Die Schlachthofstrasse gehört wieder zu Gossau

Eine Handänderung macht stutzig: Ein Teil der Schlachthofstrasse gehörte bis vor kurzem der Stadt St. Gallen. Ein Relikt aus einer anderen Zeit.

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(jw) Gossau hat ein Stück Boden zurück: Das Grundstück 1590 ist von St. Gallen an die Nachbarstadt übergegangen, wie den Handänderungen zu entnehmen ist. Doch obwohl das Grundstück mitten in der Industriezone liegt, gibt es damit nicht mehr Bauland für das Gossauer Gewerbe. Das Grundstück erstreckt sich von der Spar-Zentrale bis zur Industriestrasse und besteht im Wesentlichen aus der Schlachthofstrasse.

Doch wieso besass die Stadt St. Gallen überhaupt eine Gossauer Strasse? Die Antwort aus dem Gossauer Tiefbauamt ermöglicht eine Zeitreise. Die Liegenschaft sei 1960 von der Stadt St. Gallen gekauft worden, als Teil eines umfangreichen Grundstücks im späteren Gossauer Industriegebiet. Im Osten der Parzelle baute sie später den Schlachthof, welcher der Strasse ihren Namen gab.

Der Umzug nach Gossau war nicht der letzte in der Geschichte des Schlachthofs. Ursprünglich lag er am Marktplatz und wurde schlicht «Metzg» genannt. Damals wurde der Schlachthof noch von der Stadt St. Gallen dem Metzgermeisterverein zur Verfügung gestellt. Ab 1860 wurde am Stadtrand geschlachtet: Erst an der Steinachstrasse, dann im Schellenacker und ab 1975 in Gossau. 1976 wurde der Betrieb der Schlachtbetrieb St. Gallen AG zur Verfügung gestellt und 1996 vollends privatisiert, wie die Stadt St. Gallen auf ihrer Webseite schreibt.

Der östliche Teil der Schlachthofstrasse ist gemäss Tiefbauamt bereits 2003 wieder an die Stadt Gossau übergegangen. Weshalb der westliche Teil in St. Galler Eigentum verblieb, sei nicht mehr nachvollziehbar. Ohnehin sei seit je Gossau für den Unterhalt zuständig. Nun habe St. Gallen den Boden ohne Entschädigung abgetreten.

Geht man nach der Postleitzahl gehört das Gebiet übrigens weiterhin zu 9015 St. Gallen.