Schäferhund Price aus Berg ist ein Rettungsschwimmer

Corina Schütte aus Berg hat ihren Price zum Wasserrettungshund ausgebildet. Ein anspruchsvolles Hobby für Mensch und Tier.

Lisa Wickart
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Auf dem Bodensee an der Arboner Seepromenade sind nur wenige Boote zu sehen. Der Himmel ist grau und das Wasser schwappt unruhig ans Ufer. Plötzlich geschieht ein Unglück: Eine Frau fällt von einem Motorboot in den See. Sie taucht auf, schreit und wedelt hektisch mit den Armen. «Spring», ruft sofort eine Stimme bestimmt vom Ufer her.

Ins Wasser hechtet nicht etwa ein Rettungsschwimmer, sondern ein schwarzer Labrador. Zielsicher schwimmt der Hund auf die Frau zu, schnappt sie am Arm und zieht sie zum Boot zurück. Schon kann sie sich am schmalen Bootrand festhalten und sie wird von ihren Begleitern hoch ins Trockene gezogen.

Was wie eine gefährliche Situation aussieht, ist nur eine Übung. «Wasserrettung ist für Hunde reiner Sport», sagt Corina Schütte aus dem st. gallischen Berg. So wie heute hat sie schon Dutzende Male die Ertrinkende gespielt, um sich dann retten zu lassen. Sie und ihr Mann Franz leiten abgesehen von ihrer Hundeschule auch eines der einzigen Wasserrettungtrainings in der Region.

Die Freude des Hundes ist zu spüren

Die 56-Jährige betreibt den Hundesport im Wasser selbst seit acht Jahren mit ihrem Deutschen Schäferhund Price. Die Arbeit mit den Vierbeinern fasziniere sie immer wieder von Neuem: «Es ist wunderschön zu sehen, wie gerne der Hund mitmacht», sagt Corina Schütte an diesem Sonntagmorgen.

Bei jedem Mal mache es ihr viel Spass zu spüren, wie viel Freude das Tier im Wasser habe. Wichtig bei der Arbeit mit dem eigenen Haustier sei das Vertrauen: «Um sich aufeinander verlassen zu können, müssen Mensch und Hund eine gute Beziehung zueinander haben.»

Rettung in der Realität zu gefährlich

Obwohl ausgebildete Hunde Ertrinkende retten können, werden sie in der Schweiz offiziell nicht eingesetzt. Eine Rettung, wie die Hunde es im Kurs lernen, sei in der Realität zu gefährlich:

«Wenn ein Ertrinkender plötzlich einen Hund auf sich zuschwimmen sieht, könnte er Panik bekommen und im schlimmsten Fall den Hund unter Wasser drücken und ertränken.»

In manchen Ländern, wie Italien oder Spanien, seien die Vierbeiner bereits im Einsatz. Dies jedoch nur als Unterstützung für den Rettungsschwimmer. So könne er sich beispielsweise während der Rettung am Hund festhalten.

Bloss weil die Wasserrettung als Sport gelte, heisse das nicht, dass das Training nur Plausch sei: «Wasserhundesport ist ein sehr intensives Hobby», sagt Schütte. Jeweils dreimal in der Woche trainiere die Gruppe, teilweise auch für Wettkämpfe.

Sie erwarte von den Teilnehmern, dass sie bei fast jedem Training dabei seien: «Es ist ein Teamsport, ohne einander geht es nicht.» So brauche es mindestens drei bis vier Leute, beispielsweise für das Lenken des Boots oder als Ertrinkende.

Langsam fährt das Boot wieder ans Ufer zurück und die gerettete Corina Schütte steigt aus. Damit sie und die insgesamt elf Kursteilnehmer während des zweieinhalbstündigen Trainings nicht frieren, tragen alle einen Neoprenanzug.

Schütte schnappt sich ein Handtuch, um sich abzutrocknen, und beobachtet die nächste Übung mit dem Labrador und seinem Herrchen: «Unser jüngstes Mitglied ist 13 Jahre alt und er nimmt bald an der Prüfung für die höchste Stufe statt», sagt sie stolz.

1000 Meter schwimmen für das Brevet

Im Wasserrettungssport gebe es vier Prüfungen, wobei die vierte Brevet genannt werde: «Bei der letzten Prüfung müssen die Hunde unter anderem einen Kilometer schwimmen können und fähig sein, einen Bewusstlosen aus dem Wasser zu ziehen», sagt Schütte.

Mit Price habe sie diese Prüfung vor einem Jahr abgelegt. Da der achtjährige Hund allmählich Probleme mit den Hinterbeinen bekomme, trainiere sie mit ihm aber nicht mehr so intensiv.

Für die Mutter zweier Kinder haben ihre beiden Schäferhunde nicht nur im Sport eine grosse Bedeutung: «Für uns sind sie Familienmitglieder.» Sie würden immer wieder gefragt, ob die Haustiere sie nicht einengten. Dabei sieht sie die Hunde überhaupt nicht als Einschränkung: «Wir fahren auch mal ohne Hunde in die Ferien, das muss auch sein.»

Meist seien die Vierbeiner jedoch dabei, so auch in den geplanten Sommerferien in der Toskana. Die beiden seien für sie nicht mehr wegzudenken: «Ich könnte mir mein Leben ohne Hunde nicht mehr vorstellen.»

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