«Einmal pro Woche habe ich die Polizei im Haus»: Partybetrieb der Rorschacher Musigbar Mariaberg führt bei den Nachbarn zu Schlafmangel

Für Nachbarn der Rorschacher Musigbar Mariaberg ist es zu laut. Der Inhaber handelt – und greift dafür tief in die Tasche.

Jolanda Riedener
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Reto Labhart führt die Musigbar Mariaberg seit November. Beschwerden wegen des Lärms machen ihm zu schaffen.

Reto Labhart führt die Musigbar Mariaberg seit November. Beschwerden wegen des Lärms machen ihm zu schaffen.

Bild: Jolanda Riedener

Wummernde Bässe und die immer gleichen Partyhits – von mittwochs bis samstags. Auch dann, wenn man am nächsten Tag zu arbeiten hat. Oder einmal vor Mitternacht ins Bett will. Seit die Musigbar Mariaberg vergangenes Jahr am 7.November an der Hauptstrasse 45 in Rorschach eröffnete, hat sich das Ambiente nebenan und bei den darüberliegenden Wohnungen stark verändert.

Während zuvor das Restaurant einen eher ruhigen Betrieb mit weniger langen Öffnungszeiten führte, ist das jetzige Konzept des Geschäftsführers Reto Labhart ein lauteres. Ein Fumoir, DJs und Karaokeabende locken das Partyvolk an.

Bereits seit mehreren Jahren wohnt ein Mieter oberhalb des «Mariaberg». Er sagt:

«Ich habe auch den Betrieb des Kulturlokals noch erlebt. Die Situation jetzt ist aber kein Vergleich dazu.»

Vor allem die konstante Lautstärke an vier Abenden die Woche bringe ihn um den Schlaf. «Klar, ich bin auch älter geworden, vielleicht hatte ich früher noch mehr Verständnis.» Längerfristig überlege er sich aber, ob er sich nicht nach einem anderen Zuhause umschauen soll.

Wände und Zwischenböden sollen Lärm dämmen

Inhaber Urs Räbsamen ist das Problem bekannt. Und er hat bereits gehandelt. Die Wohnung direkt über der Musigbar Mariaberg wurde mit Spezialschallplatten ausgestattet. Entstanden ist ein Zwischenboden, der die Musik dämmen soll.

Der Architekt Urs Räbsamen ist Inhaber des Liegenschaft an der Hauptstrasse 45.

Der Architekt Urs Räbsamen ist Inhaber des Liegenschaft an der Hauptstrasse 45.

PD

«Was es gebracht hat, wissen wir noch nicht», sagt er. Man warte noch auf eine Rückmeldung der Mieter. Auch im Nachbarhaus arbeiten Bauphysiker daran, 20 bis 30 Zentimeter dicke Schallschutzwände zu erstellen. Urs Räbsamen sagt:

«Die Wirtschaftlichkeit ist schon lange nicht mehr gegeben.»

Gleichzeitig liege ihm die Stadt Rorschach am Herzen und er wolle das Lokal beleben statt leer stehen lassen – obwohl letzteres mittlerweile finanziell lohnenswerter wäre.

Livemusik und Party war von Anfang an geplant

Auch Geschäftsführer Reto Labhart weiss, dass nicht alle Freude an seinem Lokal haben. Er sagt:

«Einmal pro Woche habe ich die Polizei im Haus.»

Jeweils am Wochenende, wenn die Bar bis 2Uhr offen sei, komme es zu Reklamationen. «Ich kann die Nachbarn begreifen», sagt er. Vor allem die Bässe seien das Problem. Dass es laut werde und Livemusiker auftreten werden, sei aber von Anfang an so geplant gewesen. «Sonst wäre ich nicht hergezogen», sagt Labhart.

Es sei auch für ihn und sein Team unangenehm, wenn ständig die Polizei vorbeikommen müsse, obwohl er sich an die Abmachungen halte. Er sagt: «Das ist nicht förderlich für unseren Ruf.» Ansonsten stimme die Bilanz seit der Neueröffnung im November.

Ausnahmesituation sorgt vorübergehend für Ruhe

Laut Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, ist es in den vergangenen Monaten zu zehn Polizeieinsätzen gekommen.

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

PD

«Davon konnten die Polizeibeamten in sieben Fällen keinen Lärm feststellen», sagt er. In den anderen drei Fällen sei man seitens der Betreiber auf Verständnis gestossen. Ausserdem hätten bei neun von zehn Beanstandungen jeweils dieselben zwei Personen reklamiert.

Mit den aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus ist davon auszugehen, dass für einige Wochen Ruhe einkehren wird.