Schellen sind sein Leben - Peter Preisig öffnet die Tür zu seiner Werkstatt in Gossau

Seit 1998 schmiedet Peter Preisig Schellen. Er hält damit ein uraltes Handwerk am Leben. Vor drei Jahren hat er einen besonderen Durchbruch geschafft.

Roger Fuchs
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Mit einer Zange führt Peter Preisig das Stahlblech in den Ofen. Zwischen 900 und 1200 Grad beträgt die Schmiedetemperatur. Kurz darauf hämmert er in einem Schmiedegesenk das Material zurecht. Bereits lässt sich die Form einer Senntumsschelle erkennen. 30-mal muss Preisig diesen Vorgang wiederholen.

Der Blick über die Schulter des 44-Jährigen ist wie das Eintauchen in eine archaische Welt. Seit 1998 befasst er sich mit dem traditionellen Handwerk des Schellenschmiedens. Inzwischen kann er davon leben. Seine Werkstatt liegt auf Gossauer Boden direkt an der Grenze zu Ausserrhoden. Das ganze Wissen über das Schmieden habe er sich selbst angeeignet, sagt Preisig. Der gebürtige Herisauer liess sich ursprünglich zum Autolackierer und Carrosseriespengler ausbilden, später arbeitete er als Fahrzeugschlosser und er hat als Berufsbildner Anlage- und Apparatebauer geschult.

(Bilder: Benjamin Manser)
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Seit drei Jahren auch Senntumsschellen

«Parallel dazu hat mich das Handwerk des Schellenschmiedens immer interessiert», erzählt Peter Preisig. Beeinflusst haben ihn die Traditionen im Appenzellerland. Schellen und Rollen spielen hierbei eine grosse Rolle − sei es bei den Chlausenschuppeln oder bei den Alpaufzügen und Alpabzügen, wo jeweils drei Kühe grosse Senntumsschellen tragen. Die Herstellung von diesen bezeichnet Peter Preisig als die Königsdisziplin, da sie klanglich aufeinander abgestimmt sind. Vor drei Jahren ist es ihm erstmals gelungen, selbst Senntumsschellen herzustellen. Für ein Dreier-Set muss er rund 120 Arbeitsstunden aufwenden. Die grösste Herausforderung nach dem Schmiedeprozess bleibt die akkurate Feinjustierung des Tons. Wie er dies macht, bleibt Berufsgeheimnis. Nebst Schellen und Rollen fertigt Peter Preisig auch Kunstgegenstände, Wirtshausschilder oder Gartenzauneisen.

Bei einem Fachmann im Tirol angeklopft

Erste Schmiedversuche hat der Autodidakt vor 20 Jahren in Waldstatt gestartet. Während er das Grundwissen bei Schmieden in der Region holte, reiste er für Detailkenntnisse zum inzwischen verstorbenen Fachspezialisten Vinzenz Haueis ins Tirol. Über 200 Jahre wurden auch sämtliche Chlausenschellen des Appenzellerlandes aus jener Gegend importiert. «Geschmiedet habe ich mit Haueis allerdings nicht», so Preisig. Auch er wollte offenbar nicht alles preisgeben. Trotzdem: Peter Preisig hat es gepackt und er tüftelte und probierte aus, bis ihm die ersten Rollen für seinen Chlausenschuppel gelangen. In den Folgejahren hat er von Erfolgserlebnis zu Erfolgserlebnis weitergearbeitet. Und so hält er heute ein uraltes Handwerk wach. Schulen, Firmen, Vereine schauen regelmässig bei ihm hinein. Dabei informiert er jeweils über die fünf zentralen Schritte seiner Technik: Nach dem Bereitstellen der passenden Glut im Ofen folgt die Materialwahl und das Zuschneiden des Stahls mit Hilfe einer Schablone. Nach dem Schmieden wird die neue Schelle im Lehm vermessingt. Das aufwendige Stimmen folgt zum Schluss.

«Viel Geduld, Musikgehör und handwerkliches Geschick», antwortet Preisig auf die Frage nach den Voraussetzungen für seine Tätigkeit. Dann nimmt er die Zange und dreht sich wieder zum Feuer. Das Stahlblech der Schelle braucht neue Hitze.

Hinweis: www.schellenschmiede.ch