu ziehen, sei es noch zu früh.